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Verkehrs- und Bewegungssicherheit

Rollerfahren will geübt sein

Auch das Rollerfahren will gelernt sein. Am besten wird ein kleines Rollertraining in den Schulalltag integriert — mit dem verlockenden Ziel einen „Rollerführerschein“ zu erhalten.

Verkehrs- und Bewegungssicherheit: Rollerfahren will geübt sein Kleine Wettbewerbe mit dem Roller bringen Spaß und üben gleichzeitig die Koordination © Robert Kneschke - stock.adobe.com

Rollerfahren liegt derzeit voll im Trend: Immer mehr Kinder kommen mit ihrem City Roller, Kickboard oder Stunt-Scooter in die Schule. Um dabei das Unfallrisiko zu minimieren, bieten deshalb viele Schulen Übungskurse an. Geleitet werden sie oft auch von externen Dienstleistern, wie in der Grundschule Krailing, die im Jahr 2017 einen verpflichtenden Rollerkurs für alle Klassen eingeführt hat. Hier erarbeitet ein Trainer von der Inlineskate-Schule Würmtal mit den Schülern die grundlegenden Skills: In der ersten und zweiten Klasse zum Beispiel ergonomisches Fahren (Basics), abruptes Bremsen, Kurven meistern, Hindernissen ausweichen und Übungen für mehr Sicherheit auf öffentlichen Wegen. In der dritten und vierten Klasse vertiefen die Kids ihr Können und absolvieren zusätzlich Geschicklichkeitsübungen oder lernen „kleine Tricks“. Zum Abschluss des viertägigen Trainings erwerben die Grundschüler dann einen „Roller-Pass“, eine Art Führerschein für Rollerfahrer. — Ein Unterrichtsprojekt, das bei den Schülern sichtbar gut ankommt, wie die Fotos auf der Website zeigen. Und eine Idee, die Sie mit den Anregungen und Materialien im folgenden Beitrag auch an Ihrer Schule umsetzen können.

Aktionswoche RollerKIDS (nicht nur) in Hessen

Seit 2013 haben bereits 175 Hessische Schulen an dem Programm „RollerKIDS“ der Unfallkasse Hessen (UKH) teilgenommen. Nach Teilnahme eines Lehrers an der kostenfreien Fortbildung stellt die UKH angemeldeten Schulen eine Woche lang das Equipment für einen Rollerkurs zur Verfügung: hochwertige Roller, Scooter und Kickboards sowie eine Bewegungslandschaft mit kleinen Rampen, Wippen u. v. m. Zudem gibt es Workshops für eine Lehrer- und eine Schülergruppe.

Doch auch Lehrkräfte aus anderen Bundesländern profitieren von dem Angebot: Auf der Website der UKH finden Sie unter „Downloads — Lehrermappe“ direkt übernehmbare Unterrichtsmaterialien, mit denen Sie die Bewegungs- und Verkehrssicherheit Ihrer Schüler effektiv fördern. Dies kann zum Beispiel im Rahmen eines zusammenhängenden mehrtägigen Unterrichtsprojekts erfolgen, aber auch in einzelnen Trainingsstunden, etwa im Sportunterricht, in Bewegungsstunden im Freien oder in der Turnhalle. Auch für das in den Lehrplänen vorgesehene Verkehrssicherheitstraining und „zur Vorbereitung auf das sichere Fahrradfahren“ sind die Materialien bestens geeignet.

Sicher ist sicher

„Ist Rollerfahren gefährlich?“ Diese Frage beantworten die Autoren der Broschüre mit einem klaren „Nein“ (S. 22). Zwar bestehe „wie bei vielen anderen Bewegungsformen eine gewisse Sturz- und Verletzungsgefahr“, diese sei aber verglichen mit anderen Sportarten „sicher nicht erhöht“. Auch ein weiterer Vorbehalt wird ganz schnell ausgeräumt: Als Lehrkraft müssen Sie nicht Sport studiert haben oder ein Rollerprofi sein, um „attraktiven Unterricht mit Rollern zu gestalten“. Es genügt, wenn Sie Rollerfahren können, denn Sie „müssen weder waghalsige Tricks demonstrieren noch über Rampen springen“, so heißt es in den FAQs (ebd.).

Wie Sie im Unterricht Verletzungsrisiken vorbeugen, zeigen gezielte Praxistipps (S. 8/9). Wichtig ist zunächst die Auswahl einer geeigneten Übungsfläche ohne Gefahrenquellen wie „Kopfsteinpflaster, Verschmutzungen (z. B. Sand oder Split), Kanaldeckel, Baumwurzeln, starkes Gefälle u. a.“. Bodenwellen, Schlaglöcher etc. sollten mit Markierungshütchen gekennzeichnet sein. Ein „pauschales Fahrverbot“ könnte bei Fahrbahnmarkierungen, Laub oder sehr glatten Flächen „sinnvoll sein“, zum Beispiel bei eher lebhaften Schülergruppen.

Festes Schuhwerk, Helm und Schutzausrüstung sind obligatorisch. In einer abgegrenzten Zone, der „Boxengasse“ (S. 12), legen die Kinder selbstständig ihre Schutzausrüstung an. Wer fertig ist, meldet sich bei der Lehrkraft: „Überprüfen Sie kurz den richtigen Sitz des Helms und der Schutzausrüstung sowie die korrekte Einstellung des Rollers (Lenker ca. auf Bauchnabelhöhe)“, empfehlen die Autoren der Broschüre (S. 8). Und: „Halten Sie sich nicht länger als nötig mit organisatorischen Dingen auf.“ (S. 12) Wenn alles „sitzt“, darf das Kind direkt auf die markierte Bewegungsfläche wechseln und loslegen.

Bewegung mit Spaß

Das Motto der ersten Stunde heißt: „Viel bewegen, gemeinsam Spaß haben und einen ersten kleinen Einblick in die Vielfalt des Rollerfahrens gewinnen.“ (S. 12)

Am besten starten Sie mit der Übung „Richtig Kurvenfahren [sic!]“. (S. 10) Wichtig ist dabei, dass der Kurvenradius nicht zu eng genommen wird, denn es besteht Verletzungsgefahr, wenn der um 360° schwenkbare Lenker überdreht wird. Das gilt insbesondere „bei Rollern mit Handbremse und Kabelzug.“ (S. 8)

Danach können Sie mit einer kleinen „Free Running“-Phase starten: Dabei fahren die Schüler „kreuz und quer durcheinander“, wobei Berührungen nicht erlaubt sind. Die Lehrkraft gibt verschiedene Anweisungen, wie sich die Kinder fortbewegen sollen: „Fahre in Zeitlupe!“, „Stoße dich nur mit dem rechten/linken Fuß ab!“, „Mache dich auf dem Roller ganz klein!“ etc. Grundsätzlich gilt: Die Kinder nicht überfordern, nur Impulse geben und „Lassen Sie den Kindern immer die Wahl, auch einfachere Übungen durchzuführen“. (S. 9)

Vielfältige „Ideen für den Unterricht“ (ab S. 11) sorgen für Spaß und Abwechslung. Die Kids üben verschiedene Bremstechniken, Slalomfahren und Ausweichen und absolvieren Geschicklichkeits-Parcours. Unter „Spiel und Spaß“ finden sich außerdem „Partnerübungen, Staffeln, Wettbewerbe“ oder „kleine Tricks“ und natürlich Spiele, zum Beispiel „Ochs am Berg“ mit Rollern. Die vielen Bewegungsaufgaben mit unterschiedlichen Schweregraden eignen sich auch wunderbar für inklusive Klassen.

Verkehrssicherheitstraining und Rollerführerschein

Wenngleich die Kinder nur auf Gehwegen Roller fahren dürfen, gibt es doch auch hier immer wieder einmal unvorhersehbare Situationen. Mithilfe des Arbeitsblatts auf S. 20 überlegen die Schüler, was bei Baustellen, Pflastersteinen, einem tiefhängenden Ast, einem plötzlich auftauchenden Fußgänger etc. zu tun ist. Im Rollerunterricht werden diese Situationen mit Kästen, Markierungshütchen und anderem Zubehör nachgestellt und explizit geübt.

Mit den spannenden Reaktionsspielen auf der Website des Berliner Medien- und Service-Centers „Verkehrswacht“ trainieren Ihre Schüler zudem ihr Reaktionsvermögen. Auf dieser Seite gibt es auch viele kindgerechte Materialien und Anregungen für den Verkehrsunterricht.

Die abschließende Führerscheinprüfung könnte dann — wie im richtigen Leben — aus einem theoretischen und einem praktischen Teil bestehen. Im Theorieteil beantworten die Kinder Fragen zur Verkehrssicherheit und im praktischen Teil absolvieren sie einen Geschicklichkeits-Parcours mit einigen unvorhersehbaren Hindernissen.

Nicht zuletzt noch ein kleiner Tipp für alle, die den Roller öfter einmal im Sportunterricht einsetzen möchten: Die „Unterrichtsbausteine zur Förderung der Bewegungskompetenzen“ der Unfallkasse Baden-Württemberg bieten ein breites Spektrum an Ideen für den Sportunterricht in der Halle (ab S. 100). Damit lässt sich auch locker eine spannende Projektwoche für Schüler aller Jahrgangsstufen füllen.

Martina Niekrawietz

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