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Fremdsprachen

Mit Gesten und Bildern Vokabeln leichter lernen

Wie können sich Menschen unbekannte Vokabeln in einer fremden Sprache am besten einprägen? Durch multisensorisches Lernen, so Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig. Sie haben zudem herausgefunden, welche Sinneswahrnehmungen für das Lernen besonders förderlich sind.

Fremdsprachen: Mit Gesten und Bildern Vokabeln leichter lernen Verknüpft man ein Bild von einem Gegenstand mit der entsprechenden Vobabel, lernt man das neue Wort viel leichter © Yeko Photo Studio - Fotolia.com

Anna hat einen 13-jährigen Sohn, dem das Lernen von Englischvokabeln große Probleme bereitet. „Hat jemand Tipps wie ich es ihm erleichtern kann?“, fragt sie in die Runde eines Forums für Englischlehrer und erhält darauf eine Unzahl von Vorschlägen: Katrin plädiert für spielerisches Lernen mit Vokabelkartei, -kassetten oder -Memory, Maria schlägt vor, sich die Vokabeln mithilfe von interessanten Texten oder einer Lernsoftware einzuprägen, und Susi rät dazu, 10 Vokabeln in eine selbst erfundene Geschichte einzubauen. „Vokabeln IMMER in sinnvollen Zusammenhängen lernen!“, rät „justafriendlyreminder“ in seinem herausragenden Forums-Beitrag. Er setzt auch auf Lernen mit allen Sinnen: „Akustische Methoden nutzen: Vokabeln auf einer Seite wie www.leo.org im Wörterbuch als Audiodatei anhören“, denn: „Hören UND Schreiben steigert den Lerneffekt!“ Auch visuelle Methoden hat „justafriendlyreminder“ im Repertoire: „Bilder beschriften (…) oder selbst Bild(er) (…) erstellen“, zum Beispiel für ein stetig wachsendes Klassen-Memory, oder aber die „Post-it-Methode“, bei der verschiedene Gegenstände mit den entsprechenden englischen Vokabeln auf Haftzetteln bestückt werden.

Multisensorisches Lernen: Bilder sind gut, Gesten sind besser!

Wie lernen wir am effektivsten? Dieser Frage gingen Neuro- und Kognitionswissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) in Leipzig nach. Die Teilnehmer ihrer Studie sollten sich Vokabeln in „Vimmi“, einer vom MPI eigens entwickelten Kunstsprache, einprägen: Eine Woche lang lernten die jungen Frauen und Männer abstrakte und konkrete Vimmi-Substantive unter verschiedenen Bedingungen:

  1. Sie hörten ein Wort und seine Übersetzung und betrachteten dann ein entsprechendes Bild oder eine Geste.
  2. Sie malten das Bezeichnete selbst „in der Luft nach oder
  3. drückten es mit einer Geste aus“ (vgl. dazu den Beitrag „Lernen mit allen Sinnen“ auf der Website des MPI).

Danach prüften die Forscher zu unterschiedlichen Zeitpunkten, inwieweit sich die Studienteilnehmer an das Gelernte erinnern konnten. „Am besten konnten sich die Probanden an einen Begriff erinnern, wenn sie ihn selbst mit Gesten ausdrückten“, fasst Katja Mayer vom Max-Planck-Institut die Ergebnisse zusammen. Besser merken konnten sie sich die Übersetzung eines Begriffes auch, wenn sie die Vokabel hörten und zusätzlich ein Bild davon sahen. Der Lernerfolg beim Nachzeichnen des Begriffes beziehungsweise beim passiven Beobachten einer Geste entsprach hingegen lediglich dem reinen Hören. (ebd.)

Neuronale Netze gegen das Vergessen

Wie eine Vokabel gelernt wurde, spiegelt sich später in der Gehirnaktivität: Wurden Wörter mithilfe von Gesten gelernt, so waren beim späteren Übersetzen „unter anderem auch Gehirngebiete des Bewegungssystems aktiv“. Entsprechend waren beim Übersetzen von mit begleitenden Bildern gelernten Vokabeln Regionen des Sehsystems aktiv.

Was genau passiert im Gehirn, wenn wir ein Wort mit Hilfe einer Geste lernen? Das beschreibt Manuela Macedonia in einem lesenswerten Artikel auf der Wissenschaftsseite spektrum.de: „Neben den für Sprache zuständigen Hirnbereichen feuern auch Neurone in motorischen Kortexarealen sowie im Kleinhirn. Darüber hinaus zeigt sich vermehrte Aktivität im Parietalkortex, der Reize verschiedener Sinnesmodalitäten miteinander verknüpft; auch frontale Hirnareale spielen eine Rolle.“ Diese stärkere Vernetzung zusätzlich in visuelle und motorische Bereiche erleichtert das Erinnern, denn es genügt schon, einen Punkt des neuronalen Netzes zu aktivieren, um die anderen Bestandteile zu erreichen; zudem sind große Netzwerke weniger anfällig für Vergessen.

Die Sinneseindrücke sollten zum Wort passen

Insgesamt steht fest: Unser Gehirn lernt leichter, „wenn Informationen aus unterschiedlichen Sinnesorganen miteinander assoziiert werden“. Auch Schmecken, Riechen und Gefühle spielen dabei eine Rolle.

Doch lernen wir umso besser, je mehr Sinne beim multisensorischen Lernen beteiligt sind? „Wahrscheinlich ja“, vermutet Katharina von Kriegstein, die Leiterin der Studie. In welchem Maße sich der Lernerfolg durch mehrere Sinne steigern lässt, lässt sich zwar nicht quantifizieren, die einzelnen Sinneseindrücke sollten aber idealerweise zusammenpassen: „Wer also das spanische Wort für Apfel lernen will, sollte eine Apfel-Geste machen, einen Apfel schmecken oder ein Apfelbild betrachten“, sagt von Kriegstein. („Lernen mit allen Sinnen“, Link s. o.)

Martina Niekrawietz

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