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Konfrontative Pädagogik

Gewaltprävention: Immer schön cool bleiben!

Gewalt und Mobbing gegen Schüler und auch Lehrer gibt es an vielen Schulen. Durch die Konfrontative Pädagogik bzw. Coolness-Training kann gezielt interveniert und ein friedliches Miteinander gefördert werden.

Konfrontative Pädagogik: Gewaltprävention: Immer schön cool bleiben! Ein Perspektivwechsel kann aggressiven Schülern helfen: Wie fühlt man sich, wenn man von Mitschülern attackiert wird? © Pixel-Shot/Shutterstock.com

„Wir machen dich fertig (…)!“ „Halt die Fresse Alter (…)!“, sind die Worte eines Schülers zu seinem Lehrer. Ein anderer Fall: „Der Schüler hat mich schon mehrfach in übelster Weise beschimpft und beleidigt. Ich habe inzwischen Angst vor dem Schüler. Zurzeit bin ich arbeitsunfähig erkrankt [sic!]“, sind die Worte eines Lehrers. („Gewalt von Schülern: Ein Lehrer gibt auf“, Rheinische Post vom  16.06.2018 von Marc Latsch S. A3)

Schule wird zunehmend zu einer problembelasteten Institution, vor der man nicht die Augen verschließen darf. Körperliche Aggressionen hat es schon immer gegeben, nur hat sich die Form der Gewalt inzwischen geändert. Die Schule hat sich von einem reinen Lernort zu einer (sozial-)pädagogischen Institution weiterentwickelt. Autoritäten werden weniger respektiert. Sowohl Mitschüler als auch Lehrer geraten zunehmend in den Fokus gewaltbereiter oder aggressiver Kinder und Jugendlicher.

Gewalt gegen Lehrer ist weit verbreitet. Im Mai veröffentlichte der Lehrerverband Bildung und Erziehung eine Forsa-Umfrage zum Thema Gewalt gegen Lehrer, mit folgenden Ergebnissen:

  • Körperliche Gewalt: 35 Prozent der Schulleiter in NRW berichteten von körperlichen Übergriffen gegen Lehrer innerhalb der letzten fünf Jahre, bundesweit waren es 26 Prozent.
  • Psychische Gewalt: Im selben Zeitraum kam es an 48 Prozent der Schulen in NRW zu Beschimpfungen gegen Lehrer, bundesweit war dies an 41 Prozent der Schulen der Fall.
  • Cybermobbing: Bedrohungen im Internet fanden an 17 Prozent der Schulen in NRW statt, bundesweit liegt der Wert bei 20 Prozent.

Konfrontative Pädagogik als Interventionsmöglichkeit

Links zum Thema:  

Wenn Sie genauer in die Thematik einsteigen wollen, bietet das Deutsche Institut für Konfrontative Pädagogik detaillierte Informationen.

Angebote für Coolness-Training ® an Schulen oder zum Training hier.

Jürgen Berger und Krämer Trainings bieten ebenfalls Schulungen an.

All diesen Gewaltandrohungen oder -ausbrüchen muss auch pädagogisch begegnet werden, um weitere Eskalationen zu verhindern.  Ein möglicher Ansatz ist die sogenannte Konfrontative Pädagogik.  

Die konfrontative Pädagogik bezeichnet eine pädagogische Methode, die bestimmte Handlungsstrategien im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit abweichendem Verhalten einsetzt. Sie eröffnet Handlungsoptionen, die zum einen Zugang zu gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen findet und zum anderen diese mit den Folgen ihrer Handlungen konfrontiert. Der Leitgedanke dieser Methode ist, sich für eine „wohlwollende konfrontative Handlungsweise“ einzusetzen, die „für eine Kultur des Hinsehens und der Einmischung bei Regel- und Normverletzungen steht. Es geht darum zu verstehen, aber nicht einverstanden sein.“

Dazu gehört auch eine strikte Trennung zwischen dem Täter als Person, die akzeptiert wird, und seiner Tat, die missachtet wird. Den Jugendlichen und Kindern wird dabei klar gemacht, dass eine Verletzung der individuellen Freiheitsrechte oder der Unversehrtheit anderer Personen absolut nicht geduldet werden. Sie werden daher im Konfliktfall mit ihren Regel- und Normverletzungen konfrontiert, wenn möglich, genau in dem Augenblick, in dem sie z. B. im Schulalltag stattfinden.

Coolness-Training als Prävention

Das Coolness-Training (CT) ist eines der Bausteine im Kontext konfrontativer Pädagogik, dass sich für Schulen und Jugendeinrichtungen eignet. Hierbei ist die Förderung von Selbstverantwortung und demokratischem Verhalten, von Teamgeist und respektvollem Umgang miteinander Inhalt des Trainings. Wichtiges Ziel dieses Trainings ist, die Opfervermeidung. Mit anderen Worten, wie verhalte ich mich in gefährlichen Situationen oder wie bewege ich mich, um nicht zum Opfer zu werden.

Das CT-Training ist ein ganzheitlicher systemischer Ansatz. Er geht davon aus, dass an einer Konfliktsituation meist mehrere Personen beteiligt sind: der Angreifer (Täter), der Angegriffene (das Opfer), Zuschauer (Gruppe) und die Institution (Lehrer oder andere Erwachsene). Sinnvoll ist es daher, alle Beteiligten am Coolness-Training teilnehmen zu lassen, damit sie sich durch gezielte Übungen mit Gewalt, deren Folgen und den damit verbundenen Emotionen auseinandersetzen können.

In Jugendeinrichtungen und Schulen kommt das Coolness-Trainings als präventiver Ansatz zum Einsatz. Denn Jugendliche, die Gewaltbereitschaft und Aggression signalisieren, sollten schon im Vorfeld trainiert werden, damit es erst gar keine Opfer gibt. Konflikte müssen frühzeitig erkannt und möglichst verhindert werden.
Jugendliche wiederum, die angegriffen werden, verfügen häufig über keinen ausreichenden Selbstschutz und sind nicht in der Lage, einer Konfliktsituation mit Selbstsicherheit zu begegnen. So kann ihre Körpersprache die Gewaltsituation sogar begünstigen. Opferschutz und Training für potenzielle Opfer sind im Coolness-Trainings  zwei bedeutende Bereiche.
Coole Übungen für einen coolen Alltag

Beim Coolness-Training geht es darum, die Wahrnehmung eigener Täter- bzw. Opferpositionen zu fördern. Es geht um Kommunikation und Gemeinsamkeit in der Gruppe, um die eigene Körpersprache, um Vertrauen und konstruktive Konfliktlösungsstrategien. Dabei lernen die Teilnehmer die eigenen Stärken kennen. Sie begreifen, dass Normen und Werte für ein verlässliches soziales Miteinander in einer Gruppe/Gesellschaft unabdingbar sind.  Dadurch werden Feindseligkeiten und Abwehrverhalten langfristig reduziert und die erworbenen Handlungsstrategien können im Alltag umgesetzt werden.

Folgende Übungen können Inhalt und Ziel des Trainings sein:

  • Visualisierung: Durch Lehrvideos, Bilder von Gewaltszenen und das Aufschreiben, bzw. Visualisieren von Gedanken und Erfahrungen findet eine Sensibilisierung für das Thema „Gewalt“ statt. Anschließend wird über positive wie negative Handlungsweisen diskutiert.
  • Vertrauens- und Kooperationsspiele: Hier müssen sich alle in der Gruppe aufeinander verlassen können. Einer hilft dem anderen und nur gemeinsam kommen sie zum Ziel. Gespräche über Vertrauen zu sich selbst und anderen ergänzen die Übungen.
  • Konfrontationsübungen: Alltägliche Situationen werden dargestellt, z. B. aus der Pause oder dem Sportunterricht. Schüler erzählen, was sie erlebt haben. Dazu gehören auch Begegnungen zwischen Schüler und Lehrer. Im Spiel werden „Opfer“ und „Täter“ mit der Situation konfrontiert. Durch einen Rollentausch können Lösungen gefunden werden. Beim „Täter“ werden Eigenempfindlichkeit bezogen auf Beleidigungen oder Rempeleien aufgedeckt.
  • Kämpfen als pädagogische Disziplin: Verschiedene Kampf- oder körperbetonte Spiele helfen, aggressive Anteile und körperliche Reaktionen bewusst wahrzunehmen. Festgelegte Regeln, die bedingungslos eingehalten werden müssen, schaffen Strukturen.
  • Deeskalationsstrategien: Hier wird sinnvolles Verhalten in schwierigen Situationen geübt. Das Aushalten von Provokation und eine angemessene Kommunikation werden trainiert. Aufkommende Konflikte sollen friedlich gelöst werden. Cool bleiben ist eine Devise.
  • Körperhaltung und Desensibilisierungstraining: Das Opferverhalten wird analysiert bzw. in der Gruppe besprochen. Körperhaltung und Verhaltensmuster werden sichtbar gemacht. Die Teilnehmer probieren Sitzhaltungen und Stehpositionen aus und trainieren selbstsicheres Auftreten.
  • Interaktionspädagogische Übungen: Geübt werden Spiele mit einfachem Problemlösungscharakter, die die Gruppe gemeinsam lösen muss. Durch ein wechselseitiges, aufeinander bezogenes Handeln kann zwischenmenschliches Verhalten verändert werden. Das aktive Interagieren fördert die Auseinandersetzung mit der Gruppe. Verbale und nonverbale Kommunikationsmuster werden geübt.
  • Entspannungsverfahren zur Emotionsregulation: Fantasie- oder Körpereisen dienen der Verbesserung der eigenen Körperwahrnehmung und führen zum Abbau von Spannungen.
  • Rollenspiele: Vorgegebene Situationen werden im Rollenspiel nachgestellt. Eigene Positionen als Täter, Opfer oder Zuschauer sollen erkannt und bearbeitet werden. Angemessene Verhaltensweisen werden trainiert. Vermeintliche Täter sollen sensibilisiert und Opfer gestärkt werden.
  • Kommunikationstraining: Entwickelt werden Kommunikationsstrategien in schwierigen Situationen. Verbale Auseinandersetzungen werden geprobt. Der angemessene Ausdruck von Gefühlen ist dabei Teil der Übung.
  • Reduzierung der Feindseligkeitswahrnehmung: Durch Übungen und Gespräche soll die Feindseligkeitswahrnehmung potenzieller Täter gegenüber anderen abgebaut und ein selbstbehauptendes Verhalten gefördert werden.
  • Übungen zur Affektkontrolle: Spiele und Übungen zum Abbau von Aggressionen sind Kern dieses Trainings. Die Kinder und Jugendlichen sollen lernen, eigene Gefühle einzuordnen und Impulse zu steuern.
  • Mediation: Schüler werden zur Streitschlichtung angeleitet, dabei werden ihnen Grundlagen der Mediation vermittelt. Dazu gehören: Gesprächsführung, Einfühlsamkeit und die Fähigkeit, zwischen Konfliktpartnern zu vermitteln.

Umsetzung im Schulalltag

Für den Schulalltag ist es unumgänglich zu erkennen, wann eine Situation eskalieren kann und ob sich gewaltbereite Schüler in der Schule befinden. Erste Anzeichen wie Verschlechterung der Noten, ängstliches Verhalten bei Schülern, der Wunsch, sich in der Nähe von Lehrern aufzuhalten, kann auf ein vermeintliches „Opferverhalten“ hinweisen. Wichtig ist, dass Schüler bei Problemen einen Ansprechpartner finden, zum Beispiel die Vertrauens- und Beratungslehrer. Unabhängig davon ist ein regelmäßiger Austausch zwischen den Lehrern unerlässlich, wenn gewaltbereite Schüler bekannt sind. Die Analyse und Bewertung von Gewaltsituationen muss im gesamten Kollegium vorgenommen werden. Gemeinsam kann dann entschieden werden, welche Interventionen notwendig und vor allem sinnvoll sind.

Für Lehrer ist die Situation im Alltag oft sehr schwierig, wenn schnelles Handeln in Bedrohungssituationen notwendig wird. In aggressiven Konflikten zu intervenieren heißt auch, die eigene Angst zu überwinden, selbst Opfer verbaler oder körperlicher Attacken zu werden. Das Coolness-Training kann dabei eine hilfreiche Maßnahme sein. Verschiedene Einrichtungen bieten ein solches Trainingsangebot für Schulen an. Hier können sich auch Lehrer selbst zum Trainer ausbilden lassen.

Angela Hentschel

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