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Soziales Lernen

Sportunterricht: Fair Play und Sozialkompetenz trainieren

Im Sportunterricht lässt sich Sozialkompetenz besonders gut trainieren, indem Fair Play und das rücksichtsvolle Miteinander beim Mannschaftsspiel oder in Einzeldisziplinen im Fokus stehen.

Soziales Lernen: Sportunterricht: Fair Play und Sozialkompetenz trainieren Ballspiele fördern den Teamgeist, denn jeder kann dazu beitragen, dass die Mannschaft gewinnt © Sergey Novikov/Shutterstock.com

„Wir bauen nun unseren Parcours ab und ich möchte, dass alle mithelfen. Tragt die große Matte bitte mit vier Kindern und wartet am Geräteraum bis ich da bin“, erklärt der Sportlehrer der Klasse 3a. Was für viele Schüler selbstverständlich ist, muss beim Geräteauf- und abbau für einige Schüler immer wiederholt werden. Entziehen sich doch manche Schüler gern bei den Aufräumarbeiten und fühlen sich nicht verantwortlich für die Geräte der Gemeinschaft. Umso wichtiger ist es, dass soziale Lernen im Sportunterricht immer wieder zu betonen und mit Anweisungen, Erwartungen und gemeinsamen Aktionen einzuüben.

Gerade im Sport, wo es auf „Fair Play“ bereits bei den Kleinsten ankommt, spielt neben der sportlichen Leistung der Einzelnen das soziale Miteinander eine wichtige Rolle. Egal ob bei Mannschaftsspielen oder Einzelübungen, es sind viele soziale Kompetenzen nötig. Durch offene Aktionen und körperliche Nähe entsteht sonst schnell ein handfester Streit oder Kinder bringen Mitschüler in Gefahr.

Soziale Kompetenzen wie Selbsteinschätzung, freundlicher Umgang miteinander, Zurückhaltung, sozialer Einsatz für andere und eine friedliche Streitklärung können hier bei allen Sportarten und Aktionen gefordert und gefördert werden.

Selbsteinschätzung schützt vor Verletzung

Für einige Sportarten und Übungen ist es wichtig, dass die Schüler ihre Fähigkeiten realistisch einschätzen können: Wie weit kann ich mit den Ringen schwingen, ohne dass ich loslassen muss und herunterfalle? Kann ich hier meinen Schlagball werfen, ohne ein anderes Kind zu treffen? Komme ich an den Ball, ohne ein anderes Kind zu foulen? Wie schnell kann ich mit dem Rollbrett fahren, um noch vor dem nächsten Hindernis bremsen zu können? – Dies alles sind Entscheidungen, die die Schüler einzuschätzen lernen sollten.

Die Aufgabe des Lehrers ist hierbei der Hinweis auf genau diese Gefahren. Er sollte die Schüler in ihren Tätigkeiten immer im Auge haben und vor allen Dingen Sicherheitsvorkehrungen treffen und für die risikofreudigeren Kinder alle Geräte großflächig mit Matten sichern. Weist er im Vorfeld darauf hin, erst bis hier oder dort zu rennen, zu fahren, zu schwingen etc. und dann mit mehr Zutrauen seine Fähigkeiten zu steigern, bekommen die Schüler ein Gespür für das richtige Maß an Selbstbewusstsein, Zutrauen und Risiko, ohne sich oder andere in Gefahr zu bringen.

Freundlichen Umgangston — faires Agieren  

Gerade Mannschaftsspiele fordern von den Schülern ein hohes Maß an Frustrationstoleranz auf der Verliererseite. Alle Schüler in das Spiel einzubeziehen, faire Teams zu bilden, fair verlieren und den Frust aushalten zu können, diese Fähigkeiten gehören hier zum sozialen, freundlichen gemeinsamen Spiel. Der Sportlehrer sollte daher aus Erfahrung nicht direkt in der ersten Sportstunde mit einem Mannschaftswettbewerb einsteigen.
Alle Mannschaftssportarten kann man in ihren Einzelfähigkeiten in Stationsarbeit oder einem Parcours zunächst allein oder in Partnerarbeit trainieren. Beim Fußball beispielsweise kann ein Elfmeterschießen, eine Dribbelstation, eine Zupass-Station, eine Ballführstation um eine Markierung herum etc. viel gemeinsamen Spaß bringen. Haben alle Schüler ihren Umgang mit dem Ball eingeübt, kann ein Abschlussspiel verabredet werden. Dazu sollte der Lehrer vorher die Bedingungen mit den Schülern absprechen: Es werden faire Teams, ein unparteiischer Schiedsrichter, ein faires Spiel ohne Foul und faire Verlierer benötigt.

Die einzelnen Schritte von Teambildung, Schiedsrichterwahl etc. kann der Lehrer nach und nach in die Hand der Schüler geben. Immer wieder sollte er den freundlichen Umgangston, Fairness im Spiel und gegenseitige Rücksichtnahme besonders herausstellen und loben. So lernen die Schüler, dass es in erster Linie um den Spaß am Bewegen, an einer Sportart oder der Gemeinsamkeit geht und nicht um das permanente Gewinnen.
Zurückhaltung üben und andere mit einbeziehen

Keiner mag Angeber oder Vordrängler. Doch Zurückhaltung ist für viele Schüler nicht selbstverständlich. Oftmals prahlen Schüler mit ihren Wurfkünsten, als Fußballstar oder als Kletterkünstler und werten Mitschüler damit ab. Stattdessen können diese Schüler lernen, ihre Kenntnisse an andere Schüler zu vermitteln, indem sie anderen Schülern gerade bei Mannschaftsspielen auch die Möglichkeit geben, zum Zug zu kommen und ihre Fähigkeiten auszubauen. Natürlich ist es toll, wenn Alexander, ein sicherer und starker Werfer, beim Völkerball alle Kinder der gegnerischen Mannschaft abwirft und seine Mannschaft zum Sieg führt. Doch Anton, ein schüchterner Junge, langweilte sich während des gesamten Spiels, da er keinen einzigen Wurf tätigen durfte und kann sich aufgrund seiner Untätigkeit auch nicht über einen Sieg ihrer Mannschaft freuen.

Dies sollte immer wieder mit den Schülern vor einem Spiel besprochen und reflektiert werden. Im Extremfall sollte der Lehrer eingreifen und Alexander anweisen, den Ball auch mal abzugeben. Hat er dies einige Male signalisiert, so werden die Mannschaftsmitglieder von Alexander diese Rolle immer mehr übernehmen und schauen, dass alle Schüler gleichermaßen in einem Mannschaftsspiel beteiligt werden.

Doch auch bei Einzelübungen, beispielsweise in einem Kletterparcours mit Seilen, Bankrutschen und Ringen ist Zurückhaltung gefordert, damit Schüler nicht vordrängeln. Sonst kann es passieren, dass Kinder durch den bereits agierenden Mitschüler verletzt werden, weil in der Warteschlange geschubst wird und sie womöglich den Wartebereich dadurch überschreiten.

Diskussionen vermeiden — das Team stärken

Gibt es dennoch Unmut über eine Schiedsrichterentscheidung, Diskussionen, wie viel wer beim Abbau helfen sollte oder Ärger wegen Angeberei, Vordrängeln und mangelnde Zurückhaltung einzelner, sollte dies höflich geklärt werden. Der Lehrer sollte hier bei jüngeren Schülern vermittelnd eingreifen, Lösungen anbieten und als Schiedsrichter fungieren. So werden die Schüler ihre Freude an der Bewegung, am gemeinsamen Spiel, am Erlernen motorischer Fähigkeiten etc. nicht verlieren. Schließlich ist der Sport so vielfältig von Ballsport, Leichtathletik, Turnen, Tanzen, Gleiten, Fahren, Klettern, Schwingen etc., dass hier sicher jeder vielfältige Bewegungserfahrungen machen kann. Fairness immer vorausgesetzt.

Marion Keil

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