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Lesen lernen

Mit Bildern zum besseren Textverständnis

Buchstaben und Wörter zu kennen, ist nur der erste Schritt zum Lesenlernen. Aus ihnen den Sinn eines Textes abzuleiten, ist für viele Schüler nicht einfach. Hier können Situationsbilder helfen, die einfach zu interpretieren sind und damit den Zugang zum Verständnis eröffnen. Denn Lesen macht nur Spaß, wenn man einen Text auch versteht.

Lesen lernen: Mit Bildern zum besseren Textverständnis Bilder helfen, den zu lesenden Text richtig zu verstehen, und motivieren Kinder zum Lesen © ra2 studio - Fotolia.com

Lautes Vorlesen ist für Max eine Qual. Er tut sich schwer mit dem Buchstabieren und man merkt, dass er kaum etwas vom Sinn des gelesenen Textes versteht. Liest dagegen Lisa vor, hören alle gern zu. Sie spricht verständlich und gibt sich viel Mühe, alles richtig zu betonen. Fragt die Lehrerin sie aber anschließend nach dem Inhalt des Textes, kann sie kaum sagen, was sie da gerade vorgelesen hat. Sie hat sich so sehr auf die geschriebenen Wörter, die Satzzeichen und eine korrekte Artikulation konzentriert, dass ihr die Bedeutung des Textes entgangen ist.

Was bei Max ganz offensichtlich ist, trifft damit auch auf Lisa zu: So richtig Spaß am Lesen haben beide nicht. Denn das mechanische Lesen bereitet keine Freude. Die stellt sich erst dann ein, wenn man einen Text versteht, wenn man ihn, wie Experten sagen, in seiner Bedeutung dekodieren kann.

Bilder als Hilfestellung

Texte auf diese Weise zu lesen und dann auch zu verstehen, kann für lernschwache und behinderte Schüler eine Herausforderung sein. Oft fehlt ihnen der Wortschatz oder auch die Konzentrationsfähigkeit für einen längeren, für sie unübersichtlichen Text. Hier können Situationsbilder helfen. Denn welche Bedeutung die gelesenen Worte haben, erschließt sich solchen Schülern leichter, wenn sie sie zugleich als Bild präsentiert bekommen. Situationsbilder können zunächst einzeln betrachtet werden und ergeben dann  in der Abfolge einen sinnvollen Zusammenhang. Schrittweise führen sie auf diese Weise sehr gezielt an  ein besseres Textverständnis heran.

Links zum Thema:

Die Grundschulen der Gemeinde Büllingen haben gemeinsam Bildergeschichten entwickelt und ins Internet gestellt.

Namhafte Zeichner haben Bildergeschichten zur Verfügung gestellt, die sich für Erlebniserzählungen, Phantasiegeschichten und Berichte eignen.

Kindgerechte Bildergeschichten, die sich an Berliner Bildungspläne anlehnen, bietet kidsweb.

„Lesestart — Drei Meilensteine für das Lesen“ ist ein Programm zur Sprach- und Leseförderung, das sich schon an die Jüngsten richtet. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und von der Stiftung Lesen durchgeführt.

Die Situationsbilder können Szenen aus dem täglichen Leben oder auch aus der Fantasiewelt zeigen: ein Schwimmbad zum Beispiel. Kinder spielen im Wasser und auf dem Rasen, die Sonne scheint, eine Mutter sitzt mit ihrem Kind auf einem Handtuch, beide trinken etwas, ein anderes Kind isst ein Eis. Zu dem Bild bietet der Lehrer den Schülern eine Anzahl einfach strukturierter Sätze an: „Heute ist es sehr heiß.“ „ Es ist keine Wolke am Himmel.“ „Pia und Paul spielen mit dem Ball.“ „Frau Meier hat Saft mitgebracht.“ „Lukas durfte sich ein Eis kaufen.“ Die Kinder lesen die Sätze und beurteilen, ob sie zu dem Bild passen. Es können auch Sätze vorkommen, die dem Bild nicht entsprechen: Zum Beispiel wird die Feststellung „Es regnet“ von den Kindern aussortiert.

Erfahrungswelt fördert das Textverständnis

Mit den ausgewählten Sätzen kann die Situation nun beschrieben werden, wobei es auf die Reihenfolge nicht ankommt. Ziel ist das Sinnverständnis für den Text und der Aufbau einer Sinnerwartung. Was kann in dieser Situation passieren?

„Die Kinder werden mit einem Bild konfrontiert, das eine Szene aus ihrer Erfahrungswelt darstellt“, schreibt Autor Michael Häußler. „Mit dieser Anschauungshilfe können sie nun an die angebotenen Wörter und Sätze herangehen, aus denen sie weitgehend selbstständig einen zum Bild passenden Text zusammenstellen.“ Dieser Text kann dann auch als Ganzes gelesen werden.

Schrittweise Erarbeitung des Textes

Die Arbeit mit Situationsbildern entspricht damit einigen wesentlichen Prinzipien sonderpädagogischen Unterrichts. Der Text wird schrittweise erarbeitet, also nicht als entmutigendes Ganzes erlebt. Zudem werden einzelne Wörter durch stetiges Wiederholen intensiv geübt, unbekannte Wörter werden geklärt, sodass die Erweiterung des Wortschatzes gewährleistet ist, und alle Schüler können sich zugleich an der Arbeit beteiligen.

Literatur zum Thema:

Press, Hans-Jürgen: Der kleine Herr Jakob — Bildergeschichten. Weinheim 2013

Die Schüler bekommen eine schnelle Rückmeldung darüber, ob sie richtig oder falsch gelesen und zugeordnet haben. Mit einfachen oder komplizierteren Sätzen besteht außerdem die Möglichkeit der Differenzierung, sodass sich jedes Kind nach seinen Fähigkeiten beteiligen kann. Am Ende steht die zusammen erarbeitete Geschichte, die alle Schüler mit Recht als ihr gemeinsames Produkt betrachten können.

Ein ähnliches Vorgehen bietet sich in der Weiterarbeit auch mit einfachen Bildergeschichten an, die einen Zusammenhang und in der Folge eine Pointe haben. Alle Materialien lassen sich sowohl im herkömmlichen Unterricht als auch in der freien Arbeit nutzen.

Regine Dee

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