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Work-Life-Balance

Zeitver(sch)wendung — Warum sich Zeitmanagement als Lehrer lohnt

Um eine bessere Work-Life-Balance zu bekommen, sollten sich Lehrkräfte auf Spurensuche nach Zeitfressern begeben. Gutes Zeitmanagement hilft, den Alltag gut zu organisieren, den Anforderungen gerecht zu werden und schont die Nerven.

Work-Life-Balance: Zeitver(sch)wendung — Warum sich Zeitmanagement als Lehrer lohnt Wer seine Zeit ganz bewusst plant, gewinnt Freiräume und kann sich entspannt zurücklehnen © goodluz - stock.adobe.com

„Das einzige Mittel, Zeit zu haben, ist, sich Zeit zu nehmen“, sagt ein Sprichwort. Gerade als Lehrer muss man sich sehr oft anhören, dass man ja ständig Zeit habe — nachmittags und dann die vielen Ferien! Paradoxerweise ist genau das Gegenteil bei vielen Kollegen der Fall. Die sinnvolle Einteilung und Nutzung der Zeit stellt gerade aufgrund der recht hohen Einteilungsfreiheit eher ein Problem dar.

Es lohnt sich also, einmal genauer zu schauen, wie man seine Zeit ver(sch)wendet. Auch wenn man spontan denkt, dass es noch mehr Zeit kostet: Ein genauer Faktencheck hilft, sich über den momentanen Ist-Stand klarzuwerden (vgl. Oppolzer, 2014): Eine Woche lang notiert man alle Tätigkeiten auf einem Wochenplan. Dann versieht man sie mit einem Lach-Gesicht für zufriedenstellende Tätigkeiten bzw. einem Wein-Gesicht für solche Aktivitäten, die eher unzufrieden machen, die zu kurz gekommen sind oder die viel zu lange gedauert haben. Filtert man dann die aus, die man zwingend erledigen muss, bleibt eine gewisse Schnittmenge an beeinflussbaren Tätigkeiten übrig. Hier kann man sehr gut ansetzen, die eigene Zeiteinteilung zu steuern und effektiver zu gestalten.

Gute Zeitmanager nutzen alle Hilfsmittel, um in Balance zu bleiben

Ob guter Zeitmanager, Chaot, Workaholic oder Perfektionist — je nach Stresstyp geht jeder Mensch unterschiedlich mit Stress-Situationen um. Auch hier lohnt sich ein genauerer Blick darauf, welche Verhaltensmuster ich verfolge: Bin ich eher jemand, der ein vollkommen durchgeplantes Arbeits- und Privatleben präferiert oder eine Person, die permanent über die eigene Kraft hinaus schuftet? Habe ich Angst zu versagen oder brauche ich das Gefühl der Anerkennung, den größten Stress bewältigen zu können? Gute Zeitmanager nutzen alle Hilfsmittel, um mit möglichst wenig Stress genügend Freizeit und Zufriedenheit im Beruf zu erlangen. Sie beherrschen die Kunst des positiven Denkens und können auch in schwierigen Situationen gelassen bleiben.

Literaturtipps:

Oppolzer, Ursula: Zeitmanagement im Lehrerberuf. Effektive Strategien für einen organisierten (Schul-)Alltag. Mülheim an der Ruhr 2014

Schneider, Jost / Rolf-Dietrich, Susanne: Work-Life-Balance in der Schule. Donauwörth 2015

Weisweiler, Silke u. a.: Zeit- und Selbstmanagement. Berlin 2013

Was können wir uns von den guten Zeitmanagern abschauen? Zunächst einmal muss man sich darüber klar werden, wer und was einem persönlich wichtig ist:

  • Welche Beziehungen sind mir so wichtig, dass sie zentral viel Zeit beanspruchen dürfen?
  • Gibt es auch Kollegen oder Bekannte, die ich ein wenig aus dem Fokus meiner Wichtigkeitsliste rücken darf?
  • Welche Aufgaben sind mir momentan besonders wichtig?
  • Wie kann ich die wichtigen Angelegenheiten deutlicher in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit stellen?
  • Welche Felder habe ich überhaupt um mich herum — da gibt es Familie und Freunde, Kollegen und Lehrerdasein, Hobby und Gesundheit. Wie groß ist der jeweilige Anteil an meiner zur Verfügung stehenden Zeit, den ich hier aufwende?

Auch wenn es zunächst mühsam klingen mag, je besser ich mir diese Fragen vergegenwärtige, umso eher kann ich einen Handlungsbedarf feststellen und die notwendige Veränderung angehen. Auch die Frage, welche Erwartungen von außen oder auch von mir selbst an mich gestellt werden, führt zu einem neuen Nachdenken über die eigene Befindlichkeit. Stecke ich immer meine eigenen Bedürfnisse zurück hinter die alltäglichen Notwendigkeiten von außen, so werde ich auf Dauer sicher nicht glücklich werden. Dabei stehen Zufriedenheit und Glück doch an erster Stelle. Wer seine Batterien nicht auflädt, hat auf lange Sicht nichts mehr zu geben.

Das Nein-Sagen neu lernen

Erste Soforthilfemaßnahme kann sein, das Nein-Sagen neu zu lernen. Dies fällt vielen Menschen schwer und steht im Kontext mit unserer Erziehung, unseren Wertevorstellungen und Erfahrungen aus dem Berufsalltag. Wir bilden uns oft ein, nicht Nein sagen zu dürfen. Dabei setzt ein Nein lediglich Grenzen und schützt uns vor Überforderung in bestimmten Situationen, es bedeutet keine generelle Abgrenzung vor allem und jedem. Wenn wir es einmal schaffen, Nein zu sagen, so haben wir die Tendenz, uns zu erklären. Dies wiederum gibt Anlass, das Nein zu diskutieren und im schlimmsten Fall wegzudiskutieren. Ein Nein braucht keinen Grund, es darf einfach formuliert werden.

Eine weitere Soforthilfemaßnahme kann es sein, die eigenen Zeitfresser ausfindig zu machen. Im Lehreralltag gibt es einige Zeitfallen, die sich aus dem Tätigkeitsfeld ergeben können. Um diese zu entlarven, helfen folgende Analyseaspekte:

  • Nicht suchen: Lieber gute Ordnung halten, denn wer ständig etwas sucht, findet nur Dinge, die ihn ablenken. Man gibt den Dingen, die man immer braucht, einen festen Platz.
  • Nicht aufschieben, sondern To-do-Listen machen und Prioritäten setzen. Wer ständig die heilige Prokrastinatia (Prokrastination: lat. Aufschiebung) anbetet, verbraucht unnötige Energie und wird schließlich völlig lustlos. Mit einer kurzen, bewältigbaren Aufgabe zu beginnen, kann den Einstieg erleichtern. Ein guter Tipp ist, auch wenn man momentan noch keine Zeit für die „große Sache“ hat, sich zumindest für drei Minuten damit zu befassen — etwas heraussuchen, bereitstellen, nachschauen ... So fällt der nächste Einstieg in diese Aufgabe leichter.
  • Nicht ablenken, sondern feste Rituale und Regeln für das häusliche Arbeitszimmer einführen. Mehrere kurze Pausen steigern die Konzentration. Aber im häuslichen Umfeld haben Lehrer die Tendenz, sich im privaten Bereich zu verlieren und diesen sogar mit dem Arbeitsanspruch zu vermischen. Sorgen Sie für einen ungestörten Arbeitsplatz und zusammenhängende Arbeitszeiten.
  • Nicht perfektionieren, sondern mit dem Pareto-Prinzip zufrieden sein. Dieses besagt, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden können. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse benötigen mit 80 % die meiste Arbeit. Der überwundene Perfektionismus bringt also sofort gesparte Zeit.
  • Nicht in den Medien versinken, sondern überlegen, wann, wie und wozu ich Internet, Handy, Fernsehen und E-Mail nutze und nutzen muss. Hier hilft schiere Disziplin, um die Ablenkungsfalle Mediennutzung zu umgehen.

Mit erreichbaren und konkreten Zielen kann ich meine Zeit besser strukturieren und einteilen. Die Analyse und Umorganisation von Zeitfressern und Effektivitätsdieben hilft, mit der eigenen Lebenszeit wieder sorgsamer umzugehen und die schönen Momente zu nutzen.

Claudia Omonsky


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