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Rechtschreibung lernen

Stolpersteine beim Erlernen der Rechtschreibung

Zu einem kompetenzorientierten Rechtschreibunterricht gehört die sprachliche Struktur. Sonst entstehen beim Erlernen der Rechtschreibung schnell sprachliche Stolpersteine. Hier erfahren Sie, welche das sind.  

Rechtschreibung lernen: Stolpersteine beim Erlernen der Rechtschreibung Die Struktur der Sprache ist für die Rechtschreibung wichtig © Christian Schwier - stock.adobe.com

Rechtschreibung hat bei Schülern und Eltern einen schlechten Ruf: Viele denken, richtig zu schreiben sei schwierig und oft unlogisch. Manchmal können aber sogar Grundschulkinder ihren Eltern etwas beibringen. Der Grund dafür ist, dass in vielen Köpfen noch veraltete Konzepte vorherrschen. Die meisten Erwachsenen haben eher das richtige Schreiben über Nachschriften und Diktate geübt, als sich sprachliche Strukturen bewusst zu machen. Da werden einfach erklärbare Schreibungen von Wörtern zu Stolpersteinen beim Rechtschreiben lernen in einem modernen Rechtschreibunterricht.  

Stolperstein „Das schreibt man, wie man es spricht!“

Viele Erstklässler würden nicht Bruder, sondern eher BRUDA schreiben – ganz normal, denn unbetonte Endsilben (<-e>, <-el>, <-er>, <-en>) hört man beim natürlichen Sprechen einfach nicht. Genauso wäre es also bei <ESL> (Esel) und <OFN> (Ofen). Manche Erwachsene sprechen dann zum Beispiel das <-en> überbetont aus. Das hilft dem Kind höchstens in dem einen Fall, aber nicht beim Erlernen von Rechtschreibbesonderheiten. Besser hilft hier der Trick: „Ich denke daran, dass jede Silbe einen Vokal hat.“ 

Eine ähnliche Schwierigkeit ergibt sich bei <r> nach Vokal. Wenn Sie bei Partner ein <r> sprechen, dann eher, weil Sie es extra betonen. „Das schreibt man, wie man es spricht“ wird dann zu „Das spricht man, wie man es schreibt.“ Die Aussprache von Wörtern unterliegt regionalen Unterschieden – in manchen Gegenden des deutschsprachigen Raums würden solche Probleme mehr, in manchen weniger zu Tage treten. Im Zweifel gilt hier: Das <r> muss ich mir hier merken.

Wichtig für den Erwerb eines Rechtschreibbewusstseins ist, dass die Schülerinnen und Schüler natürlich gesprochene Sprache in Schrift umsetzen können. Als Hilfe dient ihnen vielmehr ein Sprechen in Silben. Vor allem Schreibanfänger sollen auch einzelne Silben auf ihre Laute hin abhören. Auch das Sprechen in solch isolierten Silben muss geübt werden.

Stolperstein „Das hört man doch!“

„Da hörst du ein langes /i/!“ – Insbesondere Kinder, die Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung haben, hören die Unterschiede zwischen einem angeblich langem und kurzen /i/ eben nicht. Effektiver ist folgende Methode: Wenn das /i/ am Ende der Silbe klingt, schreibt man <ie>. Eine sehr kindgerechte Merkhilfe verwendet der RINA Wörterzug: „Das /i/ ist so klein und dünn, wenn es hinten ganz alleine sitzt, fürchtet es sich und braucht noch einen „Bodyguard“.“ (Hier gibt es Ausnahmen, die muss man sich merken. In 78% der Fälle wird im Deutschen aber [-ie] geschrieben.)

In einem modernen Rechtschreibunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler zuerst den Regelfall und üben ihn auf andere Wörter anzuwenden. Da die Ausnahmen oft gerade die häufigen Wörter betrifft (zum Beispiel die Pronomen ihr, ihnen usw.), kann man sie sich gut merken.

Stolperstein „Das darf man nicht trennen!“

Auch eine Ausnahmeregelung, die aber leicht zur Verwirrung führt, ist die Trennung von <ck>. Wir, die erwachsenen Rechtschreiber, haben gelernt, dass man <ck> nicht trennen darf. <Hec-ke> ist falsch, haben wir uns gemerkt. Das gilt aber nur für die Trennregel am Ende der Zeile! Das ist eine kleine Fußnote der Rechtschreibung, die weitaus wichtigere Regelungen überlagert. Wichtiger ist nämlich: Wann schreibe ich überhaupt <ck>? Diese Buchstabenkombination wird verwendet, wenn der /k/-Laut ein Silbengelenkt ist, das heißt, wenn ich /k/ am Ende der ersten und Anfang der zweiten Silbe höre: Höre ich /Hek-ke/, schreibe ich <Hecke>. Da die <ck>-Regel aber so präsent ist, führt dies oft zu Verwirrungen. So manch einem Kind wurde nicht geglaubt, wenn es /Hek-ke/ geklatscht hat und eingeredet, dass es /He-ke/ hört. Dasselbe gilt für Wörter, bei denen ein Buchstabe am Anfang alleine steht, zum Beispiel /E-sel/. Auch hier wurde den heute Erwachsenen beigebracht, dass man das nicht trennen darf. Gerade solche Beispiele zeigen, dass es wichtig ist, das silbische Prinzip der deutschen Sprache bewusst zu machen. Dass man Silben segmentieren üben soll, ist in der Regel bekannt – aber was über die Gliederung der Wörter in Silben alles erklärt werden kann, scheint oft nicht bewusst. Sogar in manchen Schulbüchern werden die Silben eher nebenbei behandelt und nicht als durchgehendes Prinzip auf die Rechtschreibfälle angewandt.

Bedeutsam für einen modernen Rechtschreibunterricht ist, dass die Lernenden mündlich und schriftlich die silbische Struktur der Wörter durchdringen. Mündliche Übungen und Spiele, die das Sprachbewusstsein der Kinder fördert, bilden eine stabile Grundlage für das Nachdenken über Sprache. Einige Vorschläge dazu findet man beim RINA Wörterzug.

Geht man von einem kompetenzorientierten Rechtschreibunterricht aus, ist der Weg zum Rechtschreibprofi wie der Aufstieg auf einen Gipfel (siehe „Rechtschreibung Kompetenzorientiert“). Selbstverständlich sollte die Lehrkraft als ausgebildeter Profi ein guter Bergführer sein. Oft sollten aber auch die Eltern mit einem Rucksack voller modernem Rechtschreibwissen ausgestattet werden, damit die oben beschriebenen Stolperfallen nicht zu Knochenbrüchen führen.

Daniela Harrer


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