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Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

Das gute Tafelbild

Die Visualisierung von Lerninhalten ist gerade im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung von immenser Bedeutung. Hier spielt das altbewährte Tafelbild eine nicht zu unterschätzende Rolle. Damit es eine gute visuelle Unterstützung bietet, gilt es ein paar wichtige Kriterien zu beachten.

Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung: Das gute Tafelbild Achten Sie beim Anlegen des Tafelbildes auf optische Balance und ausgeglichene Füllmenge © MK-Photo - Fotolia.com

Kreide, Lineal, Schwamm und Tafel — die typischen Accessoires des Lehrberufes wirken beinahe altmodisch neben Laptop, Flipchart und Whiteboard. Dennoch sind sie untrennbar mit der Vorstellung des Lehrens verbunden und werden mit dem Berufsstand assoziiert.

Im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung ist das herkömmliche Tafelbild mit weißer Kreideschrift aus anderen Gründen eher selten zu finden. Die Tafelarbeit nimmt dennoch einen wichtigen Platz als unterrichtliches Mittel ein und ist geprägt von Visualisierung und bildhafter Darstellung. Warum ist es nötig, gute Tafelarbeit zu planen und wie sieht diese aus?

Schüler lernen über die verschiedenen Sinne. Je nach bevorzugtem Wahrnehmungskanal kann man ganz pauschal in unterschiedliche Lerntypen wie auditive, visuelle oder kinästhetische Lerner klassifizieren. Das Sehen und Hören spielt hierbei die größte Rolle — am besten ist die Lernleistung, wenn man über Sehen, Hören, Kommunizieren und Eigentätigkeit gleichzeitig lernt. Es liegt daher auf der Hand, der Visualisierung im Unterricht ein besonderes Augenmerk zu schenken. Dies geschieht unter anderem über den Einsatz der bewährten Tafelarbeit.

Basics für gute Tafelarbeit

Im Umgang mit der Tafel gilt es einige Basics zu beachten. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Tafel sauber gewischt ist, Magnete, Kreide und andere Hilfsmittel griffbereit liegen und der Tafeldienst weiß, wie man die Tafel effizient wischt. Die Sicht zur Tafel sollte für alle Schüler gut gewährleistet sein. Das bedeutet einen kritischen Blick auf die Sitzordnung und Raumorganisation.

Literatur zum Thema:

Almuth Bartl: Viele klitzekleine Tafelspiele für die Grundschule. Donauwörth 2011

Roland Bühs: Zeichnen, Visualisieren, Strukturieren: Grafischer Werkzeugkasten für Pinnwand, Flipchart & Co. Weinheim 2013

Tony Buzan: Das Mind-Map-Buch. München 2013

Bei Schülern mit Wahrnehmungseinschränkungen sind die Sichtachse und der richtige Abstand zur Tafel wichtig. Bei Schülern mit Autismus-Spektrumsstörungen kann es hilfreich sein, sie mittig und symmetrisch zur Tafel zu platzieren. Und bei Schülern mit Sehbehinderung achtet man auf wenig Blendung durch Gegenlicht. Für alle Schüler ist eine sehr gute Ausleuchtung und passendes Tafellicht ausgesprochen wichtig.

Die reguläre Tafelfarbe ist nach wie vor in den meisten Fällen ein dunkles Grün. Daher sollten Sie bei allen verwendeten Materialien an der Tafel auf gute Kontrastierung und klare Farbgebung setzen. Farbige Unterlegung von Bildern oder auch Schrift kann helfen, den optischen Kontrast noch deutlicher hervorzuheben. Optische Strukturierungsmaßnahmen wie Rahmen, Linien, Zeilen und andere grafische Zeichen helfen zu noch größerer Klarheit bzw. Deutlichkeit. Wenn Sie laminierte Bilder oder Medien verwenden, lohnt es sich, matte Laminierfolie zu verwenden, da die herkömmliche Klarfolie im Licht spiegelt und nicht von jedem Sitzplatz aus gute Sicht gewährleistet.

Vorsicht vor visueller Überladung

Im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung werden an der Tafel viele ritualisierte Lernaktivitäten visualisiert, zum Beispiel Wochentag, Wetterkarte, Kalender, Stundenplan, Klassendienste u.v.m. Bleiben diese Visualisierungshilfen täglich an der Tafel hängen, so schränkt das die Gesamtfläche erheblich ein. Auch wenn eine Seitentafel nicht unmittelbar für ein aktuelles Tafelbild gebraucht wird, so stört die vollgehängte Seite doch den optischen Eindruck und wirkt überladen — Schüler mit Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen werden davon unnötig abgelenkt.

Ein gutes Tafelbild hat ein Thema und eine Überschrift sowie eine ordnende Struktur. Die saubere Tafelfläche wird ausgenutzt, das Tafelbild enthält wenig, gut lesbaren Text. Mithilfe grafischer Elemente werden Strukturierungshilfen gegeben, die Wahrnehmungsgesetze werden beachtet. Am guten Tafelbild kann man idealerweise den Stundenablauf erkennen, es wirkt klar und unkompliziert.

Bei der Frage, wie wir Optisches wahrnehmen, kann im Zusammenhang mit dem Tafelbild ein Rückgriff auf Gesetze der Werbung genommen werden: Bildmotive etwa in Din-A4-Größe werden durchschnittlich ca. 2 Sekunden lang betrachtet. Der Blickverlauf wird durch die Rangfolge von Motiven gesteuert, beispielsweise betrachtet man immer Menschen vor Dingen oder Gruppen vor Einzelmenschen. Diese Gesetzmäßigkeiten der selektiven Wahrnehmung kann man durchaus in der Gestaltung des Tafelbildes berücksichtigen.

Handwerkliche Gütekriterien

In Bezug auf die handwerklichen Gütekriterien an ein gutes Tafelbild sind einige Aspekte zu beachten:

Die Raumaufteilung sollte symmetrisch angeordnet sein, meist in Leserichtung oder tabellarisch. Achten Sie auf optische Balance und ausgeglichene Füllmenge. Die Seitentafel kann für weniger Wichtiges, für Seiten-Gedanken genutzt werden. Die Schüler sollen leicht erkennen, welche Schrift zu welchem Bild gehört. Werden die einzelnen Elemente zu dicht gruppiert, so entsteht eine starke Blockwirkung, die verwirren kann.

Zeichnungen und Bilder werden ansprechend gestaltet und präsentiert. Farbliche Kontraste erhöhen die Lesbarkeit. Die Bilder sind der Leseniveaustufe der Klasse angemessen. Bilder werden möglichst einheitlich in einer Bildleseniveaustufe gewählt und eine Mischung vermieden (beispielsweise nur Fotos oder nur Zeichnungen). Beim Einsatz vieler Bilder (z. B. für eine Bildergeschichte) kann die Aufmerksamkeitslenkung durch Teilkolorierung erfolgen. Das bedeutet, in einem Schwarz-Weiß-Bild werden nur ganz bestimmte Einzelheiten farbig markiert, etwa um die Veränderungen von einem Bild zum nächsten zu kennzeichnen. Der Einsatz von Leselupe, Schlüsselloch oder anderen Rahmen hilft ebenfalls, um mit einem Hilfsmittel komplexe Bilder leichter lesen zu können.

Farben können mit Bedeutung hinterlegt werden. Achten Sie aber generell auf gute Kontrastierung und Absetzung vom Hintergrund. Mit Farben kann man sehr wirkungsvoll strukturieren. Schriftfarben können Schülern mit Sehbehinderung angepasst werden, um das Lesen zu erleichtern. Ein kräftiges Rot-Grün kann manchmal besser sein als Schwarz-Weiß – hier ist der Austausch mit den Therapeuten gefragt.

Verwenden Sie Zeichen und Symbole, Pfeile, Denk- und Sprechblasen, Strichzeichnungen etc., um das Tafelbild schülergerecht und optisch ansprechend zu gestalten. Auch Materialien wie Poster, Bilderrahmen, Klammern, Magnete, Moosgummi, Pappe usw. helfen zur strukturierten Gestaltung. Beliebt sind solche Elemente wie „Explosion“ oder „Denkblase“, um besonders markante Stellen zu kennzeichnen.

Die Schrift richtet sich nach der Lesefähigkeit der Schüler. Häufig bereiten Lehrer im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung bereits zu Hause Ausdrucke vor, z. B. Überschriften, um für optimale Lesbarkeit und schnellen Einsatz zu sorgen. Dadurch werden mögliche Störungen des Unterrichts vermieden, da die Zeitdauer des Anschreibens wegfällt. Der Nachteil ist die mangelnde Flexibilität, beispielsweise beim Notieren von spontanen Schülerbeiträgen, Ideen oder Vermutungen. Die Schriftgröße muss der Sehfähigkeit angepasst sein, besonders bei Schülern mit Sehbehinderungen. Nicht immer bedeutet das, eine möglichst große Schrift zu nutzen. Bei manchen Sehbehinderungen ist das Abtasten mit den Augen dann sogar eher erschwert, je größer die Schrift ist. Auch hier ist die Zusammenarbeit mit den Therapeuten hilfreich.

Die jeweilige Funktion des Tafelbildes richtet sich nach der gewünschten Zielsetzung. Das Tafelbild kann als Dokumentation den Stundenverlauf aufzeigen. Es kann der Visualisierung dienen und in lernförderlicher Weise den Verlauf veranschaulichen. Ebenso erleichtert die Darstellung der Sachstruktur an der Tafel die Ergebnissicherung. Für alle Beteiligten werden an der Tafel Ergebnisse, Zwischenergebnisse oder Vermutungen und Ideen gesammelt. Und nicht zuletzt dient die Tafelarbeit dem lehrerzentrierten Unterrichten, da es die Schüler stark „nach vorn“ fokussiert und so die Aufmerksamkeit lenkt.

Aus diesen Überlegungen heraus wird man als Lehrer auch entscheiden, welche Form von Tafelbild in einer Unterrichtsstunde gewählt wird.

Beim statischen Tafelbild bleibt während des Unterrichts alles am Platz und unverändert, während das dynamische Tafelbild erst im Verlauf der Stunde vor den Augen der Schüler entsteht. Standardmäßig verwendet man in der Regel eine interaktive Form, bei der die Schüler an der Entstehung beteiligt sind und selbstständig neue Elemente hinzufügen sollen und dürfen. Die Art und Form des Tafelbildes in seiner didaktischen Funktion hängt daher vom jeweiligen Inhalt, Ziel und Methode des Unterrichts ab.

Claudia Omonsky

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