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Freiarbeit

So motivieren Sie Schüler/-innen, selbstbestimmt zu üben

Freiarbeit ist auch freie Zeit zum Üben. Materialien, die möglichst viele Sinne ansprechen, motivieren Schüler/-innen, sich selbstständig Lerninhalte zu erschließen und letztendlich zu begreifen.

Freiarbeit: So motivieren Sie Schüler/-innen, selbstbestimmt zu üben Schreibenüben im Sand spricht viele Sinne der Schüler/-innen an © MaFiFo - stock.adobe.com

„Freiheit bedeutet nicht, dass man tut, was man will, sondern [,] Meister seiner selbst zu sein“, soll Maria Montessori gesagt haben. Damit hat sie wohl Recht, denn Eigenaktivität in der Schule setzt zum Etwas-Lernen-Können Selbst-Beherrschung, Motivation und Eigeninitiative voraus. Lehrer/-innen können diesen Lernprozess durch das Heranführen an Freiarbeit unterstützen. 

Unter Freiarbeit verbinden die meisten, dass Schüler/-innen vorbereitete Materialien auswählen und diese bearbeiten. Oft sind sie dabei frei in der Inhaltsauswahl und der Reihenfolge der Aufgaben. Das Arbeitsmaterial weist meistens Möglichkeiten der Selbstkontrolle auf. Typisch für diese Lernform der Freiarbeit ist der sogenannte Lern- oder Übungszirkel, der unterschiedliche Aufgabenstellungen zu einem Thema vorgibt. 

Freiarbeit = Zeit zum Üben und Vertiefen

Freiarbeit kann aber auch bedeuten, dass die Schüler/-innen Lerninhalte vertiefen und üben – immer dann, wenn Zeit übrig ist, weil sie bereits Aufgaben erledigt haben, ebenso in Vertretungsstunden. Freiarbeitsmaterial kann also grundsätzlich im Klassenzimmer angeboten werden, eben um „freie Zeit“ sinnvoll nutzen zu können, aber auch um damit Lern- und Übungseinheiten gestalten zu lassen. Wenn Sie z. B. die Großschreibung von Anredepronomen in Briefen durchgenommen haben, dürfen die Kinder während der Übungsphase, also in der Freiarbeitszeit, beliebige Aufgaben auswählen, die sinnvollerweise zu diesem Thema passen. 

Besonders motivierend sind Freiarbeitsaufgaben, die zusätzlich die unterschiedlichen Sinne ansprechen, also das Fühlen und Arbeiten mit den Händen beinhalten, anstatt nur unterschiedliche Aufgabenblätter zu bearbeiten. Drei Möglichkeiten der Aufgabenstellung im Deutschunterricht sollen hier exemplarisch vorgestellt werden – als Ideenlieferanten auch für andere Inhalte. 

Beispiele für unterstützende Freiarbeitsaufgaben

Wird beispielsweise das Thema Dehnung im Rechtschreibunterricht behandelt, kann es ausgesprochen hilfreich für viele Schüler/-innen sein, diese Dehnung auch optisch zu verdeutlichen. Gummibänder sind dabei ein wunderbares Hilfsmittel, die Dehnung von Vokalen in Wörtern zu verdeutlichen. Beispielsweise sind auf einer Karte Silben am rechten und linken Rand aufgelistet, die zu einem Wort zusammengefügt werden müssen. Über Einkerbungen am Rand neben den Silben werden diese mit dem Gummiband verbunden. So können die Schüler/-innen gedehnt gesprochene Vokale ebenso wie z. B. das Dehnungs-h üben. Und das mit vielen Sinnesorganen: Augen, Händen, Ohren und Mund. Sie erfahren die Dehnung im Wort haptisch“. Auf der Kartenrückseite sind die Lösungen als Verbindungslinien zu sehen. Das Kind kann nun eigenständig kontrollieren und danach jedes Wort ab- oder aufschreiben. Dies schult die Schreibmotorik, die Schreibsicherheit und -geschwindigkeit sowie die Hand-Auge-Koordination. 

Eine andere, sehr die Sinne ansprechende Methode, ist das Schreiben auf Sandpapier oder das Nachfahren von schon vorgefertigten Wörtern, die mit Paketschnur auf Karton geklebt sind. Die Paketschnurmethode ist immer dann sinnvoll, wenn Schüler/-innen stärker unterstützt werden müssen. Sie können so das zu übende Wort sehen, es mit den Fingerspitzen nachfahren. 

Auch interessant ist das Schreiben auf Sandpapier. Hierfür sollte das jeweilige Wort vorab von der Lehrkraft mit Acrylfarbe aufgeschrieben worden sein, sodass es beim Üben mit dem Finger nachgefahren werden kann. Warum Sandpapier und nicht Schreiben in Sand, der in eine flache Schale geschüttet ist? Sandpapier hat den Vorteil, dass es sich lochen und genauso wie der Karton mit den aufgeklebten „Schnurwörtern“ ordentlich in Ringbuchordnern abheften und aufbewahren lässt. 

Auch das Arbeiten mit Puzzle ist oft sehr beliebt. Für das Üben lateinischer Fachbegriffe im Fach Deutsch beispielsweise werden zweiteilige Puzzle benötigt. Auf dem einen Puzzleteil steht der lateinische Fachbegriff, beispielsweise „das Adjektiv“, auf dem anderen die „deutsche Übersetzung“ wie „Eigenschaftswort“, „Wiewort“. Die Schüler/-innen wiederholen die Begriffe, indem sie erfahren, dass und ob die Puzzleteile zusammenpassen. Oder sie lernen die Begriffe, indem sie das Puzzle richtig lösen, die Wörter für sich lesen, verinnerlichen und bestenfalls auf- bzw. abschreiben.

Es macht selbstverständlich Arbeit, geeignete Material zu sammeln und zu erstellen. Aber die Mühe lohnt sich, wenn man bedenkt, dass man sich für viele Jahre einen großen Fundus an Unterrichtsmaterialien schafft, der immer wieder einsetzbar sind. Noch wichtiger: Die Freiarbeitsangebote motivieren und machen neugierig.  Sie berücksichtigen unterschiedliche Lerntypen ebenso wie das Leistungsniveau Ihrer Schüler/-innen in heterogenen Klassen. 

Die Schüler/-innen „erleben“ das Lernen, den Wissenszuwachs und einen Unterricht, der ihre Lernbedürfnisse berücksichtigt.

Marylin Albert-Legniti

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