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Lehrergesundheit/Arbeitsschutz

Normalbetrieb an Schulen? Keep safe!

Die Schulen starten wieder im Regelbetrieb – und sehr viele Lehrerinnen und Lehrer machen sich Sorgen um Ihre Gesundheit. Hier ein paar Tipps, wie Sie sich schützen können.

Lehrergesundheit/Arbeitsschutz: Normalbetrieb an Schulen? Keep safe! Masken schützen die anderen vor infektiösen Aerosolen, deshalb sind sie so wichtig © rcfotostock - stock.adobe.com

Wenn die Bundesländer ihre Schulen nach den Sommerferien wieder für den Regelbetrieb öffnen, weiß niemand genau, was passieren wird. Seit der ersten August-Dekade, steigen die Infektionszahlen wieder überall in Deutschland. In der Bevölkerung zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen, was die konsequente Einhaltung der AHA-Regeln (Abstand – Hygiene – Alltagsschutzmasken) betrifft. In Mecklenburg-Vorpommern, dem Land mit dem frühesten Schulbeginn nach den Sommerferien, wurden bereits nach vier Schultagen zwei Schulen wegen Corona-Fällen wieder geschlossen. Und wie die große Zahl von Reiserückkehrern in den ersten Wochen nach den Ferien das Infektionsgeschehen beeinflussen wird, bleibt auch noch abzuwarten. 

Kein Wunder, dass viele Lehrkräfte sich Sorgen um ihre Gesundheit machen, wie auch eine Lehrerbefragung der Gewerkschaft VBE zeigt: Rund ein Drittel an weiterführenden und sogar 43 Prozent an Grundschulen hielten sich bereits zum Zeitpunkt der Befragung (Mai 2020) durch die Hygienemaßnahmen an ihrer Schule für nicht ausreichend geschützt (S. 15). Mit wachsender Schülerzahl in den Schulen steigt natürlich auch das Infektionsrisiko, und für Lehrkräfte wird es schwieriger, sich zu schützen.

Der folgende Beitrag gibt Ihnen dazu einige Praxistipps und Links an die Hand, um die kommenden Wochen und Monate sicher(er) zu überstehen.

Arbeitsschutz: Pflichten des Arbeitgebers

Den Arbeitsschutz regeln eine Vielzahl von landesspezifischen und länderübergreifenden Gesetzen und Verordnungen. Für Nicht-Juristen ist es deshalb schwierig, sich über die Pflichten des Arbeitgebers und über die eigenen Rechte zu informieren. Hier sind Gewerkschaften und Lehrerverbände die richtigen Ansprechpartner für Ihre Fragen und Anliegen. In einigen Ländern bieten diese Interessenverbände auch auf ihrer Website interessante Informationen zum Thema: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern etwa beantwortet hier wichtige Fragen zum Thema Arbeitsschutz. Hier verschaffen Sie sich den schnellen Überblick über die gesetzlichen Grundlagen des Arbeitsschutzes; und vor allem erfahren Sie, welche Pflichten des Arbeitgebers sich daraus ableiten lassen. Das sind neben einer „hinreichenden betrieblichen Arbeitsschutzorganisation“, z. B. mit Hygieneplänen, u. a.: 

  • „Bereitstellung aller notwendigen Materialien für den Arbeitsschutz, also auch Masken,
  • Gefährdungsbeurteilung für alle Arbeitsplätze und Tätigkeiten, im Einzelfall auch für bestimmte Mitarbeitergruppen (Schwangere) oder einzelne Mitarbeiter. 
  • (...)
  • Sicherstellung einer hinreichenden betrieblichen Arbeitsschutzorganisation (...).“

Um sicherzugehen, dass in Ihrer Schule die gültigen Arbeitsschutzmaßnahmen umgesetzt werden, sollten sich Mitarbeiter laut GEW die „Gefährdungsbeurteilung zeigen und erläutern lassen“, mit dem Betriebsarzt „Schutz und individuelle Risiken“ besprechen, und mögliche Missstände mit Betriebs-, Personalrat oder auch Mitarbeitervertretung besprechen. (ebd.)

Konkrete Schutzmaßnahmen in der Gefährdungsbeurteilung

Auf der Website der Gesetzlichen Unfallversicherung dguv steht eine Gefährdungsbeurteilung zum Download, die konkrete Infektionsschutzmaßnahmen für alle Bereiche definiert. Sie differenziert nach drei Stufen – je nach regionalem Infektionsgeschehen von „Notbetreuung“ über „Eingeschränkter Regelbetrieb“ bis zu „Regelbetrieb“ und liefert praktische Hinweise zur Umsetzung.

Die Verantwortung für die Umsetzung der meisten Schutzmaßnahmen trägt die Schulleitung. Doch einiges haben auch Sie als Lehrkraft in der Hand: So entscheiden beispielsweise Sie, in welchen Fällen Sie auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wie intensiv Sie Ihre Schülerinnen und Schüler auf die Einhaltung der AHA-Regeln (Abstand – Hygiene – Atemschutzmasken) einschwören, oder ob Sie die Corona-App nutzen.

Insbesondere bei den Schutzmaßnahmen, die mit Kosten verbunden sind, wie zum Beispiel regelmäßige Testungen, müssen Sie womöglich Überzeugungsarbeit leisten. Falls Sie mit Widerständen der Schulleitung rechnen, suchen Sie vielleicht zunächst Verbündete im Kollegium, Rückhalt bei Personalrat, MAV und Sicherheitsbeauftragten, bevor Sie das Thema bei den Kostenentscheidern in der Schule oder beim Schulträger ansprechen.

Vorsicht: Aerosole

Noch sind das Virus und dessen Infektionswege relativ unerforscht. Hier empfiehlt es sich, aktuelle Entwicklungen laufend zu verfolgen, denn oft verschieben sich durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse auch die Prioritäten beim Infektionsschutz.

Beispiel: die Übertragung durch kleintröpfige Aerosole. Diese feinen „Schwebeteilchen mit Viruslast“ bleiben in geschlossenen Räumen „lange in der Luft“ und spielen bei der Übertragung des Virus „eine wichtige Rolle“, wie Prof. Christian Drosten im Interview mit dem Deutschlandfunk betont. Das Problem: Dieser Übertragungsweg kristallisierte sich erst in den letzten Wochen heraus. Und die Hygienemaßnahmen in den Schulen fokussieren derzeit auf Tröpfcheninfektion (Stoß-Lüften, Abstand und Mund-Nasen-Schutz) sowie auf die Vermeidung von Schmierinfektionen durch häufiges Desinfizieren von Oberflächen und Gegenständen. Bei Aerosolen hingegen hilft selbst Stoßlüften nur bedingt: „Wenn es denn so ist, dass ein Virus in der Raumluft steht, dann muss diese Raumluft natürlich bewegt werden und herausbefördert werden. Das heißt, man macht das Fenster auf, setzt da einen großen Ventilator rein, der die Luft nach draußen bläst, und macht die Tür einen Spalt auf“, so Drosten. 

Stoßlüften plus Ventilator ist also geboten, umso mehr, als die Gefahr einer Übertragung durch Aerosole nach derzeitigem Kenntnisstand mindestens ebenso groß ist wie eine Ansteckung durch die größeren Tröpfchen. Eher überschätzt wurde hingegen anfangs die Gefahr durch Schmierinfektionen. Deshalb rät Christian Drosten, sich „im Alltag (...) eher vielleicht aufs Lüften [zu] konzentrieren und weniger auf das ständige Wischen und Desinfizieren.“

Regelmäßige Tests anstoßen

Rund 75 Prozent der Lehrkräfte in der eingangs verlinkten VBE-Befragung „würden gerne – freiwillig – regelmäßig auf das Corona-Virus getestet werden“ (Studie, S. 18). Auch Christian Drosten plädiert in Gespräch mit dem DLF dafür, dass „jeder besorgte Lehrer, der auch vielleicht keine Symptome hat, (...) einmal pro Woche getestet werden“ darf, „als Beruhigungs- oder auch Service-Funktion an dieses sehr wichtige Personal.“

Wenngleich Tests kostspielig sind, bieten doch immer mehr Länder für Unterrichtende im Regelbetrieb kostenlose Tests an: Derzeit (Stand 10.08.2020) können sich Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg Vorpommern und Hessen bis zu den Herbstferien alle 14 Tage testen lassen. – Vermutlich werden weitere Länder folgen, denn nach Auftreten der ersten Corona-Fälle wenige Tage nach Aufnahme des Regelbetriebs in Mecklenburg-Vorpommern wächst auch in anderen Ländern die Angst vor erneuten Schulschließungen.

Martina Niekrawietz

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