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Gewaltprävention

Übungen für einen gewaltfreien Schulstart

Viele Achtjährige erleben schon in der Grundschule Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt. Sinnvolle Prävention im Unterricht aktiviert die Mitschüler auf Klassenebene und vermittelt den Schülern, wie sie sich wehren und schützen können.

Gewaltprävention: Übungen für einen gewaltfreien Schulstart Damit gar nicht erst Schüler ausgegrenzt werden, sollte man einen wertschätzenden Umgang frühzeitig trainieren © Christian Schwier - Fotolia.com

„Schule? Doof!“ — so übertitelte die Süddeutsche Zeitung am 16.02.2016 einen Beitrag über aktuelle Ergebnisse der Studie „The Children’s Worlds“ der britischen York Universität und der Schweizer Jacobs Stiftung. Die Befragung von 56 000 Kindern in 16 Ländern hatte ergeben, dass deutsche Kinder im weltweitern Vergleich besonders ungern zur Schule gehen.

Die Schulunlust der Grundschüler dürfte in direktem Zusammenhang mit einem weiteren besorgniserregenden Ergebnis der Studie stehen: 57 Prozent der deutschen Achtjährigen „berichten von Schlägen und Drangsalierungen durch andere Schüler“, so Dietrich Alexander in seiner Zusammenfassung der Studienergebnisse auf welt.de.

Wie lässt sich ein gewaltfreies Miteinander in der Grundschule fördern? Mobbing-Forscherin PD Dr. Mechthild Schäfer von der LMU München rät, damit bereits in den ersten beiden Jahrgangsstufen zu beginnen. Sie hatte bei einer Befragung sämtlicher Schüler einer Schwabinger Grundschule beobachtet, dass gerade in den Anfangsklassen ein „gutes Klassenmanagement besonders viel Gestaltungsspielraum für ein friedfertiges Klassenklima bereit hält.“ (Vgl. dazu das Abstract zur Studie auf der Website der LMU)

Dieser Beitrag unterstützt Sie dabei mit Anregungen und Materialien für den Unterricht.

In den ersten Schulmonaten die Weichen stellen

„Besonders kritisch bei der Gruppenbildung sind die erste und die fünfte Klasse, wenn die Kinder neu zusammengeworfen werden“, betont Dr. Mechthild Schäfer in einem Interview auf der Website des Schulministeriums in Nordrhein-Westfalen. Lehrkräfte sollten besonders in den ersten Monaten bis Weihnachten sicherstellen, dass „sich möglichst viele Kinder in einer Klasse möglichst gut kennen“. Dafür lassen sich gemeinsame außerunterrichtliche Unternehmungen nutzen, aber auch die Zeit im Unterricht, zum Beispiel indem die Kinder möglichst oft „in unterschiedlichen Konstellationen zusammenarbeiten“ (ebd.).

Kooperationsspiele fördern das Gemeinschaftsgefühl

Gerade in der ersten und zweiten Klasse sind Gruppen- und Kooperationsspiele besonders gut geeignet, um sich gegenseitig kennenzulernen, gemeinsam auszuagieren und miteinander einen gewaltfreien Umgang zu üben. Ideen und Konzepte dazu finden sich im Netz, zum Beispiel die Spiele und Vorlagen zum sozialen Lernen mit zehn direkt übernehmbaren Unterrichtseinheiten („starke 10) für die 1.und 2. Jahrgangsstufe oder „GEWALTFREI MITEINANDER“, eine Sammlung von Spielen und Übungen mit klarem friedenspädagogischem Bezug.

Umfassendes Konzept zur Friedensarbeit

Wird Gewalt im Unterricht thematisiert, empfiehlt es sich, auf ein einheitliches und langfristig angelegtes Konzept zu bauen. Günter Gugls „Handbuch Gewaltprävention. Für die Grundschule und die Arbeit mit Kindern“ könnte die Kinder dabei während der gesamten Grundschulzeit begleiten.

Lehrer finden hier nicht nur wissenschaftlich fundierte Grundlagen, sondern auch altersgerechte, methodisch vielfältige Unterrichtsmaterialien zu allen thematisch relevanten Aspekten der Gewaltprävention: Die 18 Bausteine fokussieren nicht nur auf Gewalt und Mobbing, sondern thematisieren auch soziale Wahrnehmung, Resilienz, konstruktive Konfliktlösung, Klassenregeln, Sport und Fair Play, sexualisierte Gewalt, sichere Schulwege etc. – Einen Überblick über Inhalte und Intentionen des umfangreichen Schulwerkes, das auch die Eltern einbezieht, vermittelt die Buchrezension von Prof. Dr. Herbert Ulonska.

Spontan-Intervention bei Mobbing oder Gewalt

Natürlich wird es im schulischen Alltag immer wieder einmal Mobbing- oder Gewaltsituationen geben, die Lehrkräfte dazu veranlassen, das Thema spontan im Unterricht aufzugreifen, zum Beispiel wenn einzelne Kinder in der Klasse drangsaliert werden. In diesem Fall sei es besonders wichtig, die Mitschüler auf Klassenebene zu aktivieren, betont Mechthild Schäfer in dem oben verlinkten Interview. Der Grund: Bei Mobbingprozessen sind nicht nur Täter involviert, sondern auch Zuschauer, Verteidiger und „Täter-Assistenten“, was die Kinder jedoch erst ab der zweiten Jahrgangsstufe differenzierter wahrnehmen könnten (vgl. dazu genauer: Mechthild Schäfer auf der oben verlinkten Website der LMU).

Der zweistündige Unterrichtsbaustein „Mobbing, nein danke!“ richtet sich an Schüler der 3. und 4. Jahrgangsstufe und veranschaulicht die Rollenverteilung im Mobbingprozess anhand der Geschichte von Jakob, der plötzlich von zwei ehemals befreundeten Mitschülern gemobbt wird und deshalb am liebsten nicht mit auf die Klassenfahrt kommen möchte.

Die Schüler üben in der ersten Stunde den Perspektivwechsel und versetzen sich in Täter, Opfer und Mitläufer. In der zweiten Stunde lernen sie, dass auch diejenigen den Täter unterstützen, die wegsehen und nichts tun. Ausgehend von einer zweiten Geschichte erleben sie dabei „hautnah, wie sehr auch Unbeteiligte eine Gewaltsituation beeinflussen können und werden angeregt, selbst Zivilcourage zu zeigen und einzuschreiten“.

Wehr dich — aber richtig!

Natürlich ist es für Kinder in akuten Gewaltsituationen besonders wichtig, sich schützen zu können. Doch wie geht das eigentlich genau? Schlagfertigkeitstrainer Matthias Pöhm gibt in der ZDF-Reportage „Hilfe bei Mobbing in der Schule“ gute Tipps: „Es ist immer besser, was zu sagen, als nichts zu sagen“, erklärt er den Kindern. Er zeigt ihnen, wie sie eine selbstbewusste Körperhaltung einnehmen, hält die Kinder dazu an, dem Angreifer beim Reden in die Augen zu sehen, rät ihnen, mit Ich-Botschaften verbal zu deeskalieren, wenn physische Gewalt droht, und er übt mit den Schülern, wie sie dem Aggressor mit einer schlagfertigen Replik den „Wind aus den Segeln nehmen“. — Lauter Strategien und Techniken, die man auch im Unterricht mit Rollenspielen trainieren kann. Dabei können auch die Mitschüler mitmachen und Zivilcourage und „Einmischen“ üben.

Martina Niekrawietz

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