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Auditive Kompetenz

Mit Hörspurgeschichten das verstehende Zuhören fördern

Das Zuhören-können und -wollen ist eine zentrale Fähigkeit (nicht nur) im Schulalltag. Umso wichtiger ist es, das verstehende Zuhören zu fördern. Hörspurgeschichten eignen sich besonders, die auditive Kompetenz von Grundschülern zu trainieren.

Auditive Kompetenz: Mit Hörspurgeschichten das verstehende Zuhören fördern Das verstehende Zuhören lässt sich prima durch Hörspurgeschichten fördern © Syda Productions - stock.adobe.com

„Dem Zuhören wurde bis vor wenigen Jahren sowohl in den Lehrplänen als auch im Unterricht der Grundschule wenig Beachtung geschenkt, obwohl Schülerinnen und Schüler einen Großteil ihres Unterrichtslebens zuhörend verbringen.“ (Bremerich-Vos (Hg.) u. a.: Bildungsstandards für die Grundschule: Deutsch konkret, Berlin 2009, S.51)  

Das verstehende Zuhören ist im Lebensalltag der Kinder eine bedeutsame Fähigkeit, die als Fertigkeit zunächst erworben werden muss. Im Kontext Schule stellt diese eine elementare Lernvoraussetzung für den Schriftspracherwerb dar. Für den schulischen Lernerfolg und den Wissenserwerb ist es von zentraler Bedeutung, dass Kinder ihre Aufmerksamkeit gezielt auf Äußerungen richten können, um wesentliche Informationen zu entnehmen. Genau hier setzen neue Lehrplangedanken an: Die auditive Kompetenz der Schüler soll frühzeitig angebahnt und umfassend gefördert werden.  

Schrittweise zu mehr Hörkompetenz

Schrittweise entwickeln die Kinder mehr Hörkompetenz, indem sie Strategien zum verstehenden Zuhören anwenden: Das „Zuhören ist ein aktiver und mehrstufiger Prozess, aus dem sich Strategien für das Üben des verstehenden Zuhörens ableiten lassen (vgl. dazu: Grundschul-Newsletter Lehrplan PLUS).

Die vier Schritte und die passenden Strategien lauten wie folgt (vgl. Link oben):

Schritte beim Zuhören Strategien
1. Vor dem Zuhören:
Zuhören wollen und Aufmerksamkeit ausrichten
Zuhörhaltung einnehmen, selbst ruhig werden und Störgeräusche einstellen, Blickkontakt zum Sprecher …
Lehrerverhalten: Signale und Rituale, Entspannungsübungen, altersgemäße Inhalte …
2. Während des Zuhörens:
Informationen auswählen
Hörauftrag beachten, Medium mehrmals anhören, Notizen machen
Lehrerverhalten: Länge und Niveau der Hörbeispiele steigern, Höraufträge geben, Aufmerksamkeitsspanne trainieren …
3. Während oder nach dem Zuhören:
Informationen organisieren
Zeit nehmen für die Verarbeitung im Arbeitsgedächtnis, bei komplexen Aufgaben Strukturierungshilfen nutzen, z. B. Bilder in die richtige Reihenfolge bringen, Vervollständigen eines Bildes, Fragen zum gehörten Text beantworten …
Lehrerverhalten: Zeit geben, Hilfen vorhalten
4. Vor bzw. nach dem Zuhören:
Informationen speichern
Bild als Merkhilfe, Zusammenfassung formulieren …
Lehrerverhalten: motivierender Einstieg zur Aktivierung des Vorwissens, z. B. über Rate-Frage, Gegenstand, Bild oder Stichwort. Dies erleichtert den Zugang und die Verknüpfung des Neuen mit dem Bekannten. Nach der Zuhöraufgabe: zunächst Reflexion über den Inhalt des Gehörten, später über das Zuhören selbst

Hörspurgeschichten — ein spannender Weg zu mehr Hörkompetenz

Nun stehen Sie vor der Aufgabe, das Hörverstehen in der Schule anzubahnen. Suchen Sie nach praxiserprobtem Material für Ihren Unterricht, das Ihre Klasse motiviert und begeistert? Dann ist das Konzept der Hörspurgeschichten genau das Richtige: Die Vorgehensweise basiert dabei auf dem erfolgreichen Konzept der Lesespurgeschichten. Neu am Hörspurkonzept ist nun, dass der Fokus weg vom sinnentnehmenden Lesen hin zum verstehenden Zuhören gelenkt wird. Die Hörtexte, die professionell von einem Tonstudio eingesprochen sind, versetzen die Schüler direkt in die jeweilige Geschichte und lassen das Geschehen hautnah miterleben.

Die Kinder üben beim Konzept „Hörspurgeschichten“ die oben aufgeführten Zuhörstrategien Schritt für Schritt ein:

  1. Vor der Unterrichtseinheit bieten sich Spiele und Konzentrationsübungen an, um das aufmerksame Zuhören zu trainieren. Dabei erlernen die Schüler auch, Störreize aus der Umgebung auszublenden und ihre eigenen Bedürfnisse während eines Gesprächs zurückzustellen. Übungen wie z. B.: Geräusche-Memo, Geräusche-Spaziergang, „Einer raus“ etc. werden genauer vorgestellt. Aber auch jegliche Art von Geräuschspielen, Beschreibungsrätseln oder Fantasie- und Traumreisen bieten sich für den Einstieg an.
  2. Im Anschluss daran soll die Aufmerksamkeit gezielt auf das Zuhören ausgerichtet werden: Die Schüler sollen eine entspannte Zuhörhaltung einnehmen, selbst ruhig werden und ihre Aufmerksamkeit dem Hörmedium widmen. Wort- und Bildkarten unterstützen diese Unterrichtsphase.
  3. Während des Zuhörens entnehmen die Schüler der Hörspurgeschichte wesentliche Informationen.
  4. Nach dem Zuhören halten sie diese Informationen auf einem Arbeitsblatt fest, das in dreifach differenzierter Form dem individuellen Leistungsniveau entsprechend angeboten werden sollte.  
  5. Ein zweites Anhören einer Hörspurgeschichte und das anschließende Bearbeiten einer Hörspurlandkarte dienen der Speicherung und Organisation der relevanten Informationen. Durch die Kommunikation über das Gehörte bekunden die Schüler ihr Verstehen.
  6. Zuletzt wird anhand einer Lerntagebuchseite über das Zuhören selbst reflektiert.

Die Schüler üben sich im verstehenden Zuhören, indem sie aus einer Hörsituation relevante Informationen entnehmen. Die auf einem Arbeitsblatt festgehaltene Notizen überprüfen sie mittels einer Hörspurlandkarte. Mithilfe dieser Karte halten sie die richtige Spur Etappe für Etappe fest und können die Geschichte schließlich nochmals nacherzählen.

Spannende Hör-Geschichten, die durch spielerische Methoden und aussagekräftige Hörspurlandkarten ausgeschmückt und ergänzt werden, bieten Schülern wie Lehrern abwechslungsreiches Praxismaterial, das das verstehende Zuhören trainiert. Ein Hörspaß, der süchtig macht, und jedes Kind auf seinem Niveau fördert.

Sandra Blomann, Anke Zöh

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