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Projektunterricht

Schüler machen Zirkus

Manege frei für ein spannendes Zirkusprojekt! Ob Zaubertricks, Jonglage oder Artistik — hier wird jedes Kind seinen Fähigkeiten entsprechend ganzheitlich gefördert. Ein wichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und ein großer Spaß!

Projektunterricht: Schüler machen Zirkus Das ist ein Riesenspaß für die Schüler, wenn sie sich als Clown verkleiden dürfen © Dreadlock - Fotolia.com

„Vorhang auf, Manege frei!“ – sofort sehen wir uns selbst als Zuschauer in einem abgedunkelten Zirkuszelt sitzen, vielleicht mit einer Tüte Popcorn in der Hand, freudig und gespannt, wie uns die gleich beginnende Show verzaubert und wir über die Kunststücke und Einfälle der Artisten staunen werden. Besonders auf Kinder wirkt die Magie des Zirkus, sodass sie mit großer Freude selbst einmal Clown, Zauberer oder Artist sein möchten.

Die Begeisterung für den Zirkus ist damit verbunden, selbst etwas Neues zu erfahren und zu erleben, eigene Grenzen auszuloten und diese auch ein Stück weit zu überwinden. Dabei werden in den unterschiedlichen Zirkus-Genres jeweils verschiedene Bereiche des Körpers bzw. der Persönlichkeit angesprochen: Clown oder Zauberer treten in Kommunikation mit dem Publikum und verkörpern die Rolle auf eine bestimmte Weise, bei den Artistiknummern werden Körpergefühl und Teamgeist trainiert, bei anderen Kunststücken werden eigene Ängste überwunden. Wenn man dies alles auch noch vor einem Publikum schafft und Applaus dafür bekommt, dann fördert es das Selbstvertrauen und die Persönlichkeitsentwicklung besonders stark.

Persönlichkeitsentwicklung statt Höchstleistung

Wesentlich bei der Zirkusarbeit in der Schule ist, dass eine ganzheitliche Förderung angestrebt wird und nicht etwa eine zirzensische Höchstleistung erreicht werden muss. Es geht um Kooperation und Teamgeist, Selbstentwicklung und künstlerische Ausdrucksformen. Dabei stellt der thematische Rahmen „Zirkus“ alle Möglichkeiten zur Verfügung. Gerade Schüler mit unterschiedlichsten Einschränkungen können – etwa in inklusiven Settings – besonders gut einbezogen werden, indem eine Nummer geübt wird, welche individuell erreichbar und leistbar ist. Es zeigen sich immer wieder ungeahnte Talente, die über die Zirkusarbeit entdeckt und gefördert werden können. Und auch Schüler, die absolut nicht im Rampenlicht stehen möchten, finden sinnvolle und befriedigende Aufgaben bei Beleuchtung, Ton oder Regie, Kostüme und Maske oder als Zuschauer.

Große und kleine Zirkusprojekte

Mit der projektorientierten Methode können Schüler unterschiedlich lange an größeren oder kleineren Zirkusprojekten arbeiten: vom regelmäßigen wöchentlichen Zirkus-Sportunterricht über das Schuljahr hinweg bis zum Projekttag oder einer Projektwoche. Auch ein Schullandheimaufenthalt kann vollständig unter das Motto Zirkus gestellt werden. Besonders im inklusiven Setting bieten sich solche Maßnahmen an, da die Schüler in spielerischer Atmosphäre voneinander Stärken und Schwächen erfahren, die nicht unmittelbar auf die Behinderung bezogen sein müssen.

Literaturtipps:

Bläuer, Jürg / Cadonau, Lucas: So ein Zirkus. Abwechslungsreiche Materialien und Übungen bringen den Zirkus ins Klassenzimmer. Donauwörth 2015

Kelber-Bretz, Wilhelm: Kinder machen Zirkus. Aachen 1997

Zirkus Giovanni: Die 50 besten Zirkusspiele. München 2017

Von der kleinen Übungseinheit bis zur Zirkusnummer

Ausgehend von den grundlegenden Wahrnehmungs- und Bewegungsübungen werden zunächst einzelne Tricks gelernt, die sich nach und nach zu einer Zirkusnummer ausbauen lassen. Dafür muss die ganze Gruppe zusammenarbeiten und sich selbst verbindliche Regeln setzen. Auch die Entwicklung von Spannungsbögen und kleinen Geschichten spielt dabei eine wichtige Rolle. Schulisch betrachtet wirkt Zirkusarbeit stark fächerübergreifend und ganzheitlich. Mit strukturierten Übungsstunden werden alle Schüler nach und nach an das größere Ziel der Aufführung herangeführt.

Dies kann zeitlich zum Beispiel im wöchentlichen Sportunterricht verankert werden. Je nach Raum ist es mehr oder weniger möglich, sofort von Anfang an eine zirkustypische Atmosphäre zu schaffen, z. B. durch Musik, durch Accessoires und Kleingeräte wie Vorhang oder Schwungtücher, durch Verkleidung eines Zirkus-Direktors usw.

Erste Schritte in die Manege

Mit einer Fantasiereise in die Welt des Zirkus können die Stunden beginnen. Ein Zirkusbesuch als Unterrichtsgang stellt sicherlich eine optimale Grundlage dafür dar.

Der einzelne Schüler hat dann in einem offenen Angebot die Möglichkeit, selbst Erfahrungen mit Zirkusgeräten zu sammeln und dabei herauszufinden, was ihm am besten gefällt oder liegt. Je nach Lernvoraussetzung liegen beispielsweise in den vier Raumecken Dinge bereit: Jongliertücher oder Jonglierbälle, ein dickes Seil oder eine Slackline, Stelzen, Bodenmatten, große Gymnastikbälle und vieles mehr.

Für stark heterogene Gruppen kann zunächst jeweils auch nur ein Übungsgerät angeboten werden, um die Anleitung und Beaufsichtigung leichter zu gewährleisten. In dieser Phase ist es für die Lehrkraft sehr wichtig, eine gute Balance zwischen Sicherheit und Anleitung einerseits, aber auch freiem Umgang und Experimentierfreude andererseits zu geben.

In der folgenden Phase bietet man variable Wahrnehmungs- und Sensibilisierungsspiele an, um die gesamte Gruppe aufeinander einzuschwingen und Gruppenzusammengehörigkeit zu stärken. Dabei werden auch schon Fähigkeiten und Talente deutlich, die für spätere Nummern eventuell eingesetzt werden können.

Eine Zirkusnummer entwickeln

In einer abschließenden Phase kann die Lehrkraft eigene Nummern, z. B. Zaubertricks vorführen, um als Vorbild zu dienen und auch die Übungsatmosphäre zu lockern. Die Klasse reflektiert am Ende die Übungseinheit. Wünsche und Anregungen für die kommende Übungsstunde können schon festgehalten werden. So entsteht aus den anfänglich sicherlich noch ungeordneten und chaotischen Versuchen nach und nach eine Idee, mit der man miteinander eine beeindruckende Zirkusnummer entwickeln könnte.

Beispiele für Programmnummern:

  • „Tanzende Hände“: Ein oder mehrere Schüler bewegen die Hände in weißen Handschuhen im Schwarzlicht. Je nach Hintergrundmusik kann damit eine kleine „Geschichte“ erzählt werden, z. B. die Hände öffnen einen imaginären Vorhang oder die Hände verstecken einen imaginären Gegenstand.
  • „Schwebende Tücher“: Mehrere Schüler stehen nebeneinander in einer Reihe und bewegen bunte Chiffontücher nach einer angepassten Choreografie zur Musik. Wirkungsvoll sind harmonische, gleichzeitige Bewegungen, die sich im Schwierigkeitsgrad steigern könnten. Auch kleine witzige „Zwischenfälle“ heitern die harmonische Choreografie auf. Das Weitergeben oder eine Tuchjonglage stellen weitere Steigerungsgrade dar.
  • „Pedalos, Seil und Co“: Die Schüler präsentieren Übungen zum Balancieren auf verschiedenen Geräten. Dabei ist eine gute Vorübung wichtig, besonders zur Gleichgewichts-, Rhythmus- und Koordinationsschulung. Daraus kann man im Lauf der Zeit witzige kurze Paarszenen entwickeln, in denen eine kleine Geschichte erzählt wird („über den Steg balancieren“, „einer Wasserflut ausweichen“ usw.)
  • „Akrobatik“: Mit zahlreichen Spiel- und Übungsformen nähert man sich einer Akrobatiknummer an. Denn auch dafür sind viele Vorübungen notwendig, z. B. Beweglichkeit, Balance, Vertrauen, Teamgeist, Körperspannung, Kraft, Konzentration und bewusster, kontrollierter Körpereinsatz. Auf angemessene Sicherheitsregeln ist besonders zu achten. Erst dann kann man mit mehreren Schülern kleinere Menschenpyramiden stellen.
  • „Clown“: Unter dem Aspekt „Darstellen und Gestalten“ geht es dabei nicht nur um die körperliche Beherrschung von akrobatischen Künsten, sondern um die Verbindung zwischen den Nummern. Wie werden die einzelnen Elemente miteinander verbunden, welche Rahmenhandlung wird gewählt? Dafür sollten die Schüler eine Grundvorstellung über einige theatrale Basiselemente entwickeln, z. B.: Wie komme ich in die Manege/auf die Bühne? Wie nehme ich Kontakt mit dem Publikum auf? Über Vorübungen zur freien Improvisation können einfache Darstellungsformen eingeübt werden. Erfahrungsgemäß stellt sich in jeder Gruppe ein besonders talentierter Moderator/Zirkusdirektor/Entertainer heraus, der diese Rolle gern übernimmt.

Bis zu einer Zirkusvorstellung ist es natürlich ein weiter Weg. Bekanntlich ist ja doch der Weg das Ziel, sodass schnell klar wird, wie viel Freude und Entwicklungspotenzial in Zirkusprojekten steckt. Wenn wir als Erwachsene von der Vorstellung einer perfekten Aufführung abrücken, so kann der Zirkus-Weg mit den Schülern ein großes und intensives Abenteuer sein.

Claudia Omonsky

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