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Stimmtraining

Kleine Übungen für eine leichte Artikulation

Denkt man an Stimm-Training, so fällt einem meist zuerst die Artikulation ein: das berühmt-berüchtigte Korkensprechen. Dabei sind viele andere Bereiche der Sprechstimmbildung auch wichtig. Im Folgenden soll es aber einmal nur um das lockere und deutliche Aussprechen der Wörter, also die Artikulation gehen.

Stimmtraining: Kleine Übungen für eine leichte Artikulation Eine verständliche und feste Stimme muss nicht laut sein. © Picture-Factory - Fotolia.com

Der wichtigste Grund, sich mit der Artikulation zu beschäftigen, ist, dass man nicht oder nur schlecht verstanden wird. Das kann zum einen an der Lautstärke liegen, zum anderen aber auch an einer ungünstigen Aussprache. Ein weiterer Grund zugunsten von einem Training der Artikulation könnte sein, dass man mit besserer Aussprache besser „rüber“ kommt.

Sie haben alle schon jemanden gesehen und auch gehört, der einfach „die Zähne nicht auseinander kriegt“. Dieser Mensch hat eine Verspannung im Bereich des Kiefers. Die obere und untere Zahnreihe öffnen sich kaum beim Sprechen. Das kann auf andere gehemmt wirken, und zusätzlich wird man schwerer verstanden. Der mit festem Kiefer Sprechende muss mit Zunge und Lippen mehr arbeiten, um die Fehlspannung im Kiefer auszugleichen und den Klang nach draußen zu bringen.

An der Artikulation sind verschiedene „Sprechwerkzeuge“ beteiligt: die Zunge, die Lippen, die Zähne, der Gaumen, das Gaumensegel, das Gaumenzäpfchen, Rachenhöhle und Nasenraum.

All diese Artikulationsorgane sollen ihre Arbeit locker und zugleich gut gespannt verrichten. Ein Beispiel: das Gaumensegel. Wissen Sie, wo das sitzt? Gehen Sie einmal mit der Zunge hinter den oberen Schneidezähnen am Gaumen entlang bis nach ganz hinten, wo der harte Gaumen in den weichen übergeht: Das ist das Gaumensegel. Nun imitieren Sie einen Schnarchlaut. Oder machen Sie Kindern ein Schweinchen nach. Diese Laute werden mit dem Gaumensegel gemacht.

Aber nicht nur die. Sagen Sie einmal: „Ko-, Ko-, Ko-, Ko- Kokosnuss. Beim „K“ gibt es hinten im Rachen einen Verschluss durch das gehobene Gaumensegel. Wenn Sie zu großer Unterspannung neigen, wird Ihr Gaumensegel das „K“ nicht vollendet aussprechen können, sondern es kommt zu einem verhauchten Laut. Sprechstimmbildung arbeitet nun, indem sie die gute Aussprache trainiert, an den inneren Spannungsverhältnissen.

Was hat es denn auf sich mit dem vielgepriesenen Korkensprechen? Ganz einfach, indem man die Artikulation dadurch erschwert, das man einen Korken zwischen den Zähnen hält (Bitte nur ein minimales Stück Korken in den Mund ragen lassen: drei bis vier Millimeter!), hofft man, dass sich das Sprechen ohne Korken dann verbessert. Die Sprechwerkzeuge werden damit trainiert.

Allerdings ist dabei zu beachten: Wenn man den Mund krampfhaft um den Korken schließt, damit er nicht heraus fällt, gibt es eine hohe Spannung in der Kiefermuskulatur. Das soll vermieden werden, der Kiefer soll ja gerade locker öffnen beim Sprechen. Probieren Sie es selbst! Lesen Sie einen Zeitungstext mit dem Korken im Mund. Das Ergebnis mit dem Korken wird Sie bestenfalls erheitern, aber dann im zweiten Durchgang ohne Korken sollten Sie schon eine Verbesserung hören. Machen Sie diese Übung nur ein, zwei Minuten.

Der „Nussknacker“

„Legen Sie den Zeigefinger an die Kinnspitze. Nun drücken Sie mit dem Finger Ihren Unterkiefer an der Kinnspitze nach unten. Erinnern Sie sich noch an die alten Nussknackerfiguren vom Weihnachtsmarkt?

Nun positionieren Sie drei Fingen hochkant zwischen Ihren Vorderzähnen – ja, so weit lässt sich Ihr Mund öffnen!“

Das „Gesichtschütteln“

Beugen Sie den Kopf ein wenig nach vorne und schütteln Sie ihn schnell von rechts nach links und zurück, immer wieder. Entspannen Sie Ihre Gesichtsmuskulatur so weit, dass Lippen und Wangen „schlabbern“. Jetzt können Sie dazu noch einen Ton geben, ein „Heeeee“ (ähnlich „Hööö“) – es hört Sie ja keiner.

Lippengymnastik

Bilden Sie mit den Lippen abwechselnd ein „u“ und ein „i“. Machen Sie dies stumm, also ohne Ton zu geben. Die Lippen sollten sich rund formen wie zu einem Kussmund beim „u“ und breiter beim „i“. So trainieren Sie die Lippenmuskulatur. Tun Sie das eine Minute lang.

Das Ungeheuer

Ziehen Sie eine grauenhafte Fratze, indem Sie so viele Gesichtsmuskeln wie nur möglich anspannen, Stirn und Wangen in Falten legen, Augen zukneifen, die Lippen hervorstülpen um die herausgestreckte Zunge. Halten Sie dieses Ungeheuer-Gesicht vier Sekunden. Sie können auch diese Anspannung mit einem Ton, etwa einem „Hä!“ begleiten. Dann entspannen Sie und tönen ein erleichtertes „Hu!“

Sie können alle Übungen auch im Unterricht einsetzen. Den Kindern macht es bestimmt Spaß und darüber hinaus tut es auch noch gut!

Dann, als Sprechübung, artikulieren Sie:

Die Kokokokokokosnuss.
Der Kakakakakakadu.
Die Küküküküküsterin.
Die Kukukukukuckucksuhr.
Das Kikikikikiebitzei.

Achten Sie dabei darauf, dass Ihr Gaumen sich weit spannt und die Mundhöhle sich groß anfühlt.

Noch ein paar Zungenbrecher:

  • Am Zehnten Zehnten um zehn Uhr zehn zogen zehn zahme Ziegen zehn Zentner Zucker zum Zoo.
  • Amerikaner kamen nach Kamenz, um Carmen zu umarmen.
  • Auf dem Rasen rasen Hasen, atmen rasselnd durch die Nasen.
  • Zwei Astronauten kauten und kauten, während sie blaugrüne Mondsteine klaubten.
  • Herr von Hagen, darf ich's wagen, sie zu fragen, welchen Kragen sie getragen, als sie lagen krank am Magen in der Stadt zu Kopenhagen.
  • Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen, die sich in die Rippen stippen, bis sie von den Klippen kippen.
  • Lang schwang der Klang am Hang entlang.

Antje Behrens

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