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Gesundheitsvorsorge

So erkennen Sie Depressionen bei Ihren Schülern

Auch Kinder leiden schon unter Depressionen. Es gibt Warnsignale, auf die Lehrkräfte achten können, um diesen Schülern frühzeitig gemeinsam mit deren Eltern und Ärzten helfen zu können.

Gesundheitsvorsorge: So erkennen Sie Depressionen bei Ihren Schülern Wenn Kinder sich zurückziehen und traurig wirken, sollten Lehrpersonen aufmerksam werden © vejaa - stock.adobe.com

„Manche machen das sicherlich, weil sie keinen Bock mehr auf ihr Leben haben ... Ja, ich hatt‘ ja selber schon mal ein Messer vor mir und wollt‘ zustechen, weil ich kein’ Bock mehr darauf hatte. Dann aber ... hab‘ ich nicht gemacht, weil ... ist sicher blöd ... ich will ja einfach gar nicht sterben“, sagt Luis. – „Ich will ja einfach gar nicht sterben“ ist auch der Titel des Dokumentarfilms über Depressionen bei Kindern von Andrea P. Dubois. Der Betrachter des Films ahnt schnell, dass es gar nicht so einfach ist, die seelische Krankheit zu erkennen: Luis ist ein intelligenter Junge, er wirkt auf den ersten Blick und auch im Umgang mit Gleichaltrigen eher lebhaft und selbstbewusst. Doch wenn der Zehnjährige im Film über seine Gefühle spricht, merkt man sofort, wie traurig, verzweifelt und wütend Luis eigentlich ist.

Depression: zwei betroffene Kinder pro Schulklasse

Vielen Kindern geht es wie Luis, das bestätigt auch der aktuelle Kinder- und Jugendreport, den die Krankenkasse DAK im November 2019 veröffentlichte: Demnach zeigt jedes vierte Schulkind psychische Auffälligkeiten, und bei etwa zwei Prozent der Schüler liegt explizit die Diagnose Depression vor. 

Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, hält das jedoch nur für „die Spitze des Eisbergs“, und spricht von einer hohen Dunkelziffer (vgl. dazu das Bildungsmagazin News4Teachers vom 23.11.2019). Das bestätigt auch der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Ulrich Hegerl: „Wir gehen von etwa zwei betroffenen Kindern pro Schulklasse aus“, sagt der Psychiater in dem Artikel (Link s. o.). – Eine hohe Zahl und eine große Verantwortung für Sie als Lehrkraft.

Anzeichen für Depression

Um Anzeichen für eine beginnende Depression bei Schulkindern zu entdecken, muss man sehr genau hinsehen: Die Krankheit „tritt selten plötzlich auf, meist ist der Verlauf schleichend“, so Monika Dollinger in ihrem Beitrag „Wie man eine Kinderdepression erkennt“ auf der Website der Sendung „Gesundheitsgespräch“ des Hörfunksenders Bayern 2. Erste Hinweise könnten nachlassende Schulleistungen, „Rückzugsverhalten und eine zunehmende Teilnahmslosigkeit“ sein. Auch das äußere Erscheinungsbild verändere sich: Die Gestik werde „weniger ausdrucksvoll“, der Gesichtsausdruck sei „manchmal wie erstarrt“, und oft ließe sich an der Körperhaltung die gedrückte Stimmung der Kinder ablesen, etwa an ihren hängenden Schultern.

Doch entwickelt ein Kind tatsächlich eine Depression oder ist es einfach nur traurig? Das hängt von „Dauer, Häufigkeit und Intensität der Symptome“ ab, betonen die Autoren der Website „Kinder- und Jugendärzte im Netz“. – Noch eine Schwierigkeit beim Erkennen der Krankheit.

Unterschiedliche Symptome – je nach Lebensalter

Wie genau sich eine Depression zeigt, kann von Fall zu Fall sehr verschieden sein: Unterschiedliche Ausprägungen und häufige Kombinationen mit weiteren psychischen Erkrankungen erschweren eine Diagnose noch zusätzlich. 

Trotzdem gibt es altersabhängige „Besonderheiten in der Symptomatik von Depression“, die Sie auf der Website der „Deutschen Depressionshilfe“ im Überblick sehen:

Während etwa Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren Traurigkeit eher gestisch, mimisch und körpersprachlich zeigen, können ältere Schulkinder zunehmend über ihre Gefühle sprechen. Und während Ängstlichkeit auch schon bei den Jüngeren erkennbar ist, treten bei Kindern zwischen 6 und 10 Jahren manchmal auch Zukunftsangst, „unangemessene Schuldgefühle und unangebrachte Selbstkritik“ auf. In beiden Altersgruppen kann die Freude an Bewegung fehlen und auch von Schlafstörungen sind Kinder beider Altersgruppen betroffen. Suizidgedanken treten jedoch laut Deutscher Depressionshilfe eher mit zunehmendem Alter (6 bis 12 Jahre) auf.

Schüler mit erhöhtem Risiko für Depressionen

„Bestimmte Schulkinder haben ein stark erhöhtes Risiko für eine Depression“, sagt DAK-Vorstandschef Storm auf der Website zum Kinder- und Jugendreport (Link s. o.). Die DAK-Analyse offenbart „erstmals auf Basis von Abrechnungsdaten, wie stark bestimmte Faktoren die Entwicklung eines Seelenleidens beeinflussen“. Besonders gefährdet sind demnach:

  • Kinder mit einer chronischen körperlichen Erkrankung (4,5-fach erhöhtes Depressionsrisiko),
  • Kinder mit einer Angststörung (3-fach erhöhtes Depressionsrisiko),
  • Kinder mit krankhaftem Übergewicht (2,5- bis 3-fach erhöhtes Depressionsrisiko),
  • Kinder mit häufigen Rücken-, Kopf-, Bauch- oder Beckenschmerzen (2- bis 2,5-fach erhöhtes Depressionsrisiko), 
  • Kinder seelisch kranker Eltern (3-fach erhöhtes Depressionsrisiko) und
  • Kinder suchtkranker Eltern (2,4-mal häufiger) (ebd.).

Natürlich obliegt die Diagnose einer Depression einem Kinderarzt oder Kinderpsychiater. Trotzdem sind es oft die Lehrkräfte, die frühzeitig feststellen, dass sich ein Schüler verändert. Und dann ist es wichtig, sofort zu reagieren: Denn Depressionen und Angststörungen im Kindesalter sind „meist keine vorübergehende Störung“, schreiben die „Kinder- und Jugendärzte im Netz“. Wegen ihrer möglichen gravierenden Folgen ist eine „frühzeitige Behandlung“ erforderlich. So sei zum Beispiel „die Selbsttötung (...) nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache im Kindes- und Jugendalter“, und meist stünde ein Suizid „im Zusammenhang mit einer Depression“ (ebd.).

Martina Niekrawietz

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