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Stimmtraining

Wie Sie mit Ihrer Stimme begeistern und Aufmerksamkeit erhalten

Mitreißend und lebendig - so möchte jeder sprechen. Eine ausschwingende Satzmelodie in Ihrer Sprache verhilft dazu.

Stimmtraining: Wie Sie mit Ihrer Stimme begeistern und Aufmerksamkeit erhalten Mit wechselndem Einsatz von Stimmtempo und -Melodie bleiben Schüler leichter aufmerksam © Andres Rodriguez - Fotolia.com

Die Satzmelodie bezeichnet das Hoch und Tief der Stimme um ihre natürliche Mittellage herum. Sie ist dafür verantwortlich, dass das persönliche Temperament durchscheint. Ist ein Mensch stark affektiv geprägt, spricht er mitreißend, dann liegt das meistens an der Satzmelodie.

Sie kennen wahrscheinlich auch das Gegenteil: Ein monotones Sprechen, also eines auf fast immer nur einer Tonhöhe, wirkt eintönig, wenn nicht gar starr und eingefroren. Lehrer, die so sprechen, reißen Ihre Schüler nicht mit. Die Klasse mag nicht zuhören bzw. kriegt nicht mit, wenn etwas besonders Wichtiges gesagt wird. Denn so funktioniert die Satzmelodie: Was wichtig ist, wird über eine Betonung im Wortfluss herausgehoben: Die Stimme wird ein bisschen lauter und hebt und senkt sich. So bietet die Satzmelodie eine Interpretation an, sie führt den Hörer zum Wichtigen im Satz.

Welche Satzmeldodie für Sie die richtige ist

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, wo eine Satzmelodie übertrieben angewandt ist. Das ist z. B. der Fall, wenn ein Priester mit seiner Stimme stark und häufig und immer in derselben Weise schwingt. Das wirkt dann salbungsvoll.

Häufig ergibt sich ein Spiel der Stimme um die natürliche Mittellage herum, das sich von selbst durch einen Bezug zum Adressaten und durch den Gegenstand selbst ergibt. Erzählt man Kindern ein Märchen, so verstellt man die Stimme, erhebt sie, senkt sie dann wieder, und für die Kinder ist diese Stimme im höchsten Maße ansprechend.

Extrem hoch und sehr bewegt ist die Stimme im sog. „Baby-Talk“. Untersuchungen haben ergeben, dass Menschen quasi zur Unterstützung des Erstspracherwerbs von Kindern eine Sprache an das Kind richten, die sehr viel Sprachmelodie und Stimmhöhe aufweist (auch „motherese“ genannt). Behält man diese Sprache älteren Kindern gegenüber bei, so wirkt das betulich und übertrieben. Es gilt also, einen goldenen Mittelweg zu finden.

Aber auch ein regelmäßiges An- und Absteigen der Stimme, ein melodischer Singsang, hilft nicht weiter, will man mit seiner Stimme fesseln und begeistern. Die Zuhörer stellen sich auf das regelmäßige Betonungsschema ein und es wird bald langweilig.

Wie Sie mit Ihrer Stimme lenken und mitreißen

Wer seine Zuhörer lenken und gleichzeitig mitreißen will, sollte immer wieder unerwartet betonen, dem Inhalt der Worte entsprechend, also einmal von oben kommen, ein anderes Mal von unten, und das nie regelmäßig, sondern immer so, dass eine Erwartungshaltung durchbrochen wird. Das Betonungsschema sollte immer wechseln, es darf nicht immer wieder in dieselbe Kerbe gesprochen werden. Das ist nicht nur für die Schüler ermüdend, sondern auch für Ihre Stimme.

Wenn Sie Ihrer Klasse den nächsten Lehrervortrag halten, dann prüfen Sie sich selbst:

  • Ist Ihre Stimme bewegt?
  • Sprechen Sie melodiös?
  • Sind Sie mitreißend?
  • Oder fehlt Ihnen die Idee für eine mitreißende Sprachmelodie?

Am genauesten können Sie selbst Ihr eigenes Sprechen kontrollieren, indem Sie sich einmal aufnehmen. Die meisten Handys haben ja heute die Möglichkeit dazu. Sie selbst sind Ihr bester Stimmtrainer. Meist hört man selbst genau, woran es bei der eigenen Stimme hapert.

Übungsmöglichkeiten

Wenn Sie auf dem Gebiet der Satzmelodie Handlungsbedarf haben, dann üben Sie zunächst die folgenden Sätze, und zwar in einer ganz bestimmten Weise: Der Beginn des Satzes, also das erste Wort, soll den höchsten Punkt im Satz markieren. Diese Satzmelodie ist typisch für Serviceberufe. Sie kennen solch ein Sprechen vom Zugfahren. Dort wird eine absteigende Satzmelodie allerdings inflationär gebraucht, und dadurch klingt das Ergebnis auch wieder nicht überzeugend.

Hier in dieser Übung sollen Sie das monotone Sprechen von oben nach unten einmal schematisch üben:

Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Hier zeige ich Ihnen das größte Meisterwerk Picassos.
Sie sehen hier den Thron von Ludwig XIV.!
Bei Fragen sprechen Sie mich gerne an.
Ich stehe zu Ihrer Verfügung.
Im Bildmittelpunkt das Gesicht des Herrschers.
Achten Sie auch auf den feinen Pinselduktus!
Sehen Sie hier den schweren Seidenschal. Sogar die Falten sind mit dem Pinsel eingefangen.
Auf der rechten Seite sind auch Pekinese und Katze des Herrschers zu sehen.
Hinten im Bild sehen Sie die Kommode, ein sehr schönes Stück.
Betrachten Sie diese Stelle genauer – was ist hier zu sehen?
Gehen wir nun weiter zum nächsten Werk des Meisters.
Im vorderen Drittel begegnet Ihnen Heinrich VIII.
Und zum Schluss ein außerordentlich schönes Portrait seiner Gattin.
Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß beim Entdecken der Sammlung antiker Kleinplastiken.
Ich hoffe, der Rundgang hat Ihnen gefallen!
Sehr gut erhalten hier der Mantel der Königin!
Und nun sage ich „Tschüß und Auf Wiedersehen!“

Das mag zunächst übertrieben klingen, aber Sie sollen zunächst dieses Betonungsschema einüben, weil es meist seltener gebraucht wird und dadurch ungewohnter ist. Nun, im zweiten Schritt, lesen Sie einen Text, am besten eine spannende Geschichte, laut vor und versuchen Sie, ab und zu auch einen Satz von oben beginnen zu lassen. Diesen Text nehmen Sie auf. Nachdem man die Satzmelodie von oben ein paar Mal angewendet hat, kommt es einem nicht mehr so fremd vor, und Sie werden auf der Aufnahme hören, dass das Sprechen von oben die eigene Sprechweise sehr belebt.

Nun ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Spontansprache: Halten Sie einen kurzen Lehrervortrag, erklären Sie z.B. der nicht anwesenden Klasse, was in der Klassenstunde besprochen werden soll, und nehmen Sie das Ergebnis wieder auf. Und seien Sie mutig in der Satzmelodie. Dann können Sie vor der Klasse üben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie ein Ergebnis bekommen, das sich hören lässt und die Schüler begeistert!

Antje Behrens

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