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Gesundes Arbeitsklima

In 12 Schritten zu mehr Gelassenheit im Schulalltag

Der Schulalltag ist häufig durch Hektik, Überforderung und Stress gekennzeichnet. Gute Bildungsarbeit kann aber nur funktionieren, wenn Lehrkräfte sich dafür engagieren und darin trainieren, den Lehreralltag zu entschleunigen.

Gesundes Arbeitsklima: In 12 Schritten zu mehr Gelassenheit im Schulalltag Mit einer großen Portion Gelassenheit gelingt ein fröhlicher Schultag © Photographee.eu - stock.adobe.com

Frau S. hat gerade einen anstrengenden Unterricht hinter sich, da drei Schüler durch Schaukeln auf den Stühlen, Beschimpfen eines Mitschülers und Herumlaufen im Klassenzimmer erheblich gestört haben. Sie will nun schnell ihre 15 Minuten Pause machen, als sie die Nachricht erhält, noch dringend beim Jugendamt anzurufen. Nach dem Anruf, der fünf Minuten dauert, kommt eine andere Kollegin zu ihr und bittet sie, die Unterlagen für die nächste Klassenarbeit herauszusuchen. Anschließend muss Frau S. noch in den Kopierraum, um die Arbeitsblätter für die nächste Unterrichtsstunde zu kopieren. Vor dem Raum stehen zwei Schülerinnen aus ihrer Klasse, die dringend Schlichtungshilfe bei einem Streit benötigen. Da schellt es auch schon und Frau S. muss in die nächste Klasse, um zu unterrichten. Mit der Pause war es mal wieder nichts. Die Zeit hat nicht ausgereicht.

Zeitdruck und Wahrnehmung hängen immer von kollektiven Erwartungsstrukturen ab. Ein hohes Arbeits- und Lerntempo sowie vielseitige Anforderungen erzeugen innere Unruhe und Stressgefühle und machen auf Dauer krank. Bildungsaufbau braucht Zeit und keine Beschleunigung. Zeit, um einen guten Unterricht und wirksames Lernen zu ermöglichen. Zeit, um allen Schülern gerecht zu werden und ein einfühlsamer Ansprechpartner für Kollegen, Kinder und Eltern zu sein. Aber auch Zeit, um der Mehrbelastung und Ressourcenknappheit zu begegnen.

Entschleunigung als wichtiger Bestandteil für ein gesundes Arbeitsklima

Es gibt einige Möglichkeiten, diesen Belastungen etwas entgegenzusetzen. Manche betreffen eine völlige Neuorganisation der Schule, manche können Sie als Lehrkraft direkt umsetzen.

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Anregungen und Information: Zeit für Bildung

  1. Hilfreich auf dem Weg zu mehr Gelassenheit ist oftmals eine Veränderung der inneren Haltung. Üben Sie, schwierige Gespräche oder Probleme gelassener zu nehmen und eine innere Distanz aufzubauen. Verinnerlichen Sie nicht die Probleme anderer.
  2. Gelassenheit bedeutet jedoch auch, sich einen Moment zurückzunehmen und die Situation von außen zu betrachten. Handelt es sich um eine von Ihnen bewusste Entscheidung zur Reaktion, dann können Sie hierbei auch gelassen und ruhig bleiben.
  3. Die Optimierung des eigenen Selbstmanagements durch eine strukturierte Vorbereitung hilft, dass man nicht ins Schleudern gerät und zu schnell spontan umdenken muss. Dazu gehört, benötigte Medien und Materialien geordnet und griffbereit zu haben und den Unterricht gut vorzubereiten.
  4. Eine detaillierte Handlungsplanung für den Tagesablauf bzw. Wochenablauf hilft, sich besser auf die momentanen Gegebenheiten und die Arbeitsbelastung einzustellen. Ein eigener Wochenplan mit anstehenden Aufgaben gibt eine gute Übersicht und innere Ruhe.
  5. Transparenz der Arbeit innerhalb des Kollegiums ist eine hilfreiche Basis, unter Umständen nicht mit Problemen allein zu sein. Wenn sich die Kollegen der einzelnen Stufen über Lehrinhalte, Maßnahmen im Umgang mit schwierigen Schülern oder allgemeine Informationen austauschen, müssen Sie manche Belastung nicht allein tragen. Wichtig ist, dass Sie sich gegenseitig unterstützen und helfen.
  6. Lassen Sie sich und den Schülern ein wenig mehr Zeit in der Beantwortung von Fragen. Warten Sie gelassen, was diese zu sagen haben. Nicht Schnelligkeit ist gefragt, sondern Wissen. Dies gibt Ihnen auch mehr Ruhe.
  7. Disziplin, Inflexibilität und standardisiertes Vorgehen entsprechen heutzutage nicht den Erfahrungen und Ressourcen der Schüler. In den Bereichen der Eigenaktivitäten, der flexiblen Zeitgestaltung und Profilentwicklung haben diese andere Vorstellungen. Ein Verlängern der Unterrichtsstunde auf 90 Minuten kann helfen, ein sinnvolles und entspannteres Zusammenarbeiten zu erzielen und die Schüler zu selbstständigerem Arbeiten hinzuführen. Das Hetzen von einem Fach und einer Klasse zu nächsten führt zu Stressempfinden und Hektik.
  8. Das Lehrerraum-System ist eine mögliche Anregung zur Entschleunigung. Jeder Lehrer hat einen festen Raum, in dem er alle seine Materialien und Unterlagen einordnen kann. Nun müssen die Lehrer nicht von einem Klassenraum zum nächsten hetzen, sondern die Schüler gehen geschlossen zu ihrem entsprechenden Lehrer und dem Raum. Allerdings ist dafür eine Verlängerung der Unterrichtsstunden auf 90 Minuten notwendig. Bei diesem System haben die Schüler zwischen den verschiedenen Fachstunden Bewegung durch den Klassenwechsel und die Lehrer gewinnen Zeit für die Vorbereitung.
  9. Nutzen Sie nicht benötigte Bereitschaftsstunden (für Unterrichtsvertretung) für persönliche Organisationen oder wichtige Telefonate. Planen Sie diese in Ihren Tagesplan mit ein. Dies kann Zeit einsparen und Raum für andere Dinge schaffen. Vielleicht auch für eine kurze Zeit, den Achtsamkeitsraum zu nutzen!
  10. Versuchen Sie, für die Schüler nicht nur Bewerter und Beurteiler zu sein. Seien Sie Lernbegleiter und schaffen Sie eine gelassene und entspannte Atmosphäre, indem Sie selbst ruhig und gelassen sind. Wenn Sie nach einem abwechslungsreichen und weniger stressigem Schultag zufrieden nach Hause gehen, fühlen Sie sich weniger ausgelaugt und sind motivierter für den nächsten Tag.
  11. Machen Sie den Eltern deutlich, dass Sie nicht immer und stets ansprechbar sein können. Bitten Sie sie, vorgegebene Termine unbedingt einzuhalten.
  12. Finden Sie zusammen mit Ihren Kollegen eine Lösung für den Zeitdruck. Ordnen Sie Aufgaben, auch innerhalb ihres Schulprogramms, nach Prioritäten. Man muss nicht bei allem Neuen und Interessanten dabei sein.

Arbeitsverdichtung, ständige Erreichbarkeit, schnelle Reaktionen auf gemailte Anfragen, der Drang, möglichst viel zu schaffen — das alles sind Faktoren, die einen Menschen stark belasten und ein Überforderungsgefühl erzeugen. Es wird höchste Zeit, nicht nur darüber zu reden, sondern Gelassenheit zu üben und Entschleunigung zu praktizieren.

Angela Hentschel

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