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Selbstsorge

Entspannung — der beste Weg zu mehr Lehrergesundheit

Lehrer sind in ihrem Beruf hohen Anforderungen ausgesetzt. Da bleibt die Gesundheit zuweilen auf der Strecke. Deshalb ist es umso wichtiger, Momente der Entspannung und Entschleunigung in den Berufsalltag und in die Freizeit zu integrieren.

Selbstsorge: Entspannung — der beste Weg zu mehr Lehrergesundheit So sammelt man neue Kräfte: Arbeit Arbeit sein lassen und sich bewusst entspannen © Antonioguillem - Fotolia.com

Können Sie richtig und aktiv entspannen? Nicht selten erleben wir Lehrer, die trotz der hohen Anzahl an Ferientagen und relativ freien Zeiteinteilung nicht besonders gut entspannen können, obwohl das gängige Vorurteil doch Lehrer hervorbringen müsste, die aus diesen Gründen völlig tiefenentspannt durch die Welt gehen.

Stress, Überlastung, Burnout — dies trifft auf viele Berufe im Gesundheitswesen zu, ebenso aber auch auf Lehrer, insbesondere wenn sie im Bereich Förderschulen arbeiten. Dort treffen häufig die Anforderungen von Lehren und Pflegen zugleich aufeinander, vor allem im Bereich der intensiven Behinderung. Allein das Heben und Lagern von Schülern mit intensivem Förderbedarf fordert Rückengesundheit, Fitness und Kraft. Dies bedeutet, dass Lehrer dort insgesamt eine besonders hohe physische und psychische Stabilität brauchen, um die erforderliche Selbstverantwortung für seelische und körperliche Gesundheit übernehmen zu können.

Gesundheitsprävention ist wichtig

Wir wissen, dass die Anforderungssituation „Stress“ subjektiv sehr verschieden wahrgenommen wird. Was für den einen als Belastung und negativer Stress (Distress) empfunden wird, kann für den anderen eine Herausforderung und positiven Stress (Eustress) darstellen. So wird der Letztere sich wahrscheinlich erfolgreich der Herausforderung stellen und sich dadurch als kompetent erleben, während der Erstere sich überfordert, hilflos und als Opfer der Situation fühlt.

Auch das ISB Bayern schlägt in seinem Lehrbrief zur Lehrergesundheit verschiedene Methoden zur Gesunderhaltung bzw. Prävention vor:

  1. Pflege und Schutz der eigenen Stimme
  2. Arbeitsorganisation am häuslichen Arbeitsplatz
  3. Kooperation im Kollegium
  4. Gewinnung von Kraftreserven

(vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung: Erziehung konkret 5, Gesunde Lehrer — Fit für die Erziehung, München o. J.)

Kraftreserven gewinnen — je nach Entspannungstyp

Die Gewinnung von Kraftreserven benötigt aus unserer Sicht die größte Aufmerksamkeit, da sie verschiedenen Überlegungen folgt, die für jeden Menschen durchaus unterschiedliche Konsequenzen haben können: Wissen Sie schon, welcher Entspannungstyp Sie sind?

Die Bewältigungsstrategien für die Verarbeitung von Belastungssituationen sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Während der eine am liebsten nach der Arbeit nichts tut und einen Mittagsschlaf hält, möchte sich der andere durch einen straffen Waldlauf wieder fit machen. Wieder ein anderer pflegt sein Hobby und geht lesen, malen oder musizieren. Auf die eine oder andere Weise führen all diese Tätigkeiten zu individueller Entspannung.

Sie können sich überlegen, ob Ihre Entspannungstätigkeit Sie fordert und wenn ja, auf welchem Kanal? Werden Sie in Ihrem Ehrgeiz gepackt und erleben sich auch hier wettbewerbsorientiert, zum Beispiel beim Sport? Suchen Sie eher Ruhe und Stille wie beim Lesen? Oder bevorzugen Sie Gemeinschaft und sozialen Austausch wie in Vereinen oder Singkreisen? Geistige, körperliche oder psychische Abwechslung, Tätigkeitswechsel? Ablenkung oder Konzentration? Beobachten Sie genau, welche Ihrer Freizeitaktivitäten Sie wirklich entspannen. Es kann leicht passieren, dass Sie eine ähnliche Rolle in der Freizeit einnehmen, die Ihnen aus dem Beruf geläufig ist. – Sind Sie etwa Vorstand, Gruppenleiter oder Trainer – kurz: ein Leiter und „Geber“? Oder bevorzugen Sie die Rolle des Teilnehmers und „Nehmers“? Welches ist Ihre Lieblingsentspannungsart und zu welchen Zeiten benötigen Sie sie?

Ganzheitliche Entspannung und Achtsamkeit

Ideal ist eine harmonisierende, ganzheitliche Systematik, die eine Einheit aus Körper, Geist und Seele anstrebt und fördert. Wenn Sie eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ausführen, wäre dies evtl. eher das Auspowern. Wenn Sie hingegen eine anstrengende Tätigkeit ausüben, ist es vielleicht eher die Regeneration. Wenn Sie stets eine Führungsposition halten müssen, kann es sehr entspannend sein, sich mitnehmen und selbst führen zu lassen. Wenn Sie ständig neue Ideen und Materialien entwickeln müssen, kann es entspannend sein, ein Hobby zu pflegen, bei dem Sie eher passiv sein dürfen.

Mit hoher Aufmerksamkeit können Sie so Ihre Wahrnehmung für die eigenen Bedürfnisse und Wünsche schärfen. Das Konzept der Achtsamkeit nach Kabat-Zinn hilft dabei, sich absichtsvoll und nicht wertend auf den gegenwärtigen Moment zu beziehen (vgl.  Jon Kabat-Zinn: Gesund durch Meditation. München 2011).

Literatur zum Thema:

Jon Kabat-Zinn: Gesund durch Meditation: München 2011

Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung: Erziehung konkret 5, Gesunde Lehrer — Fit für die Erziehung: München o. J.

Im Lehrerberuf haben wir sehr vielfältige und unterschiedliche Anforderungen. Es kann für eine effektive Entspannung, die sich den momentanen Gegebenheiten anpasst, sehr hilfreich sein, kleine Achtsamkeitsübungen zu trainieren, um herauszufinden, was gerade jetzt wirklich „dran“ ist. Um die Achtsamkeit im Alltag auf einfache Weise zu erhöhen und in der täglichen Routine Zeiten zu finden, in denen man sich innerlich zurückzieht, hier zwei kurze Übungen, die Sie ausprobieren können:

  • Red Sign: Wie bei einer roten Ampel kann man sich selbst immer wieder ein kleines Stopp-Signal in den Tag einbauen, zum Beispiel tatsächlich an jeder roten Ampel auf dem Nachhauseweg. Diese kurze, zeitlich determinierte Pause kann man für unterschiedliche Gedankenübungen nutzen. Sei es für eine Entspannungsübung oder für eine Reflexionsfrage, zum Beispiel: „Was ist mir heute besonders gut gelungen?“ oder „Was war heute besonders nervenaufreibend?“ Sobald die kurze Pause an der Ampel vorbei ist, schließen Sie auch den Gedanken ab. Die „rote Ampel“ kann auch sein, auf das Kochen des Teewassers zu warten oder die Zeitspanne des Staubsaugens – dies ist besonders am Anfang weniger ablenkend als im Straßenverkehr. Wichtig ist die bewusste und vor allem abschließende Reflexion des Gedankenspiels, die sich nicht in die stressigen Gedankenspiralen ausweitet, die uns aus dem Grübeln nicht mehr herauslassen.
  • Speed Dating: Treffen Sie eine kurze Verabredung mit sich selbst. Einmal am Tag nehmen Sie sich fest vor, sich für zwei bis fünf Minuten still und ungestört an einen Ort zurückzuziehen und nichts zu denken. Legen Sie den Termin fest und halten Sie sich unbedingt daran. Machen Sie es sich richtig bequem und sitzen Sie dabei entspannt. Wichtig: Denken Sie erst einmal an nichts, das ist der schwierige Teil der Übung. Achten Sie darauf, was Ihnen dabei spontan einfällt oder durch den Sinn geht. Fragen Sie sich dann, warum. Die Übung kann etwas mehr Ruhe und Struktur in den hektischen Tag bringen. Sie werden feststellen, ob Sie immer wieder auf gleiche Gefühle oder Gedanken stoßen, denen es lohnt nachzuhorchen. Die Übung kann eine sehr gute Vorübung zum Meditieren sein, wenn Sie daran Interesse haben.

Die vorgeschlagenen Übungen beziehen sich vor allem auf Gedanken und Gefühle. Sie können darum prinzipiell an jedem Ort durchgeführt werden. Vielleicht werden Sie feststellen, dass Sie mehr mit Ihrem Körper arbeiten möchten. Dann helfen Entspannungs- und Atemübungen weiter.

Claudia Omonsky


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