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Stressfaktoren

Tools für weniger Stress und mehr Gelassenheit im Beruf

Im Lehrerberuf begegnet man vielen Stressfaktoren: Unterrichtsplanung, schwierige Schüler, Elternarbeit, Kollegen und vieles mehr. Mit ein paar wenigen Tools und Verhaltensänderungen lässt sich Stress minimieren.

Stressfaktoren: Tools für weniger Stress und mehr Gelassenheit  im Beruf Wer die Stressfaktoren kennt und sie gezielt minimiert, kann seine Freizeit entspannt genießen ©iStockphoto.com/AntGor

„Geht es dir nicht gut?“, fragt die Schulleiterin die Kollegin der 4. Klasse. Gerade vor den Osterferien häufen sich die Termine und Frau Meier sieht wirklich nicht gut aus. „Bei mir kommt gerade alles zusammen: Stress mit den Eltern wegen der Übergangsgespräche, Kevin und Alex haben jeden Tag Konflikte und stören massiv den Unterricht, bei Linda werde ich wohl gegen den Willen der Eltern eine Inklusionsmaßnahme andenken müssen und meine Kollegin der Parallelklasse weigert sich, mit dem neuen Lehrwerk zu arbeiten, sodass ich nun die Unterrichtsvorbereitung allein stemmen muss. Dazu kommt noch, dass meine Stimme seit Tagen angeschlagen ist und sich gestern Abend auf dem Geburtstag meiner Freundin mal wieder Bekannte darüber amüsiert haben, dass ich als Beamte ja wohl nicht klagen kann, denn bei mir stehen ja schon wieder die Ferien vor der Tür.“ Um mit diesen Belastungen noch bis zu den Ferien durchzuhalten, in denen die Schulgedanken auch lange brauchen, um zur Ruhe zu kommen und weitere Unterrichtsvorbereitungen anstehen, braucht es ein Repertoire an unterstützenden Maßnahmen.

Stressfaktor Unterrichtsplanung und Reflexion

Um Unterricht effektiv vorzubereiten, ist es nützlich, ganze Unterrichtseinheiten zu planen und das Material dazu schon zuvor komplett zu kopieren und in der Klasse bereitzulegen. Plant man einmal die Schuljahre durch und heftet alles sorgfältig ab, kann man immer wieder auf diese Ideen zurückgreifen und muss im Unterrichtsalltag nur noch für die Differenzierung der jeweiligen Lerngruppe Material besorgen.

Zudem lohnt hier eine Arbeit im Jahrgangs- oder Fächerteam von Kollegen, um die Vorbereitung von Unterricht und die Fertigstellung von Klassenarbeiten aufzuteilen und weiterzugeben. Unterrichtsnotizen nach der Durchführung sowie ein kurzes Schüler-Feedback zum Thema optimieren die Vorbereitung für das nächste Mal.

Stressfaktor Schüler

Im Umgang mit den Schülern ist es wichtig, klare Anweisungen zu geben und seine eigenen Wünsche und Grenzen zu kennen. Vor Schuljahresbeginn hilft daher die Notation der eigenen Bedürfnisse. So können Klassenregeln eindeutig gemeinsam festgelegt und Maßnahmen bei Unterrichtsstörungen im Vorfeld angekündigt werden.

Wichtig ist in Konfliktfällen, ruhig zu bleiben und dadurch auf Deeskalation zu setzen. Bewährt haben sich für schwierige Schüler Belohnungssysteme. Hier wird das Verhalten, das für den Lehrer und die Klasse am störendsten ist, sechs Wochen lang mit einem Punktesystem trainiert. Bei Erfüllung der Zielvereinbarung  bzw. bei einer gewissen, vorher vereinbarten Punktzahl gibt es eine Belohnung, die die Schüler in der Regel zu angemessenem Verhalten anspornt.

Von großer Bedeutung ist es ebenfalls, mit den Schülern in Kontakt zu sein. Eine Kindersprechstunde, in der Schüler sich mit ihren Problemen an den Lehrer oder einen Vertrauenslehrer der Schule wenden können, ist hier sinnvoll. Wenn sich die Schüler ernst genommen fühlen, gehen in der Regel die Konflikte untereinander ebenfalls zurück.

Für den Schulalltag sind gerade in schwierigen Klassen Rituale und immer wiederkehrende Methoden mit einem geregelten Tagesablauf unumgänglich, um Schülern Sicherheit zu geben.

Die Tatsache, dass es immer wieder auch Schüler gibt, die lern- und verhaltensresistent sind und nur sehr kleine Fortschritte machen, entlastet den Lehrer in seiner Verantwortung und vermeidet hier Schuldgefühle. Mehr als Angebote zu machen wie Unterstützung im Unterricht, von Förderideen, Förderstunden, Hinweise für zu Hause oder die Bereitstellung von speziellen Materialien kann man oftmals nicht leisten, sodass auch bei leistungsschwachen oder verhaltensauffälligen Schülern hier Grenzen gegeben sind, wenn das Umfeld – aus welchen Gründen auch immer — nicht mitarbeiten kann oder will.

Stressfaktor Eltern

Mit den meisten Eltern besteht in der Regel ein einvernehmliches, harmonisches Miteinander. Doch gibt es einige wenige Eltern, die bei jeder Kleinigkeit nachfragen müssen, viele Dinge besser wissen, Kritik (gern auch angeblich im Namen aller Eltern) äußern und die in Elterngesprächen uneinsichtig und teilweise beleidigend sind.

Im Umgang mit Eltern haben sich eindeutige Sprechzeiten bewährt, in denen sie sich telefonisch an den Klassenlehrer wenden können. Oftmals hilft ein offenes Gespräch, um Gerüchten vorzubeugen. Auf die Ankündigung, dass das alle Eltern so sehen, ist immer wieder die Frage: „Wer ist alle Eltern?“ nützlich, denn so minimiert sich das Problem schnell auf zwei von zwanzig Familien.

Bei Meinungsverschiedenheiten zur Leistung der Schüler hat es sich bewährt, das Beste für das Kind in den Fokus zu nehmen. Dabei sollten die Eltern so mit ins Boot geholt und in die Pflicht genommen werden, dass sie die Verantwortung für Entscheidungen mittragen, wie zum Beispiel bei einer Klassenwiederholung oder einem Schulwechsel.

Da Eltern Schule oftmals noch anders erlebt haben und hier vermeintliche Parallelen suchen, hilft Transparenz bezüglich der Unterrichtsinhalte und -methoden an einem Tagesordnungspunkt am Elternabend oder in einem Elternbrief.

Stressfaktor Kollegen

Gerade in Bezug auf die oftmals häufigen Stressoren durch Eltern und Schüler ist der Rückhalt im Kollegium und vonseiten der Schulleitung für den Lehrer immens wichtig. Daher sollten pädagogische Erziehungskonzepte abgeglichen und notiert werden. Eine Supervision für das Kollegium festigt den Zusammenhalt ebenso wie die Möglichkeit, in der Konferenz Konflikte offen anzusprechen.

In Bezug auf die Schüler hat sich eine kollegiale Fallberatung bewährt. Hier werden neue Ideen im Umgang mit Schülern ausgetauscht und alle profitieren vom Erfahrungsschatz der anderen. Kollegiumsaktivitäten außerhalb von Schule sind zudem nützlich für das Gemeinschaftsgefühl.

Auch die Schulleitung kann für ein gutes und gesundes Arbeitsklima sorgen, indem Vereinbarungen im Kollegium gemeinsam beraten und Aufgaben am Schuljahresbeginn je nach Kompetenzlage der Kollegen verteilt werden. Die Möglichkeit für eine persönliche Aussprache bietet sich in einem Jahresgespräch an, in dem Vereinbarungen für die persönliche Weiterentwicklung und Einbringung in die Schul-Arbeit getroffen werden können.

Stressfaktor Gesundheit

Lehrer sind gesundheitlich besonders an den Stimmbändern und im Rücken- und Nackenbereich beansprucht. Ein Ausgleichssport mit viel Bewegung bringt hier ebenso Linderung wie das Singen im Chor als Ausgleich zum Sprechen. Um mit der hohen Lärmbelastung klarzukommen, empfehlen sich hier Entspannung und Stilleerfahrungen in Form von Autogenem Training, Yoga o. Ä.

Für ein starkes Immunsystem ist Bewegung an der frischen Luft, Sauna, Treffen mit Freunden und allem, was einen positiven Gegenpol zum täglichen Stress bietet, angesagt.

Ist man sehr belastet durch seinen Beruf, sollte man auch eine (Gesprächs-)Therapie nicht scheuen, denn die Gefahr eines Burnout ist bei Lehrern durchaus nicht selten.

Stressfaktor öffentliche Meinung

Zu guter Letzt hilft gegen die unwissenden Bemerkungen von Bekannten ein gutes Selbstbewusstsein, das Bewusstmachen der eigenen Professionalität und dass man selbst am besten weiß, was man in diesem Beruf leistet und weitergibt. So kann man Bemerkungen ignorieren oder im Gegenzug fragen, wieso der andere denn kein Lehrer geworden ist. Meist kommt dann die Antwort, dass die Kinder heutzutage immer stressiger sind und man selbst für diesen Beruf keine Geduld hätte.

Ein Grund mehr, sich klar zu machen, dass man selbst sich dieser Herausforderung stellt, die meisten Schüler erfolgreich ins Leben begleitet und von vielen Eltern doch für diese Bildungs- und Erziehungsarbeit geschätzt wird.

Marion Keil

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