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Projektwoche im Sachunterricht

Schulkinder und Schulen in aller Welt kennenlernen

Andere Länder und andere Sitten lassen sich am besten kennenlernen, wenn Kinder sie hautnah nacherleben, in einem Projekt zum Schulalltag in aller Welt. So forschen sie und probieren aus, wie die Schule sich dort „anfühlt“.

Projektwoche im Sachunterricht: Schulkinder und Schulen in aller Welt kennenlernen Wie gehen die Kinder in anderen Ländern zur Schule? Ein spannendes Thema, bei dem es viel zu entdecken gibt © WavebreakmediaMicro - stock.adobe.com

Manchmal kommen Moderatoren von Kindersendungen ganz schön herum: Ralph Caspers von der WDR-Sendung mit der Maus etwa besuchte unlängst Primarschulen in zehn verschiedenen Ländern auf (fast) allen Kontinenten. Was er dabei erlebt und entdeckt hat, erzählt die Sachgeschichte „Welt-Schul-Maus“. Den etwa 24-minütigen Film könnten Sie zum Auftakt einer Aktionswoche zeigen, in deren Verlauf Ihre Schüler das Thema „Schulkinder in aller Welt“ mit Kopf, Herz und Hand erkunden. Im Folgenden dazu ein paar Anregungen und Ideen.

Schulkleidung: ein Projekt für den Kunstunterricht

In Großbritannien, Südafrika, Indien und in vielen anderen Ländern tragen die Kinder Schuluniformen. Wie die drei Kinder einer britischen Familie Ralph erzählen, hat das Vor- und Nachteile: Schlecht ist, dass man jeden Tag immer dasselbe anziehen muss. Gut ist, dass kein Kind sich ausgeschlossen fühlt, weil seine Eltern nicht genügend Geld für teure Markenkleidung haben. 

Doch wie fühlt man sich eigentlich, wenn alle anderen Mitschüler der Klasse bzw. Schule die gleichen Klamotten tragen? Das erkunden die Kinder – je nach Jahreszeit – mit einem selbst bedruckten Hoodie, Sweat- oder T-Shirt. Im Klassen- oder Schulsatz angeschafft sind Baumwoll-Kleidungsstücke auch für einkommensschwache Eltern erschwinglich. Noch besser: Man besorgt sie secondhand, was dann auch noch nachhaltig ist.

Das dann für alle einheitliche Motiv könnten die Schüler im Rahmen eines kleinen Wettbewerbs selbst entwerfen. Oder Sie geben ein einfaches Motiv vor, das die Kinder leicht reproduzieren können: Handabdrücke der Kinder in verschiedenen Farben oder/und die Initialen des Schulnamens, die die Schüler mithilfe einer Schablone und Textilstiften auf ihr Kleidungsstück übertragen. In der unten verlinkten Anleitung zum „Projekt ‚Jungle Look‘“ finden Sie auch Anregungen für den Textildruck mit Naturmaterialien. Und natürlich könnten Sie auch einfach ein Foto der Schule hochvergrößern, mit einem Farblaserdrucker auf Transferfolie kopieren (spiegelverkehrt) und dann auf das gewaschene und gebügelte Kleidungsstück aufbügeln.

An einem vereinbarten Wochentag der Projektwoche – vielleicht bei einem Abschlussfest mit Eltern und Familie oder immer dann, wenn Präsenzunterricht ist – dürfen die Kinder ihre „Schuluniform“ dann tragen. Wenn dabei auch die Beinkleider möglichst einheitlich sind (blaue Jeans hat vermutlich jedes Kind im Schrank), erleben die Kinder sicherlich ein bisher nicht gekanntes Wir-Gefühl. 

Morgenrituale in anderen Ländern

Die morgendlichen Rituale in verschiedenen Ländern stärken ebenso das Gemeinschaftsgefühl. In Tokyo erlebt Ralph einen „sehr höflichen“ Schuldirektor: Lächelnd begrüßt er am Schultor jedes einzelne Kind mit seinem Namen, einer kleinen Verbeugung und freundlichen Worten. Dann stellen sich alle Kinder „der Größe nach“ im Schulhof auf, und der Direktor gibt ihnen gute Ratschläge wie „Trinkt viel Milch und bewegt euch mehr“.

Auch im südafrikanischen Pretoria stellen sich vor dem Unterricht alle Kinder im Schulhof auf. Sie machen zuerst ein paar Lockerungsübungen (ab Min 03:01 im oben genannten Maus-Video) und dann wird gebetet. „Das macht man hier mit verschränkten Armen“, sagt Ralf. Anschließend begrüßen sich alle im Chor auf Englisch und winken sich mit synchron ausgeführten Gesten fröhlich zu. „Dann werden verschiedene Lieder gesungen und getanzt wird auch“, erzählt Ralph. Am Ende gehen alle singend und rhythmisch klatschend in die Klasse. – Ein sehr schönes Ritual, das Ihre Kinder in Sport und Musik einüben könnten. Erst im Klassenverband und dann – womöglich einheitlich gekleidet in „Schuluniform – mit allen Kindern der Schule auf dem Schulhof. 

„In Zungen“ reden

In vielen Schulen, die Ralph Caspers besucht, lernen die Kinder mehrere Sprachen: In Südafrika etwa spricht jedes Kind Englisch und zusätzlich noch mindestens eine andere Sprache (ab Min 04:05), zum Beispiel Zulu oder Xhosa. In diesen beiden Sprachen gibt es Klicklaute, die die Lehrerin Ralph vormacht: Sie spricht die Vokale „a“, „e“, „i“, „o“, „u“ und klickt dabei, indem sie die Zunge oben an den Gaumen legt und damit schnalzt. – An dieser Stelle könnte der Film unterbrochen werden und die Schüler versuchen es einfach selbst einmal. 

Viele gute Ideen für eine „lebendige Mehrsprachigkeit“ in der Klasse oder bei Schulveranstaltungen versammelt übrigens die Broschüre des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten und des Staatlichen Schulamtes in Frankfurt: Die Kinder erkunden z. B. „Die Sprachen unserer Klasse“ oder „Die Sprachen der Welt“, sie bringen einander Grußformeln in ihrer jeweiligen Muttersprache bei, singen und zählen in den verschiedenen Klassen-Sprachen oder studieren ein türkisch-deutsches Schattenspiel ein. – Auf 130 Seiten schöpfen Sie aus einem großen Fundus von praktischen Übungen für den besonderen Sprachunterricht in der Aktionswoche „Schulkinder der Welt“.

In Bildern schreiben

Zudem bietet sich ein kleiner Exkurs in die japanische Schriftsprache an: Ralph lernt in Tokyo, dass die Schriftzeichen von oben nach unten und die japanischen Zeilen von rechts nach links geschrieben werden (ab Min. 13:42). 

Einige einfache japanische Schriftzeichen kann man sich dabei auf Anhieb sofort merken: Das Zeichen für Mensch etwa sieht aus wie ein Strichmännchen, und wer drei Mal das Zeichen für Baum zeichnet, hat auch schon das Wort „Wald“ geschrieben. – Diese einfachen Zeichen üben die Kinder, indem sie einige Zeilen mit Mensch – Baum –Wald schreiben, natürlich untereinander und die Zeilen von rechts nach links. Das entsprechende Schreibpapier in den Heften der japanischen Grundschüler hat natürlich keine horizontalen Linien, sondern große Karos, in die die kleinen Wortbilder gezeichnet werden. – Solchermaßen kariertes Papier ist schnell und einfach vorbereitet, indem Sie kariertes Papier im Drucker hochvergrößern. Oder die Kinder erstellen sich mit Bleistift und Lineal ihren eigenen Papierbogen für japanische Schreibübungen, indem sie ein leeres Papier auf einem karierten fixieren (ablösbares Klebeband) und Karos mit jeweils zwei Kästchen im Geometrieunterricht zu zeichnen üben.

Im Deutsch- oder Kunstunterricht werden die Kinder schließlich kreativ: Sie denken sich eigene Wortzeichen aus: Wie könnte ein Zeichen für „Ball“ aussehen? Wie eines für „Hund“? Wie könnte man mit einem Wortzeichen die Verben „werfen“, „laufen“ und „rennen“ darstellen? Mit ihren selbst erfundenen Zeichen schreiben die Schüler dann eine kleine Geschichte aus drei Sätzen: 1. Ein Mann geht mit dem Hund spazieren. 2. Der Mann wirft einen Ball. 3. Der Hund rennt dem Ball nach.

Ein besonderes Schulfach ausprobieren

Mathe, die jeweilige Landessprache (oder auch mehrere, wie eben gezeigt), Sport, Religion und Geschichte – diese Fächer stehen auch in den meisten anderen Ländern auf dem Stundenplan. Aber auch einige – aus unserer Sicht – exotische Fächer. In Island zum Beispiel lernen die Kinder Schachspielen, was wegen der Komplexität des Spiels für eine einzelne Projektwoche nicht geeignet ist. Theaterspielen hingegen schon. Es hat in England einen festen Platz im Stundenplan (ab Min. 20:51). Ralph ist begeistert von dem Unterricht: Die Kinder stehen im Kreis und die Lehrerin macht zunächst eine Übung vor, bei der die Schüler „Stimme und Körper lockern“. Dazu sprechen sie einen kurzen englischen Vers und machen dazu die passenden Bewegungen – ein bisschen wie bei dem Lied „Ein kleiner Matrose“, nur viel schneller und lebhafter. 

Dann zeigen alle ihre „Hausaufgabe“: Jeder Schüler hat sich einen Charakter/eine Figur ausgedacht, die er pantomimisch darstellt. Die anderen erraten, was es ist. Isaac etwa spielt einen gebückten alten Mann, der sich mit gequältem Gesicht und auf seinen Stock gestützt langsam vorwärts schiebt. – Bestimmt macht diese Übung Ihren Schülern genauso viel Spaß, wie den englischen Kindern. 

Internationale Woche in der Schulkantine

In den meisten Ländern essen die Kinder in der Schule zu Mittag, erzählt Ralph. Natürlich gibt es große Unterschiede beim Speiseplan. Falls Sie eine Schulkantine haben und das Küchenteam mitspielt, könnten in der Projektwoche Speisen aus wechselnden Ländern angeboten werden: am japanischen Tag zum Beispiel ein Wok-Gericht mit Reis, das mit einem kleinen Workshop „Essen mit Stäbchen“ verbunden ist. 

Weitere Besonderheiten in den jeweiligen Ländern könnten aufgegriffen werden: Wie in Japan geben die Kinder am japanischen Tag selbst das Essen aus. An einem französischen Tag könnte die Pause extralang sein: In Frankreich stellt sich jeder seine Mahlzeit aus einer Vielzahl von Vor-, Haupt- und Nachspeisen zusammen. Die Schüler haben eineinhalb Stunden Zeit, um zu essen. In Polen hingegen dauert die Pause nur fünfzehn Minuten und die Kinder essen hastig und fast schweigend, um rechtzeitig fertig zu werden. Eine Viertelstunde – das ist natürlich für ein Mittagessen viel zu wenig. Aber einmal ein paar Minuten schweigend essen, das probieren die Kinder bestimmt gern aus.

In Südafrika bekochen die Mütter die Kinder, die zu arm sind, um sich von zu Hause etwas mitzubringen. Möglicherweise finden sich ja in Ihrer Schule auch Eltern verschiedener Länder zusammen, um für die Kinder ein einfaches Gericht aus ihrer Heimat zuzubereiten. Oder die Eltern bringen zum Abschlussfest der Projektwoche eine landestypische Speise für ein internationales Buffet mit – so es denn in Nach-Corona-Zeiten hoffentlich wieder möglich ist. 

Damit jeder sofort sieht, wo die jeweiligen Speisen herkommen, werden sie auf einer großen stilisierten Weltkarte (Anregungen dafür finden Sie hier) an den Ursprungsort gestellt. Die Umrisse der Karte zeichnen Sie auf einem großen Leintuch oder auf zusammengeklebten Papierbahnen vor, bevor die Kinder dann die Kontinente kolorieren und beschriften. 

Letzte Stunde: fröhliches Klassenzimmerputzen

Japanische Schüler machen am Ende jedes Schultages ihr Klassenzimmer selbst sauber (ab Min. 23:15). Die Tische werden zur Seite geschoben, dann wird erstmal der Boden „gründlich gekehrt“, und anschließend gewischt. „Das sieht aus, als ob es Spaß machen würde“, kommentiert Ralph. – Hierzulande säubert zwar eher das Reinigungspersonal die Klassenzimmerböden. Trotzdem lassen sich Ihre Schüler mit schwungvoller Musik oder einer passenden Bewegungsgeschichte bestimmt für das Saubermachen des eigenen Arbeitsplatzes begeistern. Fenster auf, Tische abwischen und alles unterm und um den Tisch aufheben – das ist eine Bewegungspause der besonderen Art, die Sie am besten zu Beginn der letzten Stunde starten: Dann sind Ihre Schüler auch in der letzten Unterrichtsphase hellwach.

Martina Niekrawietz

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