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Informationskompetenz

Google clever nutzen

Einen Suchbegriff eingeben und die ersten drei Fundstellen öffnen, fertig! — Schüler machen sich die Online-Recherche oft allzu leicht. Doch richtig googeln will gelernt und durchdacht sein. Unterrichtskonzepte im Netz helfen dabei.

Informationskompetenz: Google clever nutzen Die richtige Webrecherche will geübt sein, denn man muss eine gezielte Auswahl treffen können © Marco2811 - Fotolia.com

Alljährlich erforscht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest, wie Kinder und Jugendliche die Medien nutzen. Dabei widmet sich die KIM-Studie der Altersgruppe 6 bis 13 und die JIM-Studie den 12- bis 19-Jährigen. Eine der zentralen Fragestellungen ist dabei, wie, wo und worüber sich Kinder und Jugendliche informieren. Genau wie bei erwachsenen Deutschen ist auch bei Schülern beider Altersgruppen Google die bekannteste und meist genutzte Suchmaschine (vgl. KIM, S. 48 f. und JIM, S. 40 f.). Mit zunehmendem Alter konsultieren die Kids Suchmaschinen immer häufiger: bei den 14- bis 19-Jährigen sind es im Durchschnitt bereits knapp 90 Prozent (JIM, S. 41). 

Bevorzugt nutzen besonders Jugendliche Google für schulische Zwecke, bleiben dabei allerdings oft an der Oberfläche: „Die meisten Schüler/innen, die sich auf ein Referat (...) vorbereiten, geben ihr Thema in Google ein, rufen die ersten drei Links auf — und das war's“, so schildert ein Lehrer in einem Beitrag zum Thema (Internet-)Recherche seine Erfahrungen mit der Suchmaschinen-Kompetenz seiner Schüler. Wenn „Schüler oder Studenten reflexhaft nur die ersten Treffer betrachten und Fundstellen bedenkenlos kopieren, um daraus Hausaufgaben oder Hausarbeiten zu collagieren“, wird der Umgang mit Google zur echten „Herausforderung“, so der Deutsch- und Mediendidaktiker Prof. Dr. Matthias Ballod in seinem überaus lesenswerten Beitrag „Googeln im Unterricht zur Vermittlung von Informationskompetenz“ (S. 1). 

Es stellt sich also die Frage: Wie vermitteln Sie als Lehrkraft Schülern einen überlegteren Umgang mit Google? Dieser Beitrag bietet Ihnen dazu didaktische und methodische Anregungen und Materialien.

Suchmaschinen-Know-how für Lehrer per Klick

Dank der pointierten Informationsseite auf klicksafe.de muss man keine IT-Lehrkraft sein, um sich schnell in der Materie zurechtzufinden: Überschaubare und verständliche Texte informieren u. a. über die verschiedenen Suchmaschinentypen, ihre Funktionsweise sowie über Jugend- und Datenschutz. 

Die Antwort auf die Frage „Wie kommt ein Ranking zustande?“ muss allerdings um einen wichtigen Aspekt ergänzt werden: Der von Google bis 2013 genutzte Page-Rank-Algorithmus ist mittlerweile nicht mehr maßgeblich für das Ranking (d. h. die Reihenfolge) der Suchergebnisse. Der Page-Rank wurde durch den Suchalgorithmus „Hummingbird“ (kurz erklärt bei golem.de) abgelöst. Dieser versucht nun beispielsweise auch, „Phrasen zu erkennen und Konzepte in langen Suchanfragen zu verstehen“ (ebd.).

Natürlich ist der Input bei klicksafe.de sehr basal. Gerade Nicht-Informatiker suchen zu bestimmten Aspekten möglicherweise eher verständlich aufbereitetes und gut strukturiertes Detailwissen. Hier wird man auf der Website suchfibel.de fündig: Der Suchmaschinenexperte Stefan Karzaunikat berücksichtigt und vergleicht verschiedene Suchmaschinen und beleuchtet hier auch „die Kunst des Suchens“ in all‘ ihren Facetten.

Relevanz von Google-Ergebnissen einschätzen lernen

Steht bei Google wirklich das zuoberst, was am relevantesten ist? Da viele Schüler dazu neigen, unbedarft lediglich die ersten Fundstellen der Ergebnislisten zu berücksichtigen, sollte dies im Unterricht unbedingt angesprochen werden. Google passt seine Algorithmen laufend an, um die Suchergebnisse nach Relevanz zu gewichten. Über 200 Parameter wertete bereits der PageRank-Algorithmus aus. Diese Parameter sind zum Teil geheim, zum anderen Teil werden sie bei der Suchmaschinenoptimierung gezielt eingesetzt, um eine Seite auf den Spitzenplätzen zu positionieren. Auch finden sich auf den oberen Plätzen häufig Anzeigen. Wer also Geld für SEO-Maßnahmen (wie z. B. den Kauf externer Links) oder für Anzeigenwerbung investiert, ergattert die oberen Plätze. 

Vor diesem Hintergrund erkennen die Schüler, warum auch die Ergebnisse auf den Google-Ergebnisseiten 2 ff. unbedingt einen Blick wert sind. Eine Analyse des Klickverhaltens von Google-Usern (hier eine Zusammenfassung in einem SEO-Blog) verdeutlicht den Informationsvorsprung, der damit zu erzielen ist: nur 0,9 Prozent aller User beachten die Seite 2 der Suchergebnisse, „obwohl dort unter Umständen eine bessere Antwort für ihr Problem zu finden ist“ (ebd.). Dies könnte mit einer Schätzfrage an die Schüler verbunden und an der Tafel grafisch dargestellt werden (Quadrat mit 10 x 10 „cm“ Seitenlänge, ein Quadratzentimeter schraffiert). 

Unterrichtseinheiten zum Thema Online-Recherche

„Wie finde ich, was ich suche?“ — das ist der Titel einer Lehrer-Broschüre zum Thema Suchmaschinen auf klicksafe.de. Die ersten 40 Seiten der umfangreichen Publikation widmet sich den vier Themenbereichen

  1. Sachinformationen zu Suchmaschinen
  2. Vom Suchen und Finden
  3. Datenschutz und Suchmaschinen
  4. Jugendschutz und Suchmaschinen.

Die mit Beispielen, Illustrationen und Screenshots, Infokästen und praktischen Tipps aufbereiteten Texte liefern Lehrkräften nicht nur das erforderliche Hintergrundwissen für den Unterricht, sondern jeweils auch methodische und didaktische Tipps („Hinweise für den Unterricht“). 

Auf den Seiten 43 bis 75 finden sich dann die entsprechenden Konzepte und Materialien für sechs einstündige Unterrichtseinheiten (UE) zu unterschiedlichen Themen für die Klassen 5 bis 10:

  • Richtig Fragen stellen (AB 1): Hier lernen die Schüler Techniken für die Sucheingabe, u. a. den Gebrauch von Synonymen, das Umformulieren oder auch die Reduzierung von Fragen auf ergebnisrelevante Begriffe etc.
  • Kindersuchmaschine vs. Erwachsenensuchmaschine (AB 2): Ein Plädoyer für Kindersuchmaschinen, die für Schüler bis 12 Jahre ausgelegt sind.
  • Suchtipps (AB 3): Hier geht es um die Suche mit Booleschen Operatoren (AND, OR NOT ...) und um weitere einfache Tricks, um die Suche zu präzisieren.
  • Suchergebnisse beurteilen, Google-Ergebnisseiten (AB 4): Eine Google-Ergebnisseite kann ganz schön verwirrend sein. Diese UE hilft bei der Orientierung und der Einordnung der Fundstellen.
  • Suchergebnisse beurteilen; Quellen einschätzen (AB 5): Hier üben die Schüler, die Glaubwürdigkeit von Quellen einzuschätzen .
  • Suchergebnisse per Checkliste beurteilen (AB 6): Mit einem „Checkbogen“ prüfen die Schüler die Seriosität von Quellen systematisch.

Praktisch: Den schnellen Überblick über vorgeschlagene Methoden, Schwierigkeitsgrad und Jahrgangsstufe („Anspruch“) sowie über das erforderliche Equipment („Zugang Internet/PC“) gibt eine Übersichtsseite zu Beginn des Materialteils (S. 43).

Die minutiös geplanten Stundenkonzepte sorgen für einen abwechslungsreichen Unterricht: Die Schüler arbeiten in unterschiedlichen Sozialformen und mit verschiedenen Medien (Videos, Podcasts, Internet ...), sie diskutieren, spielen, üben online und offline und werden kreativ, zum Beispiel beim Erstellen eines Online-Jeopardys in der UE „Richtig Fragen stellen“ (S. 45). Mit klaren Bezügen zum Infoteil und Lösungsblättern wird die Stundenvorbereitung für Lehrer zur Minutensache. Selbst die Vertiefung des Gelernten (mögliche Hausaufgabenstellungen) ist berücksichtigt.

Die Risiken von Google beleuchten

Google ist bei der Informationssuche hilfreich, birgt jedoch auch viele Risiken für den User, die ebenfalls im Unterricht thematisiert werden sollten: Zu nennen wären hier zum Beispiel ein möglicher Missbrauch von Daten (gläserner User), ein letztlich manipulativer Umgang mit Informationen (Filterblase!), Abhörpraktiken von Geheimdiensten oder auch Zensurversuche in totalitären Staaten. 

Viele dieser Themen könnten dabei von Schülern höherer Klassen eigenständig recherchiert und präsentiert werden. Besonders kurzweilig ist die Präsentation, wenn die Schüler dabei unterschiedliche Positionen in einer vom Lehrer moderierten Diskussionsrunde vertreten, zum Beispiel zum Thema „Datenmissbrauch für Werbung“: Hier könnten die Rollen sich dann etwa auf einen „umsatzverantwortlichen Google-Manager“, einen „Werbetreibenden“, einen „skeptischen User“, einen „unkritischen User“ und einen „Experten“ verteilen. Bei der Vorbereitung üben die Schüler dann, ein Thema gezielt unter einem bestimmten Blickwinkel zu recherchieren. Und sie erleben, dass man nur mit gut strukturiertem Wissen wirkungsvoll argumentieren kann.

Martina Niekrawietz

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