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Methoden und Techniken

Philosophieren mit Grundschulkindern

Auch mit Grundschülern lässt sich trefflich philosophieren: Geschicktes Fragen fördert das Denken und verhilft zu Einsichten. Philosophie-Pädagogen geben Empfehlungen zu Techniken und Methoden.

Methoden und Techniken: Philosophieren mit Grundschulkindern Eine einfache Darstellung dient als kleiner Impuls, um mit Grundschülern ganz ungezwungen zu philosophieren © ra2 studio - Fotolia.com

„Philosophieren lernt man am besten, indem man es tut“, schreibt die Philosophie-Pädagogin Eva Zoller Morf von der Schweizerischen Dokumentationsstelle für Kinder- und Alltagsphilosophie. Anregungen dazu gibt sie in einem kleinen „Fernkurs“ auf ihrer Website. Sie erläutert den Umgang mit Kinderfragen und sensibilisiert für eine klare Abgrenzung philosophischer von anderweitig motivierten Fragen: Brauchen die Kinder nur eine bestimmte Information oder vielleicht einfach nur ein wenig Aufmerksamkeit? Oder geht die Frage tiefer und erfordert einen besonderen Umgang damit? 

Philosophische Grundmuster und Fragetechniken

Beim Philosophieren sollte die Frage dem Kind zurückgegeben werden: „Was meinst denn du? (…) Wie könnte es denn sein?“, rät Eva Zoller Morf auf ihrer Webseite. Und unbedingt „dem Kind den Vortritt lassen. Keine Belehrung“, betont die erfahrene Philosophie-Pädagogin.

Fragend nähert sie sich auch philosophischen Kinderbüchern und demonstriert, wie Fragen beschaffen sein sollten, um kreatives, selbstständiges Denken zu fördern.

Die philosophischen Grundmuster reduziert sie auf vier knappe Sätze: 

  1. An einem Thema bleiben, um es wirklich zu ergründen und zu erhellen.
  2. „Scheinbar Selbstverständliches immer wieder neu betrachten.“
  3. „Begriffe klären: (…) Was verstehen wir eigentlich unter …?“ 
  4. Begründen und begründet argumentieren: Ein fester Standpunkt braucht einen festen Grund. 

Die Rolle des Lehrers 

Immer ist beim Philosophieren die Devise „Selber denken macht schlau“, betont Hans-Joachim Müller. Der ehemalige Lehrer hat nach der Lektüre eines Buches von Eva Zoller Morf seine Unterrichtspraxis deutlich verändert und hat festgestellt, „mir macht Unterricht wieder Spaß und den Kindern auch“, erzählt er in einem Video. Das Verhältnis von Kindern zu der Lehrkraft sei anders geworden: Der Lehrer sei nicht mehr „der Alleswisser, der Oberwisser, der ausschließliche Unterrichtsorganisator“, sondern werde „zum authentischen Gesprächspartner, zum Dialogpartner.“ Die Kinder trauten sich immer mehr zu, eigenständig zu denken. (ebd.) 

Und worin besteht die Aufgabe der Lehrkraft? Sie sorgt für eine demokratische Gesprächskultur, begleitet den Diskurs — wenn er ins Stocken gerät auch mit Impulsfragen — und ermöglicht lediglich von Zeit zu Zeit eine Ordnung der Gedanken. (Ebd.) So verstanden kann Philosophieren zu einer pädagogischen Grundhaltung und zu einem Unterrichtsprinzip in allen Fächern werden: Der Lehrer spricht nicht mehr „ex cathedra“, sondern nimmt selbst eine fragende Grundhaltung ein. An anderer Stelle beschreibt Müller das „Philosophieren als pädagogische Grundhaltung“ („Mit den Kleinen Großes denken“, S. 20): „Philosophieren mit Kindern braucht nicht selbstsichere Autorität, sondern selbstkritische Autorität als mitsuchende ErziehungsberaterInnen“, so lautet einer seiner Vorschläge dazu. Werte und Normen existierten nicht von vornherein oder endgültig, sondern seien „das Ergebnis vorangegangener Prüfung mit der Bereitschaft zum Weitersuchen“. (ebd.) 

Methodische Tipps für das Philosophieren 

„Das gängige Repertoire der Techniken und Methoden (…) umfasst das Gespräch mit Fragen, Hinterfragen und Weiterfragen“, so Hans-Joachim Müller (ebd., S. 12). 

  • Als Gesprächseinstieg eigne sich etwa das Blitzlicht und 
  • das Standbild als eine Form des „nicht-verbalen Denkens“.
  • Ein Gedankenexperiment ((    )) beginnt etwa mit der Frage „Was wäre, wenn …?“
  • Die zentrale Methode des Philosophierens mit Kindern ist das nicht-wertende Vergleichen, wobei bei „Lebewesen und Dingen aller Art (…) Unterschiede, Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten“ erkannt werden.

Hilfen bei der Gesprächsführung 

Natürlich soll das Gespräch methodische Abwechslung bieten. Hans-Joachim Müller schlägt vor, dabei die „Methodenhand“ zu nutzen („Mit den Kleinen Großes denken“, S. 12), wobei jeder der fünf Finger eine andere Technik repräsentiert:

  1. „Beobachtendes Beschreiben (Was seht ihr?) “
  2. Spekulieren
  3. Deuten („Was könnte die Person denken/fühlen?“)
  4. Denken in Widersprüchen oder Gegensätzen („Was wäre das Gegenteil von …?“)
  5. Analysieren eines Sachverhalts (zergliedern — diskutieren — wieder zusammenfügen)

Gerade in den ersten Grundschuljahren unterstützt ein Fragewürfel mit den verschiedenen Fragewörtern (vgl. dazu: Barbara Brüning, „Woher kommen Sonne, Mond und Sterne“, S. 3 f.) die Kinder dabei, spielerisch das Fragestellen zu üben. 

Und wenn das Gespräch ins Stocken kommt, bringt der bunte, leichte „Koosh-Ball“ Tempo in den Unterricht: Die Kinder werfen sich den Ball zu, was das Gespräch beschleunigt und zugleich die Aufmerksamkeit auf den Sprechenden lenkt.

Martina Niekrawietz

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