Fach/Thema/Bereich wählen
Best-Practice-Schule

Gut vernetzt: Integration gemeinsam schultern

Kinder mit Migrationshintergrund bleiben nicht auf der Strecke, wenn sie von Anfang an durch Kindergarten und Schule integriert werden. Leuchtturmschulen können mit ihren Konzepten, die auch die Eltern einbeziehen, hier Vorreiter sein.

Best-Practice-Schule: Gut vernetzt: Integration gemeinsam schultern Es ist wichtig, Schüler/-innen mit Migrationshintergrund schnell in die Schulgemeinschaft zu integrieren © Robert Kneschke - stock.adobe.com

„Die Kinder und ihre Eltern wissen oft gar nicht, wie Schule in Deutschland funktioniert, manche kennen keinen Kalender, geschweige denn ein Hausaufgabenheft oder eine Bibliothek", sagt Lydia Puschnerus auf der Website tagesschau.de. Die Lehrerin unterrichtet an einem Berliner Gymnasium eine Vorbereitungsklasse, fühlt sich aber oft „eher als Sozialarbeiterin“. Individuelle Förderung gebe es wenig und nur wenn „ein Kind Glück hat, gerät es in die Klasse eines guten, engagierten Lehrers, der seine Freizeit für Elterngespräche oder das Ausfüllen von Anträgen opfert“. Hat das Kind Pech, „bleibt es auf der Strecke“. (ebd.)

Lehrkräfte fühlen sich oft alleingelassen mit viel zu großen Klassen, in denen Schülerinnen und Schüler verschiedenster Kulturen gemeinsam lernen sollen. Viele von ihnen bringen keine oder nur geringe Deutschkenntnisse mit. und es fehlt an allen Ecken und Enden an personellen und auch digitalen Ressourcen, die doch für eine individuelle Sprachförderung und zieldifferenten Unterricht in den heterogenen Lerngruppen so wichtig wären. 

Und trotz alledem gibt es Schulen, an denen die Integration zugewanderter Schüler besonders gut gelingt. Der folgende Beitrag stellt Ihnen ein ermutigendes Best-Practice-Beispiel vor: Eine Grundschule, die die Last auf viele Schultern verteilt und Ihnen konkrete Anregungen für Ihre integrative Schularbeit gibt.

Ressourcen vor Ort nutzen und sich vernetzen

Die Grundschule „Kleine Kielstraße“ liegt in einem sozialen Brennpunkt in Dortmund. Gemeinsam mit einem konfessionellen Familienzentrum und dem Familien-Projekt der Stadt Dortmund gründete sie im Jahr 2011 das Netzwerk „INFamilie“, bei dem mittlerweile auch eine örtliche Kita sowie das Förderzentrum der Diakonie mitmachen. 

Alle Akteure verfolgen das Ziel „den Kindern (...) angemessene Startchancen in Schule und Beruf zu ermöglichen und möglichst früh passgenaue, unterstützende Angebote“ zu machen. Dabei haben alle die „gesamte Bildungsbiographie“ der Kinder im Blick, und nicht nur den Abschnitt, für den sie normalerweise zuständig wären. „Wir haben versucht, alle Bildungsangebote, die es im Quartier schon gibt, zusammenzufügen (...) und danach einfach zu gucken, wo sind noch Lücken im Bildungsprozess und wo müssen wir noch aktiv werden und neue Angebote entwickeln“, erzählt die stellvertretende Schulleiterin Maren Reimann in der Videopräsentation auf der Website des Deutschen Schulportals

Schon früh werden die Kinder von ein bis drei Jahren in Betreuungsangeboten mit gutem Betreuungsschlüssel an die deutsche Sprache herangeführt. Räumlichkeiten aller an INFamilie Beteiligten werden flexibel genutzt und verschiedene „Brückenangebote“ gewährleisten „einen lückenlosen frühkindlichen Bildungsprozess“ (ebd.). So kommen etwa Vier- bis Fünfjährige ohne Kitaplatz in die Spielgruppe „Erdmännchen“, die wochentags von 8:00 Uhr bis 12:15 Uhr in den Schulräumen für die Ganztagsbetreuung von pädagogischen Fachkräften betreut wird und die Kinder auf den Schulbeginn vorbereitet.

Elternarbeit mit niederschwelligen Kontaktangeboten

Gute Bildungsarbeit mit zugewanderten Schülern nimmt selbstverständlich auch deren Eltern ins Visier. Das Team der Grundschule „Kleine Kielstraße“ nutzt dazu gleich den allerersten Kontakt, die Schuleingangsdiagnostik. Bei Entwicklungsdefiziten in den Bereichen Sprache, Motorik oder Zahlenverständnis besuchen die Kinder einen vorschulischen Förderkurs. 

Auch die Eltern werden unterstützt: Ab Dezember findet allmonatlich bis zur Einschulung ein Elterngesprächskreis statt: Hier können sie sich untereinander austauschen und bekommen Tipps zur vorschulischen Förderung ihrer Sprösslinge und „erste Einblicke in Schulalltag und Unterricht“ (ebd.). Und in einem Elterncafé können Mütter und Väter Kontakte knüpfen, sich bei individuellen Problemen beraten lassen oder auch Sprach- und Computerkurse besuchen. Hier kümmern sich die sogenannten „Rucksackmütter“, die bereits Deutsch sprechen, um die „Eltern aus der gleichen Ethnie“ (ebd.).

Bei jeder Schulanmeldung von neuzugewanderten Kindern wird systematisch nach jüngeren Geschwistern gefragt, um sie dann direkt „in die entsprechenden Angebote des Netzwerks zu vermitteln“ (ebd.). Das wiederum gibt den Eltern überhaupt erst den nötigen Spielraum, um Deutsch zu lernen oder sich anderweitig weiterzubilden. 

Leuchtturmschulen: Spicken erwünscht!

Eine Lehrerfortbildung besonderer Art bietet übrigens die Deutsche Schulakademie in Kooperation mit der Hessischen Lehrkräfteakademie. Das Motto lautet dabei „Von den Besten lernen“. Die Teilnehmer an dem Pilotprojekt „Willkommen, Ankommen, Weiterkommen“ hospitieren jeweils an vier Schulpreisträgerschulen, die „erfolgreiche Konzepte für den Umgang mit Vielfalt entwickelt haben“, so heißt es in der Projektbeschreibung auf der Website des Deutschen Schulportals

Parallel dazu entwickeln die Teilnehmer in einer Pädagogischen Werkstatt mithilfe von zwei erfahrenen Projektleitern individuelle Konzepte für ihre eigenen Schulen. Ausgangspunkt der jeweiligen Schulteams sind dabei die jeweils „drängenden Probleme“, doch letztlich geht es immer um „eine Veränderung und Weiterentwicklung der Schule als Ganze [sic!]“ (ebd., „Mehr zum Thema“, „Ziel“).

Sehen, was erfolgreich integrierende Schulen anders machen und von ihnen lernen – das funktioniert sicherlich auch in anderen Bundesländern, denn die Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet und ihre pädagogischen Konzepte sind im Netz detailliert dokumentiert (ebd.). – Warum nicht einfach einmal bei Ihrer regionalen Lehrerfortbildungsakademie nachfragen, ob nicht ein vergleichbares Projekt mit Hospitation an nahegelegenen Leuchtturmschulen angeboten werden könnte?

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Migration
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×