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Stimmstörungen vermeiden

Eine gute Lehrerstimme trägt den Unterricht

Um Stimmstörungen zu vermeiden, sollte man ein paar wenige Dinge berücksichtigen. Denn für die eigene Gesundheit und das Lernen der Schüler ist eine deutliche und klare Stimme von großer Bedeutung.

Stimmstörungen vermeiden: Eine gute Lehrerstimme trägt den Unterricht Spätestens dann sollte man aktiv werden: Wenn's im Hals kratzt und die Stimme versagt © DDRockstar - Fotolia.com

Eine leistungsfähige und gesunde Stimme und eine verständliche Sprechweise stellen für Lehrer eine Grundvoraussetzungen in ihrer Berufsausübung dar. Denn Stimme und Sprechweise sind entscheidend für Verständlichkeit, Glaubwürdigkeit. Sie sind der Ausdruck von Kompetenz des Sprechenden. Darüber hinaus haben Lehrer hinsichtlich der Sprache eine Vorbildfunktion für ihre Schüler.
Schüler nehmen den Lehrer durch drei zentrale Kanäle wahr, die auch das Gesagte noch einmal besonders betonen:

Visueller Kanal: Die Körpersprache und das Raumverhalten eines Lehrers unterstützen das Gesagte kontextuell. Hier kommt es darauf an, „wie man etwas sagt“.

Taktiler Kanal: Fühlbare Signale durch körperliche Kontaktaufnahme unterstützen das nonverbale Geschehen, z. B. durch kurze Berührung an Arm oder Schulter. Der Schüler versteht das Gesagte noch einmal aus einer vertieften Verständnisebene heraus.

Auditiver Kanal: Die hörbaren Signale des Lehrers sind sein „Text“ mit Syntax und Semantik wie auch sein stimmlicher Ausdruck (Prosodik). Hier wird ausgedrückt, „was man sagt“.

Stimmstörungen haben gravierende Auswirkungen

Beide Aspekte, die nonverbale und die verbale Kommunikation, bestimmen das Miteinander-Sprechen. Lehrer sind demnach als Berufssprecher zu bezeichnen, die hohe Anforderungen an die eigene Stimme stellen (sollten). Darum ist es wichtig zu wissen, welche Auswirkungen Stimmstörungen haben können und wie der Funktionskreis einer gesunden Stimme aufrechterhalten werden kann.
Denn besonders Lehrer sind anfällig für die Entwicklung einer funktionellen Stimmstörung (vgl. Schneider, Berit / Bigenzahn, Wolfgang: Stimmdiagnostik. Ein Leitfaden für die Praxis. Wien 2007). Sie unterliegen häufig drei wesentlichen Belastungsfaktoren für die Entwicklung einer Stimmstörung:

  1. langer, intensiver Stimmgebrauch,
  2. hoher Lärmpegel,
  3. Anpassung an die kindliche Stimme.

Literaturtipps:

Amon, Ingrid: Gut bei Stimme. Richtig sprechen im Unterricht. Linz 2009

Kutej, Waltraud: Prävention von Stimmstörungen. Die Stimme als wichtigstes Arbeitsinstrument in Sprechberufen. Idstein 2011

Schneider, Berit / Bigenzahn, Wolfgang: Stimmdiagnostik. Ein Leitfaden für die Praxis. Wien 2007

Eine Stimmstörung (Dysphonie) kann die berufliche Leistungsfähigkeit eines Lehrers einschränken oder gar unmöglich machen. Hierbei unterscheidet man organische Stimmstörungen, z. B. durch Missbildung, Entzündungen oder Verletzungen, von funktionellen Stimmstörungen, z. B. durch Gewohnheiten, psychologisch bedingt oder konstitutionell. Eine Diagnostik sollte der HNO-Arzt oder ein Phoniater vornehmen. Die Symptomatik geht oft einher mit Heiserkeit und Leistungseinschränkungen der Stimme, mit Beigeräuschen und einer erhöhten Sprechbelastung oder mit Schwingungsunregelmäßigkeiten und unvollständigem Verschluss der Stimmlippen.

Die Auswirkungen von Stimmstörungen bei Lehrern können drastisch sein:

  • Schüler passen sich den Stimmgewohnheiten der Lehrer an und  übernehmen bestimmte funktionelle Fehlentwicklungen.
  • Durch das erschwerte Verstehen wird der Enkodierungsaufwand in der Kommunikation zu groß, der Lehrer wird oft nicht mehr „gehört“.
  • Die private Lebensqualität wird durch fehlende Kommunikation und sozialen Rückzug gemindert. Die Folge: Stress und Frustration über das Stimmproblem.
  • Unterrichtsausfall und schlimmstenfalls Berufsunfähigkeit drohen.

Nützliche Tipps zur Stimmhygiene

Mit der richtigen Sprechweise kann diesen Auswirkungen entgegengewirkt werden. Die Verständlichkeit wird gesichert. So ist es sehr hilfreich, viele Stimmsenkungen in die Stimme einzubauen und keine überhöhte Stimmlage einzunehmen. Man findet seine angemessene natürliche Stimmlage, wenn man einige Male hintereinander „mhmm“ vokalisiert, als ob man etwas Leckeres zu essen bekommen hat. Mit sinnvoller Betonung und angemessener Sprechgeschwindigkeit vermeidet man die unphysiologische Hochatmung.

Das sollten Sie tun:

  • viel trinken, um die Sprechorgane zu befeuchten,
  • entspannen und die Pausenzeit auch für Sprechpausen nutzen,
  • in den Bauch atmen, besonders bei Aufregung,
  • summen und abklopfen, um die Stimme morgens in Gang zu bringen.

Das sollten Sie lassen:

  • Flüstern strengt besonders die Muskulatur des Kehlkopfes an,
  • Räuspern sollte stimmlos oder gar nicht geschehen, besser ist Husten oder Schlucken,
  • beim Lautwerden nicht zugleich höher werden,
  • statt scharfer Hustenbonbons besser milde Mittel verwenden, die die Schleimhäute nicht angreifen.

Wenn Sie feststellen, dass Sie immer wieder angestrengt oder heiser sind, so kann es sehr hilfreich sein, rechtzeitig zu einer Beratung durch einen Phoniater zu gehen. Nicht mit jeder Diagnose durch den HNO ist der funktionellen Stimmstörung abzuhelfen. Ein Stimmscreening überprüft zielorientiert die Leistungsfähigkeit der Stimme. Eine weiterführende Kommunikationsberatung kann im Lehrerberuf weiterhelfen.

Claudia Omonsky

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