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Rückenprobleme bei Kindern

Wer richtig sitzt, lernt besser!

Schon Kinder haben Rückenprobleme. Das liegt oft auch an schlechten Sitzmöbel in der Schule. Hier kommt es auf das richtige Maß an — dann lernt es sich gleich besser.

Rückenprobleme bei Kindern: Wer richtig sitzt, lernt besser! Falsche Sitzmöbel und krummes Sitzen — kein Wunder, dass schon Kinder über Rückenschmerzen klagen © Africa Studio - Fotolia.com

Nicht nur sehr viele Erwachsene leiden unter Rückenschmerzen, sondern auch schon Kinder sind davon häufig betroffen. Wie eine wissenschaftliche Studie der Universität Saarbrücken unter der Leitung von Dr. Oliver Ludwig ergeben hat, rühren diese weniger von den vermeintlich zu schweren Schultaschen her, sondern vielmehr von Bewegungsmangel durch zu langes Sitzen wie auch von falschen Schulmöbeln. Diese begünstigen infolge eine schlechte Haltung und führen dauerhaft zu schmerzhaften Ausprägungen wie Rundrücken, Kyphose oder Hohlkreuz (vgl. hier) .

Falsches Sitzen belastet die Wirbelsäule

Falsches Sitzen beeinträchtigt nicht nur das Lernvermögen, sondern führt zu einer einseitigen Belastung des noch im Wachstum befindlichen kindlichen Skeletts. Das kann langfristig zu Haltungsschäden führen. Daher muss man das Thema Schulmöbel unter einem gesundheitlichen Aspekt betrachten, da ein Schüler doch den Großteil seiner Schulzeit darauf sitzend verbringt. Oft passt das einheitliche Schulmobiliar nicht optimal zur Körpergröße der Schüler. Sicherlich spielen auch viele andere Faktoren eine entscheidende Rolle in der Entstehung von Rückenschmerzen, z. B. Verletzungen, Lebensstil, Sport, Angst oder Stress. Aber eben auch ergonomische Aspekte, wie die Höhe von Tischen und Stühlen leisten ihren „quälenden“ Beitrag dazu.

Tisch und Stuhl müssen passen

In der offiziellen Tabelle der GUV (Gesetzliche Unfallversicherung für Schulen) zum Schulgestühl wird genau festgelegt, welche Tisch- und Sitzhöhe für welche Körpergröße geeignet ist (Din ISO 5970), vgl. hier. Es muss darauf aufbauend eine individuelle Anpassung erfolgen. Denn die Normvorschrift gibt jeweils die Gesamtkörpergröße an, ohne die individuellen Längenunterschiede der einzelnen Körperteile im Detail beachten zu können. So werden z. B. zwei gleich große Kinder unterschiedliche Stuhlhöhen benötigen, weil sie unterschiedliche Beinlängen aufweisen.

Auch die Besonderheiten durch bestimmte, behinderungsbedingte Körperentwicklungen können nicht mit einem einheitlichen Schulmobiliar abgedeckt werden. In der Regel sollten daher die Möbel gut verstellbar und individuell anzupassen sein. Dabei sollten folgende Punkte besonders berücksichtigt werden (vgl. Kollmuß, 2001):

Beide Beine sollen gut auf dem Boden stehen können: Die Stuhlhöhe hat ungefähr Unterschenkellänge und Ober-und Unterschenkel bilden einen 90-Grad-Winkel. Wenn der Winkel kleiner ist, so entsteht eine starke Hüftbeugung, die die Beckenkippung erschwert.

Bequemes Sitzen durch richtige Stuhltiefe: Die Kniekehlen und Beinrückseiten berühren nicht den vorderen Stuhlrand. So wird vermieden, dass die Stuhlkante Nerven oder Gefäße abklemmt und die Beine einschlafen.

Literaturtipps:

Kollmuß, Sabine / Stotz, Siegfried: Rückenschule für Kinder. München 2001

GUV-Information „Richtig sitzen in der Schule“. GUV-SI 8011, Berlin, aktualisierte Fassung 2008

Die Sitzfläche neigt sich leicht nach vorn: Für das Schreiben und aktive Sitzen unterstützt die Neigung nach vorn die Beckenkippung. Stuhlrollen — falls vorhanden — sollte man feststellen können, da sonst beim Schreiben der Stuhl nach hinten wegrutscht.

Die Tischplatte sollte in der richtigen Höhe geneigt werden können: Mit lockeren Schultern liegt der Ellenbogen ca. 90 Grad gebeugt auf. Eine Neigung von etwa 16 Grad ist beim Lesen und Schreiben nützlich.

Das Tischuntergestell stört nicht: Die Tischbeinkonstruktion muss ein Grätschen der Beine erlauben und sollte generell die Beinfreiheit nicht einschränken. Ideal ist ein Abstand von zusätzlich 10—15 cm bis zur Tischunterkante.

Je nach Schülerpersönlichkeit das richtige Sitzmöbel

Abwechslungsreichtum durch dynamische Sitzgelegenheiten erleichtert es, über längere Zeit zu sitzen. Zudem gibt es einen Zusammenhang zwischen dem richtigen Sitzmöbel und der Persönlichkeit des Schülers. Während manche Schüler eher anregende und bewegliche Stühle brauchen, um wach und agil zu bleiben, benötigen andere Schüler wiederum eher stabile, haltgebende Möbel. So gibt es Stühle mit fester oder beweglicher Rückenlehne, mit Kufen oder Rollen, Pendelhocker oder Stühle mit Fußablage oder Bauchgurt. Auch ein großer Gymnastikball kann kurzzeitig zum dynamischen Sitzen einladen. Hier sollte man jedoch auf Ausgleich achten, da die Bälle auf Dauer sehr anstrengend werden können. Manche Schüler arbeiten wiederum gerne im Stehen. Hier kann ein Stehpult mit Tischneigung hilfreich sein.

Dynamisches Sitzen schützt den Rücken

Jegliche Veränderung des Rumpfes hilft beim dynamischen Sitzen. Beispielsweise kann man sich an einer Lehne anlehnen, danach aber wieder auf die Unterarme am Tisch abstützen und damit den Rumpf nach vorn verlagern. Schüler zeigen hier ganz natürliche Bewegungsimpulse, indem sie beispielsweise mit dem Stuhl kippeln oder sich in diesem räkeln oder strecken. Auch das Hochziehen der Beine und Unterschlagen der Füße dient bisweilen der Dynamisierung im Sitzen. Wenn manche Lehrkraft dies zuweilen zwar als störendes „Lümmeln“ wahrnimmt, kann es doch auch als Ausdruck eines gesunden und unbewusst richtigen Sitzverhaltens gedeutet werden.

Bewegtes Lernen hilft nicht nur dem Rücken

Jüngeren Schülern fällt es erfahrungsgemäß noch schwer, längere Zeit sitzen zu bleiben. Darum kann man ihnen einen häufigeren Wechsel der Sitz- und Arbeitspositionen anbieten. Zum Lesen wird beispielsweise gern die Bauchlage in Anspruch genommen. Diese kann ein Schüler auch über dem großen Gymnastikball liegend einnehmen. Schreiben kann man im Fersensitz, wenn die Schreibablage niedrig genug eingestellt ist. Zum Beispiel eignet sich die Sitzfläche des Stuhls, der Schüler kniet davor. Materialangebote oder Freiarbeitsphasen bewältigen Schüler gern auf einem Teppich, etwa im Vierfüßlerstand.  

Der Übergang zwischen gesundheitsbewusstem Sitzen und rückenfreundlicher Bewegung ist fließend und kann im Unterricht vielfach verfolgt werden. Dabei sind kurze, differenzierte Übungseinheiten oft sehr effektiv und können schnell als Bewegungspause eingebaut werden. Diese Entspannung wirkt nicht nur auf der körperlichen, sondern auch auf der psychischen Ebene und sorgt für ein balanciertes Wohlbefinden. Nicht nur körpergerechte Schulmöbel, sondern auch ein insgesamt bewegungsfreundliches Klassenzimmer helfen dabei mit. Es lohnt sich, sich dafür stark zu machen.

Claudia Omonsky

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