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Resilienz

12 Tipps, wie Sie mit Achtsamkeit den Schulalltag meistern

Der Lehrerberuf kann stressen und schlimmstenfalls krank machen. Damit es gar nicht erst so weit kommt, helfen 12 kleine Achtsamkeitsübungen, mehr Ruhe und Gelassenheit in den Schulalltag zu bringen.

Resilienz: 12 Tipps, wie Sie mit Achtsamkeit den Schulalltag meistern Eine Tasse Tee oder Kaffee, an einem Rückzugsort in Ruhe genossen, gibt neue Energie © Antonioguillem - stock.adobe.com

Viele Lehrer leiden heute unter einem stressigen Schulalltag und den damit verbundenen Belastungssituationen. Die Zahl der erkrankten Kollegen hat enorm zugenommen. Lehrkräfte müssen dann oft zwei Klassen gleichzeitig führen oder die erkrankten Kollegen wieder vertreten, bis sie dann selbst wiederum krank werden. Alles soll schnell gehen und die Ziele der Lehrpläne zügig erreicht werden. Hochgeschwindigkeit wird mit Qualität auf eine Stufe gestellt. In kurzer Zeit muss viel erledigt, eine Menge an Stoff vermittelt und wieder abgefragt werden. Die Folge: Die Aufgaben werden immer oberflächlicher erledigt, die Zeit für ein sinnvolles Miteinander (im Kollegium oder auch mit den Schülern) und Kraft und Motivation gehen verloren. Nicht nur fachliche, sondern auch pädagogische und psychologische Kompetenzen sind ständig gefragt. Eine hohe Lärm- und Sprechbelastung sind an der Tagesordnung. Die Trennung zwischen Schul- und Privatleben gelingt nur selten.

All das zeigt deutlich, dass eine achtsame und wertschätzende Haltung anderen und auch sich selbst gegenüber zunehmend wichtig wird. „Auf sich aufpassen“ heißt, einen besonderen Wahrnehmungszustand zu erreichen, sich auf den Augenblick voll zu konzentrieren. Wie Sie das erreichen können, will Ihnen dieser Beitrag zeigen.

Bewusster im Hier und Jetzt — Achtsamkeit üben

Achtsamkeit im Schulalltag bedeutet: Impulskontrolle entwickeln, mit sich selbst geduldiger sein, sich Grenzen setzen können, mehr Gleichgewicht und Stabilität entwickeln und sich Belastungen und Stresssituationen besser gewachsen fühlen. Sie können, wenn Sie denn Achtsamkeit üben, bessere und durchdachtere Entscheidungen treffen und hören auf zu grübeln. Achtsamkeit führt zu einer positiven Grundeinstellung und mehr Geduld mit sich und anderen.

Dabei können verschiedene Tipps und Impulse helfen.

  1. Nehmen Sie sich täglich vor dem Unterricht wenigstens fünf Minuten Zeit, durch die Nase tief ein- und den Mund auszuatmen. Das regt die Leistung Ihres Gehirns an und kann das negative Gefühl von Stress verringern. Das können Sie auch prima im Auto oder zu Fuß auf dem Schulweg machen.
  2. Versuchen Sie durchzusetzen, dass es ein zusätzliches Zimmer für Lehrer gibt, das als Ruhe- und Achtsamkeitsraum dient. Sinnvoll wäre es, wenn dieser Rückzugsort mit bequemen Sitzmöbeln ausgestattet werden könnte.
  3. Machen Sie gezielt mindestens eine längere Pause am Tag — möglichst in diesem Raum. In dieser Zeit sollte es keine Gespräche über schulische Belange oder Organisatorisches, keine Telefonate oder kurze Besprechungen zwischen „Tür und Angel“ geben. Versuchen Sie, in bequemer Haltung für einen Moment abzuschalten, bewusst ein- und auszuatmen und die Augen zu schließen.
  4. Oder machen Sie in Ihrer Pause eine kurze Gehmeditation an der frischen Luft. Versuchen Sie dabei, den Fokus nur auf Ihren Körper und ihre Atmung zu richten. Abschalten und das Ausschalten beunruhigender Gedanken schafft wieder neue Kraft für die nächste Herausforderung.
  5. Beobachten Sie an einem stressigen Tag einmal Ihre Körperhaltung. Ein aufrechter und offener Körper hilft gegen Verkrampfung und Angespanntheit. Die Brust kann sich öffnen. Sie können freier atmen und ein ungehinderter Energiefluss kommt zustande.
  6. Kontrollieren Sie einmal Ihre Sprache, wenn Sie über Probleme oder Situationen sprechen. War alles „mega schlecht“, katastrophal, unglaublich schwer oder furchtbar? Dann erzeugen Sie selbst ein Gefühl der Ohnmacht oder Unüberwindbarkeit, nur über die sprachliche Bezeichnung. Die Gelassenheit verfliegt dabei mit den negativen Wörtern. Bleiben Sie bei der Schilderung möglichst sachlich und betrachten Sie die sogenannten Katastrophen mit mehr Gelassenheit und Distanz.
  7. Regen Sie an, für das Lehrerzimmer Stehtische anzuschaffen. Im Stehen kann man manche Dinge leichter besprechen.
  8. Lernen Sie „Nein“ zu sagen, wenn Sie wieder mal einen Posten übernehmen oder eine Extraarbeit machen sollen. Weisen sie zusätzliche Aufgaben zurück, um der Mehrbelastung entgegenzuwirken.
  9. Konzentrieren Sie sich bei Ihren täglichen Aufgaben nur auf das Wesentliche und schieben Sie weniger wichtige und unwichtige Sachen beiseite.
  10. Seien Sie geduldig mit sich selbst. Schaffen Sie ein Gleichgewicht zwischen Harmonie und Vertrauen und gleichzeitiger Unabhängigkeit und Abgrenzung von anderen. Mit anderen Worten: Vertrauen Sie ihren eigenen Fähigkeiten, jedoch auch den Kompetenzen Ihrer Kollegen und geben Sie Aufgaben ab.
  11. Streben Sie einen fachlichen Austausch an und geben Sie Ihren Kollegen offenes und konstruktives Feedback. Anerkennung und Lob wirken sich positiv auf Ihre Arbeit und die Ihrer Kollegen aus.
  12. Führen Sie am Ende des Schultages eine Selbstreflexion durch. Was ist Ihnen am besten gelungen? Wo haben sie gut gehandelt oder reagiert? Loben Sie sich ruhig einmal selbst!

Achtsamkeit muss geübt und verinnerlicht werden. Nehmen Sie sich Zeit, diese Tipps in Ihren Alltag zu integrieren, und lassen Sie sich weniger vom Berufs- und Schulalltag hetzten. Durch bewusstes Wahrnehmen der eigenen Fähigkeiten und achtsames Handeln tanken Sie Kraft und neue Energie. Stress und körperliche Anspannung im Schulalltag lassen sich besser verarbeiten. Achtsamkeit macht Menschen stabiler und gesünder — und Sie zu einem hoffentlich glücklicheren Lehrer, einer glücklicheren Lehrerin.

Angela Hentschel

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