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Prävention

Rangeln und Raufen — miteinander statt gegeneinander kämpfen

Rangeln und Raufen nach Herzenslust, aber fair: Das Kräftemesser nach festgelegten Regeln baut einerseits Aggressionen ab und fördert gleichzeitig einen wertschätzenden Umgang miteinander.

Prävention: Rangeln und Raufen — miteinander statt gegeneinander kämpfen Angeleitetes Kräftemessen mit einem Partner bringt Spaß, wenn Regeln eingehalten werden © Sven Rook

„Juchhu, endlich dürfen wir mal schlägern!“ „Geil, dem hau ich voll auf die Mütze! “ – So oder so ähnlich lauten vielleicht die ersten Kommentare, wenn man den Schülern das Thema „Rangeln und Raufen im Sportunterricht“ ankündigt. Die Kinder haben natürlich sofort die typischen Gewaltexzesse der bekannten Hollywoodproduktionen vor Augen. Doch beim Kämpfen (Rangeln und Raufen) in der Schule geht es natürlich weder um das ungezügelte Ausleben von Gewaltfantasien noch um das Erlernen einer Zweikampfsportart oder einzelner Kampftechniken. Im Mittelpunkt steht das regelgeleitete Kämpfen mit dem Ziel der Gewaltprävention.

Bereits 1998 forderte der deutschlandweit bekannte Familienberater und Pädagoge Jan-Uwe Rogge in der Zeitschrift stern (Ausgabe 43/98) die Einrichtung von Rauf- und Rangelzonen in Kindergärten und Schulen. Mittlerweile hat diese Forderung durch die kompetenzorientierten Lehrpläne Einzug in unsere Schulen gehalten.

Regelgeleitetes Kräftemessen mit einem Partner

Der Abbau von Aggressionen soll einmal durch intensive Bewegungserfahrungen und außerdem durch die Schulung der Empathie- und Kommunikationsfähigkeit gelingen. Durch den zwangsläufigen Körperkontakt wird das Gefühl für Nähe und gegenseitiges Vertrauen geschult. Wichtig ist die Begrenzung durch strenge Regeln und Einbettung in Rituale wie z. B. das voreinander Verbeugen, die einen klaren Ordnungsrahmen vorgeben.

Die beiden leitenden, „goldenen“ Regeln dabei sind:

  • Wir tun unserem Partner nicht weh!
  • Bei „Stopp!“ lasse ich sofort los!

Grundsätzlich wird dabei davon ausgegangen, dass Kinder und Jugendliche ein natürliches Bedürfnis haben ihre Kräfte zu messen. Dabei ist das Kämpfen an sich noch nicht pädagogisch wertvoll im Sinne der Gewaltprävention und Sozialerziehung. Es kommt darauf den Kindern Kämpfen als regelgeleitete Auseinandersetzung auf der Grundlage gegenseitiger Achtung und Unversehrtheit im Sinne eines „Miteinander-Kämpfens“ erfahren zu lassen. Gegenseitige Rücksichtnahme und Fürsorge sind unabdingbar. Insofern sollte es keinen Gegner sondern nur einen Partner geben.

Literaturtipps:

Busch, Felix: Ringen und Kämpfen. Donauwörth 2010

LSB NRW: Ringen und Kämpfen – Zweikampfsport. Handreichung für die Schulen der Primarstufe und Sekundarstufe I. Duisburg 2008

Frank, Annegret: Rangeln, Regeln, Rücksicht nehmen. Münster 2010

Teuber-Gioiella, Zaira  u. a.: „Kämpfen“ in der Schule. In: Lehrhilfen für den Sportunterricht, 47, Heft 1/1998, Schorndorf

Marecek, Christin: Miteinander kämpfen – Möglichkeiten zur Verbesserung sozialer und motorischer Kompetenzen im Grundschulalter. In: Praxis Haltung und Bewegung 23, 11/2003

Regeln, Rituale und reflektierte Werthaltung

Den pädagogischen Rahmen bilden Regeln, Rituale und reflektierte Werthaltungen. Da die Schüler zu Beginn oft falsche Vorstellungen vom Kämpfen haben, gilt es deren Erfahrungen und Einstellungen anfangs zu reflektieren. Beim Kämpfen in der Schule geht es nämlich um Folgendes:

  • Den anderen besiegen, ohne ihn zu verletzen.
  • Der Stärkere ist für den Schwächeren verantwortlich.

Im Laufe einer Unterrichtssequenz zum Rangeln und Raufen bieten sich so sicherlich auch viele Anlässe für Gespräche über Fairness, Sieg und Niederlage (Gewinnen ist leicht, das kann jeder! „Würdevoll“ verlieren ist schwer, das kann nicht jeder!), Geschlechterstereotypen (Jungen können Rücksicht nehmen; Mädchen können kämpfen.), sozial akzeptable bzw. nicht akzeptable Formen der Gewalt und Aggression, den Unterschied zwischen dem Gegeneinander und Miteinander, usw. Diese Gelegenheiten gilt es hinsichtlich der gewünschten pädagogischen Ziele zu nutzen.

Dabei sollte man aber aufpassen, dass nicht der unsympathische pädagogisch erhobene Zeigefinger in den Vordergrund rückt sondern IMMER der Spaß am Miteinander und an der Bewegung im Mittelpunkt stehen.

Körperkontakt und Kampfformen langsam steigern

Für den Sequenzverlauf gilt allgemein: langsame Steigerung des Körperkontaktes und der Intensität der Kampfformen.
Die einzelnen Intensitätsschritte würden folgendermaßen aussehen:

  1. Körperkontakte ermöglichen, Fallschule erlernen
  2. Raufspiele in der Gruppe, Rituale und Regeln entwickeln
  3. „indirekte“ Raufspiele mit einem Partner
  4. direkte Raufspiele, Kämpfen in Bodenlage
  5. mit einem PA kämpfen im Stand und auf dem Boden

Der Verlauf einer typischen Unterrichtseinheit würde sich so darstellen:

  1. Begrüßung/Aufwärmen/ Einstimmung
  2. Fallschule/Körperkontaktspiele
  3. Kampfspiele/Rangeln und Raufen
  4. Reflexion
  5. Ausklang/Spiel/Entspannung

Dieses kleinschrittige Vorgehen ermöglicht auch Kindern eine Gewöhnung an den zunehmend intensiveren Körperkontakt, die dies anfangs noch nicht so kennen. Damit es künftig auf unseren Schulhöfen heißt: „Komm, lass uns endlich mal wieder MITEINANDER statt gegeneinander kämpfen!“

Sven Rook

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