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Prävention

Online-Gesundheitstraining gegen Stress

Depresssion, Burn-out oder Angstattacken — Lehrer tragen ein erhöhtes Risiko, psychisch zu erkranken. Online-Trainings fördern die Lehrergesundheit und helfen, stressbedingten Gesundheitsproblemen aktiv vorzubeugen.

Prävention: Online-Gesundheitstraining gegen Stress Selbst eine kleine Entspannung zwischendurch baut Angespanntheit ab und dient der Gesundheit © STUDIO GRAND OUEST - Fotolia.com

Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung tun Lehrer viel für ihre Gesundheit: Sie sind sportlicher, haben seltener Übergewicht und rauchen nur halb so oft. Außerdem lassen sie sich im Vergleich zu Angehörigen anderer Berufsgruppen weniger oft krankschreiben. Auch die krankheitsbedingten Frühpensionierungen sind rückläufig. „Jedoch: Die Pädagogen erkranken häufiger an Burn-out und psychischen Krankheiten als der Rest der Bevölkerung“, so fasst Anne Höhl in der Süddeutschen Zeitung die Ergebnisse einer Bestandsaufnahme zur „Lehrergesundheit“ zusammen, die im Deutschen Ärzteblatt 2015; 112(20) erschienen ist.

Die Autoren der Forschungsarbeit werteten zahlreiche Studien sowie Daten der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Dabei kristallisierten sich „unabhängig von der Schulart“ typische psychosomatische Beschwerden bei Lehrern heraus: „Erschöpfung und Müdigkeit, Kopfschmerzen, Angespanntheit, Antriebslosigkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, innere Unruhe oder erhöhte Reizbarkeit“ (Dt. Ärzteblatt, Link s. o., S. 349). Naturgemäß tauchen stressbedingte gesundheitliche Probleme genau dann auf, wenn die nächsten Ferien noch weit entfernt und die Belastungen in der Schule am größten sind.

Spätestens dann sollten Lehrer gezielt Strategien zur Stressbewältigung entwickeln, um Burn-out und Depressionen vorzubeugen. Mit den Online-Gesundheitstrainings „GET.ON“ der Leuphana-Universität Lüneburg geht das schnell und unkompliziert.

Differenzierte Trainings je nach Problemlage

Ein erhöhter Stresspegel wirkt sich bei jedem Menschen anders aus: Manche schlafen schlecht, andere leiden unter depressiven Verstimmungen, unter Erschöpfung oder unter Panik- oder Angstgefühlen. Unterschiedliche Trainings fokussieren genau auf diese Themenbereiche. Andere wiederum behandeln beipielsweise den Umgang mit kontraproduktiver Selbstkritik, Prokrastination oder übermäßigen Alkoholkonsum. Ein weiteres Training widmet sich dem Thema „Systematisches Problemlösen“. Das Stressbewältigungstraining „GET.ON Fit im Stress“ ist „das derzeit best-evaluierte Online Stressbewältigungstraining weltweit und erfüllt nach § 20 und § 20a SGB V die Kriterien, als Primärprävention durch die gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst zu werden“, versichern die Psychologen des GET.ON Instituts auf ihrer Website.

Stress-Selbsttest mit Handlungsempfehlungen

Welche Maßnahme, welches Training ist wann angezeigt? Diese Frage beantwortet ein kurzer Stress-Selbsttest. Er ermittelt zunächst, in welchem Ausmaß gesundheitsgefährdender beruflicher Stress vorliegt. Anschließend wird abgefragt, „welche gesundheitlichen Folgen von Stress (…) im Vordergrund stehen“: depressive Erschöpfung?, Schlafbeschwerden?, Anspannung und allgemeiner Stress? – Der User bekommt jeweils direkt nach Beantwortung der kurzen, klar formulierten Multiple-Choice-Fragenkataloge ein fundiertes Feedback mit Handlungsempfehlung und weitergehenden Informationen (Links, Broschüren etc.). Gibt es beispielsweise Hinweise auf eine „deutlich reduzierte Stimmungslage“ oder auf eine Depression, empfehlen die Psychologen als vordringliche Maßnahme ein Gespräch mit dem Hausarzt, „wenn die Beschwerden weiter anhalten“ oder die Testperson sich in ihrer „täglichen Lebensführung merklich eingeschränkt“ fühlt.

Weiterführende Hinweise:

Auch die VTON — Verhaltenstherapie Online GmbH bietet psychologisch fundierte E-Health-Online-Seminare zur Stressbewältigung und Burnout-Prävention an. — Für DAK-Mitglieder kostenfrei.

Weitere evaluierte Stresspräventionsprogramme stellt die DGPs auf ihrer Website vor.

Ein vertrauenswürdiges, fundiertes Kursangebot oder nicht? Das erkennen Sie zum Beispiel an dem Prüfsiegel der Zentralen Prüfstelle Prävention, die E-Health-Kursangebote „kassenartenübergreifend“ nach § 20 Abs. 1 SGB zertifiziert.

Ergibt der Test keine oder nur leichte gesundheitliche Beschwerden, ist das Training nicht indiziert, was unmissverständlich aus dem Feedback hervorgeht. Da heißt es dann zum Beispiel: „Sie scheinen insgesamt mit einem guten Schlaf beschenkt zu sein, auch wenn vereinzelt leichte Schlafprobleme vorliegen. Diese Schlafprobleme liegen aber deutlich unterhalb der Schwelle, bei der wir das GET.ON Regenerationstraining zur Verbesserung des Schlafes empfehlen.“ Daran schließt sich noch ein Download-Link mit „einfachen Tipps für einen erholsamen Schlaf“ an, auch hier wieder mit Handlungsempfehlung: „Wählen Sie sich 1–3 Tipps aus, die Sie mindestens 2 Wochen konsequent ausprobieren. Wenn nötig nehmen Sie dann wochenweise weitere Tipps hinzu, bis Ihr Schlaf sich ausreichend verbessert hat.“

Die Arbeit mit den Trainingsprogrammen

Internetbasierte Gesundheitstrainings haben viele Vorteile: Die Anwender müssen nicht lange auf einen Termin bei einem Psychotherapeuten warten, sie trainieren selbstständig, in ihrem eigenen Tempo und flexibel, wo und wann sie möchten. Auch erfolgt die Teilnahme anonym – ein wichtiges Argument für manche Lehrer, etwa wenn sie kurz vor der Verbeamtung stehen.

Vorgesehen sind pro Woche ein bis zwei Trainingseinheiten von 45 bis 60 Minuten. Beim Stresstraining sind das insgesamt sieben Einheiten. Hinzu kommen vertiefende Übungen zwischen den Trainingseinheiten, die maßgeblich zum Behandlungserfolg beitragen.

Kurze Videos auf der GET.ON-Website stellen Inhalte und Intention der wichtigsten Onlinetrainings vor. Bei „FIT im Stress“ etwa geht es darum, Kraftressourcen zu mobilisieren, indem erholsame Aktivitäten nachhaltig in den Alltag integriert werden. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist ein „bewährter 6-Schritte-Plan“ zur systematischen Lösung von beeinflussbaren Problemen. Nicht alle Stressoren sind steuerbar. Deshalb vermittelt das Training auch Strategien zum Umgang mit „schwierigen Gefühlen“ und Tipps zur Entspannung, um mit unabänderlichen Stresssituationen besser umgehen zu können.

„eCoaching“: Online-Training mit psychologischer Begleitung

Dabei setzt das Entwicklungsteam der GET.ON-Trainings auf kognitiv-verhaltenstherapeutische Techniken, die sich bereits seit Jahrzehnten bewährt haben, z. B. auf kognitive Umstrukturierung bei der Prävention von Depression. Dabei lautet die Kernfrage: Wie kann ich mit meinen Gedanken anders umgehen, „dass sie weniger belastend für mich sind und dass tatsächlich weniger depressive Gefühle entstehen", erläutert Dr. David Ebert in Deutschlandradio Kultur.

Ein Mix von Informationstexten, Video- und Audio-Dateien, emotional aktivierenden Bildern, Schreib- und Reflexionsaufgaben sorgt für Abwechslung
Anders als bei einer Face-to-face-Therapie ist es beim internetbasierten Training gar nicht so einfach, sich zu disziplinieren und wirklich „dranzubleiben. Deshalb ist es möglich, die Trainings auch mit Begleitung durch einen Psychologen zu buchen. Dieser „eCoach“ „gibt ganz individuell Rückmeldung, ermuntert und motiviert“, so David Ebert im Deutschlandradio (Link s. o.). Damit das gelingen kann, führen die Teilnehmer ein Tagebuch, das der professionelle Begleiter einsehen kann. Mit seinem Feedback hilft er den Teilnehmern außerdem, „die Methoden richtig anzuwenden“ und das Gelernte im Alltag zu verankern.

Stressbeschwerden werden reduziert, Kompetenzen gestärkt

„Anders denken, freudige Erlebnisse schaffen, Sozialkontakte pflegen, auf seine Gefühle achten, gut schlafen“, nach der Arbeit besser abschalten — all das lässt sich mit dem internetbasierten Training anstoßen. Eine Psychotherapie ersetzt das aber nicht, betont Dr. David Ebert in Deutschlandradio Kultur ausdrücklich. (Ebd.)

Die Evaluationsergebnisse beweisen jedoch, dass das Training in der begleiteten Version gute Effekte erzielt: In mehreren Studien zeigte sich eine mittlere „bis starke Reduktion von Stressbeschwerden sowie Symptomen von Depression, Angst, Emotionaler Erschöpfung, Schlafbeschwerden und Grübeln“, heißt es auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs). Bei den Teilnehmern zeigte sich eine „hohe Trainingszufriedenheit und gute Adhärenz“. Die emotionalen Kompetenzen wurden gestärkt und es gelang den Probanden besser, sich von der Arbeit zu distanzieren und Freizeit und Arbeitsengagement zu trennen. Nachweislich wirksam auch noch sechs Monate nach Abschluss des Kursprogramms.

Martina Niekrawietz

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