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Schülergesundheit

Schulstress? — Macht euch locker!

Kinder und Jugendliche fühlen sich zunehmend durch Schule und Alltag gestresst. Diesem Stress kann man durch eine gezielte Intervention begegnen: Wer weiß, wie er Stress umgehen oder abbauen kann, lernt entspannter und gesünder.

Schülergesundheit: Schulstress? — Macht euch locker! Gestresste Schüler können schlecht lernen. Umso wichtiger ist es, die Stressoren abzubauen © pictworks - Fotolia.com

„Die Kinder haben heutzutage weniger Unterrichtsstunden, sie haben weniger durch den Lehrplan vorgegebene Inhalte“, sagt Josef Kraus, der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands in einem Video auf der Website der WELT. Er kann „nicht nachempfinden, wo da der Stress sein soll“. Kraus führt das Stressproblem eher auf die Eltern zurück, die in Schule und Freizeit zu viel von ihren Kindern erwarten. Besonders Eltern in der mittleren und unteren Mittelschicht spornten ihre Kinder vermehrt an, schreibt Inga Michler in der WELT (Link s. o.), und auch in Ein-Kind-Familien sei der Druck besonders hoch.

Ob Kinder und Jugendliche das Stresserleben der Eltern internalisieren oder durch ihre eigenen hohen Leistungsansprüche unter Druck geraten, ist im Grunde unerheblich. Laut einer aktuellen Studie der DAK (vgl. dazu den unten verlinkten Beitrag „Stress macht fast jeden zweiten Schüler krank“) fühlen sich 43 Prozent der Schüler oft oder sehr oft gestresst. — Das sind in einer neunten oder zehnten Klasse mit 25 Schülern 10 Jugendliche. Viele der Betroffenen leiden auch häufig an stressbedingten somatischen Beschwerden wie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen oder Schlafstörungen und Schwindel. Hinzu kommt, dass übermäßiger und dauerhafter Stress das Lernen und den Abruf von Gelerntem in Prüfungssituationen behindert.

Doch wie senkt man sein Stress-Level? Welche Verhaltensweisen sind mit Blick auf das Stressempfinden förderlich und welche kontraproduktiv? Der folgende Beitrag gibt Ihnen Materialien und Konzepte an die Hand, um Ihren Schülern Strategien zum Stressabbau zu vermitteln.

Ein Stress-Test zum Einstieg

Wer lernen will, Stress abzubauen, ergründet am besten zunächst das eigene Stresserleben. Im Internet gibt es dazu zahlreiche Online-Tests, die unterschiedliche Aspekte abfragen. Der „Stress-CheckUp“ [sic!] der Techniker-Krankenkasse etwa fokussiert besonders auf stressbedingte somatische und psychische Beschwerden und Dispositionen, aber auch auf Leistungs- und Konzentrationsstörungen u. Ä.

Auch Werner Stangl, Pädagoge und Psychologe an der Universität Linz, hat einen Stress-Test entwickelt. Dabei geht es darum, die eigenen Lebensgewohnheiten vor „dem Hintergrund möglicher Stressfaktoren reflektierend zu betrachten“, wie der Autor auf seiner Website erläutert. Wer den Test absolviert hat, kann sein Ergebnis mit der durchschnittlichen Stressbelastung von Menschen in einer ähnlichen beruflichen Situation vergleichen.

Werner Stangl schlägt übrigens auch einen 60-Sekunden-Stress-Test vor, den ein US-amerikanischer Zeitmanagement-Coach konzipiert hat. Der Test könnte auch direkt am Anfang der Stunde erfolgen und hat dann auch gleich den Vorteil, dass die Schüler von der ersten Minute an sofort bei der Sache sind: Jeder legt vor sich eine Uhr mit Sekundenzeiger, schließt die Augen und macht sie erst wieder auf, wenn vom subjektiven Zeitempfinden her eine volle Minute um ist. Sind weniger als 55 Sekunden verstrichen, zeigt der Proband „Symptome der so genannten Zeitmangelerkrankung (...)“. Je weniger Zeit verstrichen ist, desto gehetzter fühlt er sich.

Weiterführende Hinweise:

„Stress nicht als Katastrophe erleben“, das ist das grundlegende Ziel des Antistress-Trainingsprogramms „SNAKE“, das von der Abteilung für Psychologie an der Universität Bielefeld entwickelt wurde. Das Webangebot vermittelt Jugendlichen Strategien, um Stress und Probleme systematisch zu bewältigen.

Schon in der vierten Klasse vor dem ersten Schulübergang ist das Leben der Kinder durch die Leistungsansprüche der Eltern fremdbestimmt und stressig, wie die Dokumentation „Das Jahr der Entscheidung“ aus der ZDF-Reihe „37 Grad“ eindrücklich zeigt.

Wie wirkt sich Stress im Körper aus? Warum macht er krank? Das Magazin „W wie Wissen“ erklärt das Phänomen in einem zweieinhalb-minütigen Animationsfilm.

Moderater Stress wirkt sich positiv auf das Lernen aus. Warum das so ist, erläutert der Neurowissenschaftler Hans J. Markowitsch auf der Website dasgehirn.info.

Die Schüler da abholen, wo sie stehen, Lern- und Arbeitstechniken vermitteln, Rhythmisierung des Schulalltags — die Broschüre „Schulstress muss nicht sein!“ zeigt, wie Lehrer bei ihrer Unterrichtsgestaltung Druck ‘rausnehmen können.

Stressoren erkennen, Stressbelastung wahrnehmen

„Die effizienteste Form des Stressmanagements ist, die Ursache von Stress abzustellen oder zumindest den Berührungspunkt mit dem Stressor“, schreibt Stangl auf der Auswertungsseite zum Stressfaktoren-Test (Link s. o.). Wichtig ist es für die Schüler natürlich zunächst, ihre persönlichen Stressoren zu identifizieren.

Meist handelt es sich dabei um spezifische Situationen (Konflikte mit den Eltern, Prüfungen) und persönliche Dispositionen (Perfektionismus, Angst vor sozialer Ablehnung etc.): Auf feel-ok.ch, einem Schweizer Internetportal zur Förderung der Gesundheitskompetenz bei Jugendlichen, findet sich dazu ein weiterer Test, der die Schüler für solche typische Stress auslösende Konstellationen sensibilisiert.

Um zu ergründen, wann, wodurch und wie sehr die Schule zur Stressbelastung beiträgt, führen die Schüler am besten für einige Tage ein „Schulstressprotokoll“ und bewerten den erlebten Stress auf einer Skala von „gering“ bis „sehr stark belastend“. Vordrucke dazu finden sich im Schulportal der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, die zum Thema „Umgang mit Schulstress“ eine Unterrichtseinheit mit direkt übernehmbaren Materialien zur Verfügung stellt.

Die Ergebnisse dieser Beobachtungsphase könnten dann auf einem Klassen-Stressbarometer grafisch dargestellt werden: „Von Stegreifarbeiten fühlen sich 25 Prozent der Klasse stark oder sehr stark belastet, von Hausaufgaben 30 Prozent, von Aufregung vor Klassenarbeiten 32 Prozent ...“ usw.

Ernährung, Bewegung und gesunder Schlaf

Stresserfahrene Schüler haben in der Regel auch bereits Taktiken entwickelt, um Stress abzubauen. Auf dem Arbeitsblatt „Was tut mir gut?“ (Arbeitsblatt 3 im oben verlinkten Unterrichtspaket „Umgang mit Schulstress“) notieren die Schüler ihre individuellen Wege aus dem Stress und präsentieren ihre Vorschläge anschließend im Plenum. Möglicherweise nennen die Jugendlichen dabei auch eher stressförderliche Maßnahmen, wie zum Beispiel Computerspiele, Süßigkeiten, Alkohol etc. — Das leitet zu einem anderen wichtigen Aspekt über: zu einer gesunden Lebensweise.

Das Bayerische Verbraucherportal VIS widmet dem Thema „Entspannt essen im Stress“ ein ausführliches Dossier. Stress-Esser und Stress-Hungerer, Heißhunger-Attacken, Vitamine als Stresspuffer, Gelassenheit durch Kohlenhydrate — hier finden Lehrer und Schüler verlässliche „unabhängige“ und „wissenschaftsbasierte Informationen“ und Tipps, wie man den Stresspegel durch Essen und Trinken senken kann.

Auch Sport fungiert als Stressventil. Warum, erklärt die Österreichische Zeitschrift „Medizin populär“ in einfachen Worten: „In jeder Stresssituation werden binnen Sekunden die Hormone Adrenalin, Noradrenalin, Insulin und Cortisol frei und bereiten uns auf Kampf oder Flucht vor. Werden die Stresshormone nicht durch Aktivität abgebaut, zirkulieren sie im Körper, belasten den Organismus und können auf Dauer krank machen.“ — Bei der Auswahl der richtigen Sportart „für Rastlose“, „Zornpinkerln“, Teamplayer, eher introvertierte Schüler etc. helfen gezielte Vorschläge.

Ein erholsamer Schlaf ist die Basis für Ruhe, Ausgeglichenheit und Leistungsfähigkeit in der Schule. Vermutlich wird den wenigsten Schülern bekannt sein, dass Fernseher, Handys, Laptops und andere Geräte mit Displays Schlafstörungen bedingen (Blaues Licht macht wach!), ebenso wie Alkohol am Abend. Gute Tipps zur Verbesserung der Schlafqualität finden sich auf der Website feel-ok.ch (Link s. o.).

Entspannung gegen akuten Stress

Einfache Entspannungstechniken helfen den Schülern, Prüfungsangst zu reduzieren und den Akku neu aufzuladen. Auch hierzu finden die Schüler einfach erklärte Übungen auf der Website feel-ok.ch. Praktisch ist dabei, dass man die meisten davon auch „ganz unauffällig“ auf seinem Platz im Klassenzimmer oder im Schulbus anwenden kann.

Bei der Reise durch den Körper beispielsweise stellt man sich vor, wie eine kleine Lichtkugel vom Kopf aus durch den Körper wandert. Die Übung „Was spüre ich?“ ist eine vereinfachte Form der progressiven Muskelentspannung. Weitere Übungen fördern die Selbstberuhigungskompetenz der Schüler unter besonders großer Anspannung, zum Beispiel kurz vor Beginn der Prüfung oder beim Warten, bis man drankommt.

Dazu und zu vielen weiteren Übungen gibt es Audiodateien und Videos, mit denen sich die Techniken auch autodidaktisch erlernen lassen. Hier könnte die Lehrkraft einige geeignete Maßnahmen auswählen. Die Schüler befassen sich mit einzelnen Übungen, die sie dann in einem praktischen Teil ihren Mitschülern vermitteln.

Mehr Planung — weniger Stress

Auch ein Crashkurs in Zeitmanagement findet sich auf feel-ok.ch (Link s. o.): Die Autoren der Website erläutern bewährte Strategien wie Ist-Analyse, Priorisierung, Salami-Taktik oder Paretoprinzip so, dass die Kids die Vorschläge direkt umsetzen können.
Am effektivsten ist es aber sicher, rechtzeitig mit dem Lernen zu beginnen. Doch viele Schüler sind damit überfordert, einen Lernplan für Prüfungen mit umfangreicherem Stoff zu erstellen und brauchen Hilfestellung. Hier könnte die Lehrkraft die Jugendlichen unterstützen. Das erforderliche Handwerkszeug lässt sich am besten bei Prüfungsvorbereitungen erlernen, die ein kleineres Pensum erfordern. Für Prüfungen mit umfangreicherem Stoff könnten dann Richtpläne ausgegeben werden, die auch Pufferzeiten für Unvorhergesehenes berücksichtigen und genügend Raum bieten sollten, um Wissenslücken zu schließen.

Reden hilft: Chatten mit Experten

Wenn uns alles über den Kopf wächst, hilft oft nur eines: mit jemandem darüber reden, der „Ahnung“ hat. Hier ist das Online-Beratungsangebot der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. für Jugendliche eine empfehlenswerte Adresse. Erfahrene Beraterinnen und Berater unterstützen die Kids per E-Mail oder in Einzelberatungen im Chat. Bei Gruppen- oder Themenchats und im Forum kommen stressgeplagte Jugendliche auch mit Gleichaltrigen in Kontakt, die ähnliche Probleme haben. Alles im geschützten Raum, kostenfrei und anonym.

Martina Niekrawietz

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