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Vermeidungsstrategien

Stressfaktor Arbeitsunterbrechungen

Arbeitsunterbrechungen im Unterricht, im Lehrerzimmer und zu Hause sind für Lehrer an der Tagesordnung und ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor. Experten geben konkrete Praxis-Tipps.

Vermeidungsstrategien: Stressfaktor Arbeitsunterbrechungen Mal eben eine kleine Auskunft — in der Pause im Lehrerzimmer kommt man häufig nicht zur Ruhe © Karin Uwe Annas - Fotolia.com

Ungestörtes Arbeiten im Lehrerzimmer? Die meisten Lehrer erleben täglich, dass das nicht möglich ist. Gut, im „Kultfilm“ Arbeitsplatz Lehrerzimmer aus dem Jahr 2007 wird vielleicht etwas dick aufgetragen, um den Finanzminister davon zu überzeugen, dass das häusliche Arbeitszimmer für Lehrer auch weiterhin unverzichtbar ist und steuerlich begünstigt werden muss. Aber der SPIEGEL-Artikel „Täglicher Wahnsinn im Lehrerzimmer: ‚Hast du einen Moment Zeit?‘“ bildet die Realität in vielen Lehrerzimmern recht zutreffend ab: Ein Lehrer will seine beiden Freistunden dafür nutzen, um „die Klassenlisten von Hand“ in ein Buch zu übertragen, und wird dauernd gestört. Das Resultat: Er schafft gerade einmal sieben Schülernamen, bevor er wieder in den Unterricht muss.

Unterbrechungen und Störungen bei der Arbeit beschränken sich bei Lehrern meist nicht nur aufs Lehrerzimmer: Auch Unterrichtsstörungen durch die Schüler verhindern strukturiertes Bei-der-Sache-Bleiben, und im heimischen Arbeitszimmer ist es ohnehin oft unmöglich, sich gegenüber der Familie konsequent abzuschotten. — Das alles stresst, besonders dann, wenn komplexe Aufgaben anliegen, auf die man sich voll konzentrieren muss.

Hier einige Überlegungen und Experten-Tipps für ungestört(er)es Arbeiten am Schreibtisch zu Hause und in der Schule.

Weniger Störungen im Lehrerzimmer

Naturgemäß gibt es in einem Lehrerzimmer mehr Unruhe als zum Beispiel in einem Großraumbüro: Es dient als Pausenraum, den mehrere Personen zu unterschiedlichen Zeiten nutzen, es herrscht eine gewisse Fluktuation, und manches muss untereinander besprochen werden. Trotzdem teilen alle Kollegen das Interesse, dort auch möglichst ungestört arbeiten zu können. Deshalb wird eine Initiative für mehr Ruhe im Lehrerzimmer wahrscheinlich auf offene Ohren stoßen. Anregungen dafür gibt der „Kleine Knigge für das Großraum-Büro“ in der Frankfurter Rundschau vom 5.11.2013: Gespräche — am Telefon oder direkt — „so leise wie möglich und nicht über die Köpfe anderer hinweg“ führen, feste Arbeitsphasen vereinbaren, Handys und Laptops lautlos schalten sowie Drucker und andere lärmende Geräte (wie Kaffeemaschine) aus dem Lehrerzimmer verbannen, das alles sind Maßnahmen, die sich nach Absprache sofort umsetzen lassen. Vielleicht ist es sogar mit einfachen architektonischen Mitteln möglich, einen Silentiumbereich oder ein kleines Besprechungszimmer abzutrennen.

Freie Unterrichtsräume nutzen

Wer nachdenken oder absolut ungestört arbeiten will, geht am besten in Klausur. In den meisten Schulen — selbst in gebundenen Ganztagsschulen oder G8-Gymnasien mit Nachmittagsunterricht — stehen immer wieder Klassenzimmer leer, etwa wenn die Schüler auf Klassenfahrt sind oder Fachunterricht in anderen Räumen haben. Diese räumlichen Ressourcen könnten auf der Stundentafel hervorgehoben und bei Bedarf genutzt werden. Ein kleiner Belegungsplan, in den sich Lehrer eintragen können, sorgt für Verteilungsgerechtigkeit und Erreichbarkeit im Notfall.

Selbstoptimierung: Tipps von Arbeitspsychologen

Eine zentrale Aussage der klar strukturierten und leicht lesbaren Broschüre der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin „Bitte nicht stören! Tipps zum Umgang mit Arbeitsunterbrechungen und Multitasking“ (im Folgenden abgekürzt mit BAUA) lautet: Wir sind Arbeitsunterbrechungen nicht „passiv ausgeliefert, sondern können diese aktiv gestalten!“ (S. 13) Zwar ist die Versuchung groß, eine „Unterbrechungsaufgabe vorzuziehen“, doch das ist nicht unbedingt vorteilhaft, im Gegenteil. Besonders bei komplex(er)en Aufgaben gilt: Nach einer Unterbrechung von drei Minuten für eine andere Aufgabe brauchen wir zwei Minuten, um bei der alten Aufgabe wieder auf dem Stand von vor der Unterbrechung zu kommen. „Bei ständigen Unterbrechungen addiert sich das dann schon mal auf 40 % der Arbeitszeit“, zudem steigt die Fehlerhäufigkeit bei Unterbrechungen, so die Autoren der BAUA (S. 14).

Auch bei Multitasking machen wir mehr Fehler. Hinzu kommt: Wer gleichzeitig mehrere Aufgaben erledigt, gerät unter Stress. „Das menschliche Gehirn ist damit überfordert, mehrere Aufgaben parallel zu erledigen. Stattdessen springt es dauernd sehr schnell zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her, erläutern die beiden Arbeitspsychologen Dr. Anja Baethge und Prof. Dr. Thomas Rigotti in der Frankfurter Rundschau (Link s. o.), und das schadet langfristig der Gesundheit.

Am besten sollten wir Prioritäten setzen und möglichst eins nach dem anderen erledigen. Eine verzögerte Bearbeitung ermöglicht es uns zumindest, die Tätigkeit zu einem günstigen Zeitpunkt im Arbeitsprozess zu unterbrechen. Also zum Beispiel bei der Unterrichtsvorbereitung dann, wenn das Grobkonzept für eine Stunde steht. Bevor wir uns zu viel an Land ziehen, sollten wir besser überlegen, ob wir nicht etwas an Kollegen abgeben können.

Störquellen abstellen

Zu einer Arbeitsunterbrechung gehören immer zwei Faktoren: Gestörte und Störquellen. Auch bei letzterem sollte man ansetzen. Die BAUA empfiehlt dabei „ein systematisches und analytisches Vorgehen (…) nach bester Sherlock-Holmes-Manier“ (S. 23): Wann tritt eine Unterbrechung auf? Zu bestimmten Tageszeiten? Lassen sich komplexere Aufgaben auf ruhigere Phasen verlegen? Wo werde ich unterbrochen? Gibt es ruhigere Orte? Und vor allem: Wer oder was unterbricht mich? Gibt es Personen, die häufig stören? — Oft ist es anderen oder auch uns selbst ja gar nicht bewusst, wie störend ein Verhalten im jeweiligen Moment ist. In diesem Fall könnte man sich mit dem betreffenden Kollegen einmal zusammensetzen und gemeinsam überlegen, wie sich das Problem konkret in welcher Situation lösen lässt.

Übrigens betonen Arbeitspsychologen auch im Zusammenhang mit Arbeitsstörungen, wie wichtig ein erholsamer Feierabend ist: Ausreichend schlafen, regelmäßig Sport treiben und den Hobbys nachgehen, das erhöht die seelische Widerstandskraft, die Leistungsfähigkeit — und wahrscheinlich auch die Geduld mit notorischen Arbeitsunterbrechungen am nächsten Tag.

Martina Niekrawietz

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