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Gesundheitsförderung

Schulprojekt: Eltern und Schüler für Gesundheit sensibilisieren

Gesundheitserziehung der Schüler greift nur, wenn auch die Eltern mit eingebunden werden. Ein Schulprojekt zeigt, wie alle — Eltern, Schüler und Lehrer — sich aktiv dafür einsetzen, gesundheitsbewusster zu leben.

Gesundheitsförderung: Schulprojekt: Eltern und Schüler für Gesundheit sensibilisieren Gesunde Ernährung als Aufgabe der Schulgemeinde: mit einem gemeinsamen Frühstück und Mittagessen, das selbst zubereitet wurde © Africa Studio/Shutterstock.com

Der Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit ging im August 2018 durch alle Medien. Die Quintessenz: Kinder bildungsarmer Eltern sind bis zu dreimal häufiger von bestimmten Krankheiten, insbesondere Karies, Übergewicht und Sprachstörungen betroffen.

Die Tagesschau der ARD lässt in der Sendung vom 28.08.2018, 20:15 Uhr, Kinderarzt Jakob Maske aus Berlin-Schöneberg zu Wort kommen, der Kinder aus allen Bildungsschichten betreut. Auch er stellt immer wieder fest, „die dickeren Kinder, die mit den schlechteren Zähnen, kommen häufiger aus den bildungsfernen Elternhäusern“. Eltern, die sich nicht so gut verständigen können und zum Beispiel bei schriftlichen Entschuldigungen für die Schule Hilfe bräuchten, würden auch nicht verstehen, dass etwa krankhaftes Dicksein bei ihrem Kind auch in späteren Jahren Krankheiten verursacht.

Gesundheitserziehung sollte also im Idealfall mehrgleisig erfolgen und sich nicht nur an die Schüler, sondern auch an ihre Eltern richten. Wie das in einer Grundschule in Berlin-Neukölln gelingt, zeigt der folgende Beitrag.

Best Practice: Eine Schule in Berlin-Neukölln wird aktiv

Im Berliner Bezirk Neukölln leben viele Menschen mit Migrationshintergrund (43,9 Prozent, Quelle: Wikipedia, Stand 2016) und ohne Arbeit (17,1 Prozent, ebd.). Mitten in diesem Berliner „Problembezirk“ liegt die Theodor-Storm-Grundschule, deren Kollegium sich im Bereich Gesundheitsförderung auf vielfältige Weise engagiert.

Bewegung spielt eine Schlüsselrolle innerhalb und außerhalb der Unterrichtszeiten: Neben dem Sportunterricht gibt es mehrere Turniere und Wettkämpfe während des Schuljahres, „z. B. Hochsprung-, Zweifelderball- und Fußballturnier, Bundesjugendspiele“, und auch die Pausen „werden für Bewegungsspiele genutzt“ (vgl. unter dem Menüpunkt „Unterricht — Bewegung“). Nachmittags stehen den Schülern weitere attraktive Sportangebote wie Ringen, Fußball oder Spanischer Tanz offen.

Mithilfe von „zielgerichteten Projekten und in Form von Arbeitsgemeinschaften“ fördert die Schule das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung bei Kindern und Eltern: Täglich bietet die Schule für ca. 30 Kinder ein gesundes Frühstück an, das die Eltern gemeinsam mit einer „versierten Küchenkraft“ zubereiten (vgl. unter dem Menüpunkt „Unterricht — Ernährung“). Dabei werden auch die Essensgewohnheiten der Kinder „abgefragt“ — und vermutlich bekommen die Eltern hier auch probate Tipps für eine Veränderung ungesunder Essgewohnheiten.

Bei regelmäßigen Kochkursen bereiten die Kinder warme Mahlzeiten zu und sprechen dabei über „die Zusammenhänge von Ernährung, körperlichem Wohlbefinden und Konzentration“ (ebd.). Bei „Gesundheitspräventionsworkshops“ mit ernährungspädagogischem Fokus lassen sich zudem gezielt bestimmte Themen wie Zahngesundheit, Übergewicht etc. ansprechen. Auch Entspannungs- und Konzentrationsübungen und die Verbesserung des Körpergefühls stehen dabei auf dem Programm.

Zusammenarbeit mit externen Partnern und Sponsoren

Eine umfassende Gesundheitserziehung mit und für Kinder und Eltern erfordert zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen. Doch die fehlen in der Regel gerade an Schulen in sozialen Brennpunkten, wo doch gerade dort gesundheitsförderliche Maßnahmen am wichtigsten sind.

Das Kollegium der Theodor-Storm-Grundschule arbeitet deshalb eng mit dem „Quartiersmanagement Donaustrasse-Nord“ (QM) zusammen. Die mit öffentlichen Geldern geförderte Einrichtung zur Stadtteilentwicklung unterstützt mit dem Projekt „fitte.Kids“ [sic!] „Kinder und Eltern in der täglichen Gesundheitsorientierung und begleitet sie auf dem Weg zu einer gesunden Lebensweise“ (ebd.). Schule und QM bauen gemeinsam Kiezkooperationen mit lokalen Lebensmittelhändlern und weiteren Akteuren auf und versuchen, diese als dauerhafte Sponsoren zu gewinnen. Viele Bewohner im Viertel engagieren sich ebenfalls „als ehrenamtliche Helfer oder Multiplikatoren“.

Auch überregionale Projekte nimmt die Schule in Anspruch: Seit dem Schuljahr 2010/2011 nehmen die jahrgangsübergreifenden Klassen am deutschlandweiten Projekt „Klasse“ 2000“ teil: Dabei übernimmt eine ausgebildete „Gesundheitsförderin“ den Unterricht in den Klassen, und die „Materialien, CDs, Arbeitshefte und vieles mehr werden von Paten gesponsert“. — So geht ressourcensparende Gesundheitserziehung: Der Aufwand für die Schule beschränkt sich auf die Anmeldung zum Projekt und auf die Suche eines Paten, der die Teilnahme mit einer Spende von derzeit 220 € pro Klasse und Schuljahr ermöglicht. Lehrkräfte und Schulleitung können ihre Kapazitäten für den eigentlichen Unterricht und für zusätzliche Fördermaßnahmen einsetzen.

Martina Niekrawietz

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