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Studie Schülergesundheit

Gesundheit hängt vom Elternhaus ab

Das Elternhaus hat nicht nur großen Einfluss auf die Schulentwicklung der Kinder, sondern auch auf deren Gesundheit, wie eine aktuelle Studie belegt. Die Daten legen nahe, dass schulische Gesundheitsprävention gefordert werden muss.

Studie Schülergesundheit: Gesundheit hängt vom Elternhaus ab Viele Kinder kennen das nicht mehr: ein gesundes gemeinsames Frühstück mit der ganzen Familie © wavebreakmedia/Shutterstock.com

„Herkunft bestimmt in Deutschland Zukunft“, schreibt Martin Spiewak in seinem Beitrag „Mehr Ungleichheit, bitte!“ in der Wochenzeitung DIE ZEIT am 13.12.2017. Ein gutes Beispiel dafür ist die zweigeteilte Stadt Essen: Hier teilt die A 40 die Stadt „wie eine soziale und ethnische Grenze“, so Spiewak. Im Süden, unweit der ehemaligen Familienvilla der Krupps, liegt die Graf-Spee-Grundschule. 46 von 48 Schülern wechselten 2017 aufs Gymnasium. Ganz anders in der Hüttmann-Grundschule im Norden, wo die Hälfte der Kinder Migrationshintergrund hat und zwei Drittel der Eltern Hartz IV beziehen. Hier sprechen die Erstklässler schlecht Deutsch, manche haben noch nicht einmal gelernt, einen Stift zu halten, geschweige denn still zu sitzen. Wenn Kinder in der Schule erst einmal die „Basics“ lernen müssen, sind sie vom ersten Schultag an benachteiligt.

Dabei haben Kinder aus sozial schwachen Familien nicht nur weniger Chancen im Bildungsbereich, auch ihre gesundheitlichen und entwicklungsbedingten Voraussetzungen sind erheblich schlechter, wie eine aktuelle DAK-Studie zeigt, die im Sommer 2018 veröffentlicht wurde.

Gebildetere Eltern — gesündere Kinder

Diesen Zusammenhang offenbarte der Kinder- und Jugendreport der DAK im August 2018. Wissenschaftler der Universität Bielefeld werteten für die repräsentative Studie Daten von 600.000 Jungen und Mädchen und fast 430.000 Eltern aus dem Jahr 2016 aus. Ergebnis: „In Familien mit niedrigem Bildungsstatus sind Jungen und Mädchen bis zu dreimal häufiger von bestimmten Erkrankungen betroffen als Kinder akademisch gebildeter Eltern“, berichtet die Krankenkasse auf ihrer Website. Im Alter von fünf bis neun Jahren hätten Kinder bildungsarmer Eltern 2,8-mal häufiger Zahnkaries, und seien etwa 2,5-mal so oft von Adipositas betroffen. Unter Entwicklungsstörungen wie Sprach- und Sprechproblemen leiden Kinder von Eltern ohne Ausbildungsabschluss um 45 Prozent häufiger, und auch bei Diagnosen von Verhaltensstörungen wie ADHS lagen sie um 44 Prozent über den Kindern von Akademikereltern.

Zudem registrierte die DAK bei Kindern aus bildungsfernen Familien bis zu 68 Prozent mehr Krankenhausaufenthalte und bis zu 43 Prozent mehr Arzneimittelverschreibungen (ebd.).

Lebensstil der Eltern wird zum Gesundheitsrisiko für Kinder

„Wenn das Elternhaus krank macht, hängt die Diagnose der Kinder oft mit dem Lebensstil von Mutter oder Vater zusammen“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Die gesundheitliche Ungleichheit zwischen den Familien“ sei „größer als gedacht“, es gebe „nachweislich erhöhte Risiken für benachteiligte Kinder“. Dabei hätten „die Bildungseinflüsse der Familie deutlich größere Auswirkungen auf die Kindergesundheit als zum Beispiel Einkommensunterschiede“ (ebd.).

Kinder von Eltern mit Suchterkrankung tragen ein besonders hohes Gesundheitsrisiko: Sie müssen öfter ins Krankenhaus und zum Arzt, und sie bekommen außerdem mehr Medikamente verschrieben als „unbelastete Kinder“. Stark erhöht ist bei diesen Kindern speziell der Anteil von psychischen Erkrankungen: Um 80 Prozent bei Depressionen, um 70 Prozent bei ADHS und um 50 Prozent bei Schulangst (ebd.).

Kinder aus Suchtfamilien sind dabei keine Einzelfälle: „Acht Prozent aller DAK-versicherten Kinder hatten 2016 mindestens einen Elternteil mit einer ärztlich behandelten Suchterkrankung“, heißt es auf der DAK-Website. — Das sind zwei von 25 Schülern. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen, da die Studie ja nur die ärztlich behandelten Suchterkrankungen berücksichtigt.

Schulische Gesundheitsprävention tut not

Die DAK-Studie zeigt zum einen die zentrale Bedeutung einer schulischen Gesundheitserziehung und -förderung, die offensichtlich im Elternhaus oft fehlt. Zum anderen wird klar, dass dabei besonders auch die Eltern in den Fokus rücken sollten. Aber wie holt man die Eltern mit ins Boot? Das ist gar nicht so einfach, denn gerade diese problematische Elterngruppe bleibt gern der Schule fern. Schule muss also Anreize für Eltern und Schüler schaffen, sich mit einer gesunden Lebensweise zu beschäftigen und das gleichzeitig innerhalb der Schule und auch im Elternhaus. — Doch wie ist das zu realisieren, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben oder diejenigen Mütter und Väter bloßzustellen, die aus Unwissenheit oder durch ihren Lebensstil ihren Kindern womöglich schaden? Hier sind neue Ideen gefragt und Schulmodelle zu entwickeln.

Martina Niekrawietz

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