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Anregung zu einer Lesekultur

„Schau doch mal rein“ - Schüler/-innen zum Lesen verführen

„Kannst du mir beschreiben, was du gerade gelesen hast?“ Diese Frage können viele Kinder nicht beantworten. Hier erhalten Sie Tipps zur Vermittlung der Lesekompetenz im Unterrichtsalltag.

Anregung zu einer Lesekultur: „Schau doch mal rein“ - Schüler/-innen zum Lesen verführen Mit den richtigen Tricks zum Lesen verführen © Robert Kneschke - stock.adobe.com

Ein nachhaltiger und zielgerichteter Erwerb von Lesekompetenzen und der Umgang mit Literatur ist eine von vielen Aufgaben der Schule. Das Ziel einer sogenannten Literalität beinhaltet jedoch nicht nur die Kompetenz zu lesen und zu schreiben, sondern auch das Sprechen, Zuhören, Erzählen und Verstehen sowie die Förderung von Lesegewohnheiten. Diese Aufgabe ist jedoch nicht nur dem Deutschunterricht zuzuordnen, denn Lesefertigkeiten müssen auch fächerübergreifend geübt und geschult werden. Lesen hat in allen Bereichen des Alltags einen Bezug zu Schüler/-innen und ist somit ubiquitär. Auf der Straße, im Internet, im Smartphone, im Fernsehen, in Zeitschriften, in Geschäften oder auf Hinweisschildern:  Überall gibt es digitale oder gedruckte Leseinformationen. Lesen und Inhalte verstehen können, ist eine wichtige Voraussetzung, um zu kommunizieren und eine ausreichende Medienkompetenz zu entwickeln, die in unserer heutigen Gesellschaft unabdingbar ist.

Regelmäßiges Lesen stimuliert die Gehirnzellen, trainiert die kognitiven Fähigkeiten und erweitert die Ausdrucksfähigkeit und Kreativität. Ebenso werden Aufmerksamkeit und Konzentration geschult. 

Lesen – die ersten Erfahrungen

Der erste Ort, an dem Kinder mit Büchern in Kontakt kommen sollten, ist die eigene Familie. Leider ist der Umgang mit Literatur in jeder Familie unterschiedlich ausgeprägt und oft vom Bildungsgrad oder der Lesekultur der Eltern abhängig. Auch hat die digitale Entwicklung dazu geführt, dass die Bedeutung von Büchern in den Hintergrund gerückt ist. Doch lesen kann glücklich machen! Denn dabei geht es nicht nur um die Lesefertigkeit von Schüler/-innen, sondern auch das Begeistern von literarischen Inhalten, das Eintauchen in fremde Welten und die Möglichkeit, sich mit Helden identifizieren zu können und den Wortschatz zu erweitern. Dies sind wichtige Aspekte, die zur Persönlichkeitsförderung und der Sprachkompetenz beitragen.

Buchtipps

3. Klasse:
Leserabe (Buchreihe): „Das Zauberhaus“, „Die Hufeisenbande“

Ab 4. Klasse
Kinney Jeff: „Gregs Tagebuch“ (Buchreihe) Verlag Baumhaus

Ab 11 Jahren
Sarah Beth Durst: „Die Macht der verlorenen Träume“ Loewe Verlag

Welche Kompetenzen werden gefördert?

Die Förderung folgender Kompetenzen sind grundlegende Intentionen der Arbeit mit Literatur und sollten in verschiedene Unterrichtsbereiche einfließen. 

  • der Anreiz zur Lesefreude und Lesemotivation sowie die Anregung der Fantasie als Inhalte emotionaler Kompetenzen.
  • die Sprach- und Wortschatzerweiterung sowie das Textverständnis und die Leseflüssigkeit als Kompetenzen der Kognition. Ebenso die Wissenserweiterung und Anregung von Vorstellungskraft und Einfallsreichtum.
  • die sozialen Kompetenzen werden durch gemeinsames Lesen, Austauschen von Inhalten, Kommunikation und gemeinsam erlebte Rituale gefördert. Ebenso die Entwicklung von Empathie.

Nehmen Sie sich ein ganzes Schuljahr Zeit, „zwischendurch“ immer wieder Literatur anzubieten und die Schüler/-innen durch individuell eingebaute freie Lesezeiten zum Lesen zu motivieren. Ungezwungene Leseanlässe steigern die Lesemotivation. Vor allem im Bereich Sekundarstufe I scheint es seltener eine Implementierung von Lesezeiten in den Schulen zu geben. Fangen Sie mit dünnen Büchern an und lassen Sie den Schüler/-innen genug Zeit, auch zu Hause Bücher zu lesen, bis sie sie wieder abgeben. Belohnen Sie Kinder, die viel lesen, mit Lob und Anerkennung.

Folgende Anregungen lassen sich dazu umsetzen:

Vorleserituale einmal wöchentlich einbauen
  • Der erste Schritt zur Lesemotivation ist das Vorlesen und das Heranführen an Literatur. Suchen Sie gemeinsam mit der Klasse ein spannendes Buch und lesen Sie an einem festgelegten Tag immer ein oder zwei Kapitel (je nach Zeit) vor. Das kann ein Ritual am Ende oder am Anfang einer Stunde sein.
  • Lassen Sie von den Kindern wiedergeben, was diese inhaltlich verstanden haben. So können Sie übermittelte Inhalte sichern.
  • Regen Sie die Schüler/-innen an, zu überlegen, wie die Geschichte in der nächsten Woche weitergehen könnte. 
  • Sprechen Sie über die Protagonisten des Buches und fragen Sie, welche Figur beliebt ist und welche nicht oder was den Charakter einer Figur ausmacht.
  • Aktivieren Sie erfahrungsbezogenes Vorwissen der Schüler/-innen, indem diese von ihren eigenen Erlebnissen erzählen.

Leseanimationen schaffen

Die Buchpräsentation ist eine Methode, Kinder und Jugendliche für Literatur zu interessieren. Verteilen Sie an einem Tag mitgebrachte Bücher auf den Arbeitstischen ohne Kommentar. Beobachten Sie, was die Schüler/-innen damit machen. Anschließend können sie sich in Kleingruppen mit den Büchern näher beschäftigen und bestimmte Bewertungskriterien notieren:

  1. Sieht das Cover interessant aus? 
  2. Hat dich der Titel gereizt?
  3. Zu welcher Kategorie gehört dieses Buch?
  4. Ist der Klappentext informativ und gibt Auskunft über das Buch?
  5. Warum würdest du das Buch lesen wollen – oder warum nicht?
  6. Welches Buch würde dich interessieren?
  • Während der Freiarbeit oder für Schüler/-innen, die schneller mit ihrer Aufgabe fertig sind, gibt es die Möglichkeit zu lesen oder in Büchern zu stöbern.
  • Geben Sie den Kindern die Gelegenheit, sich auch Bücher für eine bestimmte Zeit auszuleihen. Dazu gibt es ein Informationsheft für jedes einzelne Buch. Wer ein Buch gelesen hat, schreibt kurz hinein, worum es geht und wie das Buch gefallen hat.
  • Richten Sie einen Tag des Buches im Laufe des Schuljahres ein. An diesem Tag kann jede/-r Schüler/-in ein Buch mitbringen. Wer möchte, kann sein Buch vorstellen oder mit jemandem sein Buch tauschen. Lesevorlieben entwickeln sich individuell. Daher ist es für die Schüler/-innen spannender, verschiedene Buchgenre kennenzulernen. 
  • Zur Leseförderung für Kinder ab 10 Jahren eignet sich ein Book Slam. Hier werden Bücher in kurzer Zeit vorgestellt. Zum Beispiel stellen drei Schüler/-innen je ein Buch innerhalb von vier Minuten (die Zeit wird gestoppt) einer Lerngruppe vor. Dabei muss die Kurzfassung spannend und möglichst schnell vorgetragen werden. Nach jeder Vorleseaktion müssen die Zuhörer das Buch mit Punkten (1-10) bewerten. Am Ende gewinnt das Buch mit den meisten Punkten.
  • Eine „Bücherhitliste“ der besten Bücher kann von den Schüler/-innen zusammengestellt werden. Kinder einer Klasse erstellen diese Hits beispielsweise für die Kinder einer anderen Klasse. 
  • Falls es das bei Ihnen nicht schon gibt, richten Sie eine "LESEOASE“ ein. Idealerweise gibt es einen Raum, den man mit Regalen, Sitzkissen und gesammelten Büchern einrichten kann. Wenn kein Geld vorhanden ist, gibt es bestimmt Eltern, die mithelfen beim Sammeln der benötigten Möbel und Bücher. Viele gebrauchte Bücher kann man günstig oder kostenlos bekommen. Sinnvoll sind verschiedene Genre von Kinderbüchern oder Kinderzeitschriften.
  • Wenn es keinen Raum in der Schule gibt, richten Sie in ihrer Klasse eine kleine Leseecke mit Büchern ein. Bananenkisten eignen sich auch zum Sammeln von Büchern, wenn keine Regale vorhanden sind. 
  • Wenn die Möglichkeit besteht, gehen Sie mit Ihrer Klasse in eine Bibliothek und erkunden Sie die Bücherangebote. Manche Bibliotheken stellen auch Bücherkisten für Schulen zusammen.
  • Regen Sie die Eltern und Schüler/-innen dazu an, selbst in eine nahe gelegene Bibliothek zu gehen. 

Festlegen von Lesezeiten

  • Planen Sie innerhalb der Woche feste Lesezeiten ein. Die können je nach Bedarf oder Schwerpunktthemen, individuell oder mit Partner eingerichtet werden.
  • Geben Sie den Schüler/-innen ausreichend Gelegenheiten vorzulesen. 
  • Erkundigen Sie sich bei Großeltern oder Eltern, ob diese Zeit haben, an bestimmten Tagen in die Schule zu kommen und mit einzelnen Kindern zu lesen.

Lesegewohnheiten

  • Lassen Sie die Schüler/-innen über ihre Lesegewohnheiten berichten. Ein Lesetagebuch kann aus einem Heft selbst gestaltet werden. Darin wird notiert, wer wann was gelesen hat.
  • Zu zweit lesen macht mehr Spaß. Je zwei Schüler/-innen können durch Tandemlesen ein neues Buch vorstellen und die Sätze dabei im Wechsel vorlesen.
  • Wenn ein/e Schüler/-in noch unsicher ist, können Sie mit ihm/ihr zusammen vorlesen. Das motiviert und macht stolz.
  • Erarbeiten Sie mit den Schüler/-innen Leseorte wie:
    - zum Beispiel lesen im Bett, auf dem Stuhl, im Garten, am Strand, auf der Couch, etc. oder Lesehaltungen wie:
    - zum Beispiel lesen im Sitzen, Liegen, Stehen, beim Balancieren, etc.
    - Dazu werden Fotos zu Hause oder in der Schule gemacht, aufgehängt und besprochen. 
    - Verschiedene Lesehaltungen werden in der Klasse ausprobiert, während Texte vorgelesen werden.

Kommunikativer Austausch über Inhalte

Sich über Bücher auszutauschen, vertieft das Textwissen, schult die sprachlichen Fähigkeiten und kann Interesse wecken. Für den Umgang mit Büchern ist dies ein wichtiger Aspekt. Dazu kann man unterschiedliche Mittel nutzen:

  • Dialogging: Wenn Sie mit der Klasse ein Buch oder Kapitel gelesen haben, planen Sie eine kleine Joggingrunde über den Schulhof ein. Beim sogenannten „Dialogging“ tauschen sich die Schüler/-innen während des Laufes über den Inhalt aus.
  • Eine „Literarische Talkrunde“ lädt dazu ein, einzelne Bücher zu besprechen. Das kann mit der ganzen Klasse geschehen oder es gibt Freiwillige, die diese Runde als szenisches Spiel den anderen Mitschüler/-innen vorführen. Das Zuhören und Beobachten sind ebenso lehrreich.

Kreatives Arbeiten mit Buchinhalten

Jede/r Schüler/-in kann sich ein bestimmtes Genre für ein Buch überlegen und planen, wie er/sie das Cover dazu gestalten würde. Beispiele:

  1. Fantasy Buch
  2. Abenteuerbuch
  3. Sachbuch
  4. Comic

Besprechen Sie, welche wichtigen Motive entsprechend des Genres auf den einzelnen Covern zu sehen sein können. Zur Gestaltung werden künstlerische Techniken wie Malerei, Zeichnung oder Collage genutzt.

  • In der Schreibwerkstatt können die Schüler/-innen nach ihrem eigenen Bildimpuls (auf dem Cover) eine kleine Geschichte für ihr Buch schreiben. Dieses kann immer wieder mit neuen Geschichten ergänzt werden. 
  • Wenn Sie mit der Klasse ein Buch gelesen und besprochen haben, können die Schüler/-innen die einzelnen Figuren der Geschichte nach ihren eigenen Vorstellungen zeichnen, malen oder aus Ton gestalten.
  • Die Figuren beziehungsweise Charaktere eines Buches werden besprochen. Welche Gefühle und Gedanken können die Schüler/-innen nachvollziehen. Kleine Szenen dazu werden nachgespielt oder improvisiert.
  • Die Schüler/-innen erhalten die Aufgabe, Textzeilen aus ihrem Lieblingsbuch herauszusuchen und diese rhythmisch vorzutragen. Eventuell lässt sich gemeinsam ein Rap daraus machen.

Zuhören, Lesen, und Schreiben sind die rezeptiven und produktiven Zugänge zur Literatur und fördern eine ganzheitliche Entwicklung von Kindern. Für einen Bildungserfolg ist die Lesefähigkeit eine wichtige Voraussetzung. Da nicht alle Kinder den gleichen Zugang zur Literatur, zum Vorlesen oder Erzählen haben, kommt der Schule eine bedeutende Rolle zu. Lesen sollte nicht zur Pflicht gemacht, sondern zum Vergnügen werden.

Angela Hentschel


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