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Digitaler Unterricht

Lernen mit Internet, Tablet & Co.

Das Lernen mit digitalen Medien will ebenso gelernt sein wie ein maßvoller und überlegter Umgang mit Internet, Handy und PC. Beginnen sollte man damit am besten schon in der Grundschule. Lernsoftware, Lernplattformen und Datenbanken bieten Unterstützung.

Digitaler Unterricht: Lernen mit Internet, Tablet & Co. Auch schon in der Grundschule sollte das Arbeiten mit digitalen Medien geübt werden © Syda Productions - Fotolia.com

Der Neurologe Manfred Spitzer warnte in seinem gleichnamigen Buch 2012 eindringlich vor einer „Digitalen Demenz“. Sein Rundumschlag gegen die neuen Medien wurde kontrovers diskutiert und manchmal auch bespöttelt. Zum Beispiel am 8.01.2015 von Panaiotis Gavrilis in dem Beitrag „Digitale Idioten?“ in Deutschlandradio Kultur, in dem Spitzer seine Kern-These so formuliert: Die heftige Benutzung digitaler Medien führe zu einem geistigen Verfall und zu „Beschwerden, die junge Menschen vorbringen: Sie können sich nichts mehr merken, sie sind unkonzentriert, sie kriegen nichts mehr auf die Reihe“ und sie würden entscheidungsunfähig, so Spitzer. 

Besonders den Einsatz von Computern im Unterricht lehnt Spitzer kategorisch ab: Pisa und weitere Studien hätten gezeigt, dass Schüler mit Computer in der Schule schlechter seien als Gleichaltrige ohne Computer. „Was brauchen wir denn noch für Daten, um zu zeigen, dass Computer in der Grundschule nichts zu suchen haben?“ ruft er entrüstet in der ZDF-Sendung Peter Hahne

Lernsoftware im individualisierten Unterricht 

Sein Gesprächspartner Horst Hack, Leiter der Grundschule Niederbiel in Hessen, teilt seine Meinung nicht. Seiner Erfahrung nach gibt es gute Lernprogramme, die er auch einsetzt, etwa zur Differenzierung im Unterricht: Im vergangenen Schuljahr zum Beispiel sei ein italienischer Junge in seine Klasse gekommen, der kein einziges Wort Deutsch konnte. Da Hack allein war und deshalb nur wenig Kapazität für ein einzelnes Kind hatte, lernte dieser Junge mit einem Deutschprogramm, während der Lehrer mit den restlichen 25 Kindern arbeitete. 

Besonders auch in inklusiven Klassen eröffnet Lernsoftware Wege für zieldifferentes Lernen, selbst bei einem sehr heterogenen Kenntnisstand der Schüler. Doch wo finden Sie als Lehrer ohne großen Zeitaufwand geeignete Programme für Ihren Unterricht?

Empfehlenswerte Lernsoftware, ständig aktualisiert

Die Autoren der Website internet-abc.de sichten die Flut der Angebote und stellen Lehrkräften Informationen zu mehr als 230 Lernprogrammen zur Auswahl. Mithilfe eines Suchformulars sucht man differenziert nach Fach, Alter der Schüler (Grundschule oder Sekundarstufe), Stichwort oder Titel der Lernsoftware und kann sich die Ergebnisse wahlweise alphabetisch geordnet oder sortiert nach Alter, Preis und Bewertung ausgeben lassen. — Sämtliche Programme wurden ausgiebig getestet und bewertet (mit ein bis fünf Sternen). Entscheidende Kriterien für die Gesamtbewertung sind Lernwert, Motivationsförderung und Bedienung. 

Software für Förderunterricht, Förderschulen und inklusive Klassen

Spezifische Lernsoftware (und auch Spiele, Bücher etc.) für den Förderunterricht bietet die Website spielundlern.de: Das Onlineportal differenziert nach verschiedenen Arten von Behinderungen, Förderbereichen und Teilleistungsstörungen (Geistige Behinderung, Verhaltensprobleme, verschiedene Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, Dyskalkulie, Legasthenie, ADS, ADHS etc.), bietet aber auch Materialien zur Förderung von Hochbegabten oder Übungen der Stille. 

Direkt online können Grund- und Förderschüler auf der Webiste Mauswiesel üben: Mathematik, Deutsch, Englisch, aber auch Logik/Spiel, Wissen und Kunst/Musik. Mit einem Klick auf „Deutsch“ gerät man auf eine Überblicksseite (ABC, Lesen, Rechtschreibung, Grammatik …) und von dort auf Aufgabenübersichten. Da können die Kinder zum Beispiel im Bereich „Erzählen und schreiben“ Minibooks oder Geschichten von Kindern im Internet lesen oder schreiben. Die Arbeitsaufträge richten sich in einfacher Sprache direkt an die Kinder, zum Beispiel so: „Melvill gibt dir Tipps, wie du deine Geschichten für andere richtig spannend machen kannst.“ Mit diesem Tool können die Kinder auch selbstständig arbeiten.    

Datenbanken und Lernplattformen

„SODIS“ nennt sich die Datenbank des Medieninstituts der Länder (FWU). Sie wird beständig gepflegt und enthält Informationen zu unterrichtsrelevanten Medien, meist mit Kurzbeschreibung, und fachdidaktischen Begutachtungen. In der komfortablen „Detailsuche“ navigiert man mit Pfeilmenüs (Bildungsbereich, Alter/Klasse, Fach, Suchwort, Medientyp) und die „Schnellsuche“ listet die Medien nach Suchbegriffen. Wer ein Produkt vermisst, kann es selbst eintragen. Der Datensatz wird dann redaktionell geprüft und freigeschaltet. 

Auch online gibt es eine schier unüberschaubare Menge von digitalen Lernangeboten. Wissenswertes dazu nebst Link zu einer aktuellen Top-20-Liste von international verbreiteten Lehr-Lernplattformen findet sich bei lehrerfreund.de.

Dass spielerisches Lernen mit Lernsoftware Kindern und Jugendlichen so viel Spaß macht, dass sie sich auch in ihrer Freizeit damit beschäftigen, zeigt der große Erfolg der Quiz-App Quizduell. Weltweit ist sie bereits auf 16 Millionen Smartphones installiert: Schüler beantworten im Wettstreit mit Freunden anspruchsvolle Wissensfragen — und punkten mit ihrem Wissen. Der Schweizer Lernsoftwareexperte Marc Bodmer meint zwar, es gehe dabei weniger darum, Neues zu lernen, als vielmehr darum, sich mit anderen zu messen, der digitalen Demenz wirkt dieses Spiel jedoch vermutlich allemal entgegen, denn immerhin muss man kurz nachdenken, bevor man die Fragen beantwortet. 

Manfred Spitzer beklagte in der eingangs erwähnten Talksendung auch, dass Kinder und Jugendliche aufgrund ihres überbordenden Medienkonsums kaum noch lesen würden. Sicherlich zu Recht. Doch das Onlineportal Antolin steuert dagegen. Der kostenpflichtige, aber erschwingliche Zugang zu diesem Portal bietet Quizfragen zu Kinder- und Jugendbüchern für Schüler der Klassen 1 bis 10. Das Fragenrepertoire widmet sich nicht nur der klassischen Kinder- und Jugendliteratur, sondern auch wichtigen Neuerscheinungen und Büchern in vielen anderen Sprachen (Englisch, Türkisch, Spanisch …). Die Lehrkräfte bekommen einen eigenen Zugang zu Antolin und erhalten „aussagekräftige Informationen zum Textverständnis und zur Leseleistung ihrer Schüler/-innen“, die durch Antolin das Lesen für sich entdecken sollen: „Lesen ist eine Beschäftigung, die genießend erlebt werden soll. Das Lesen als der einfache und schnelle Weg des Abtauchens in eine Ander-Welt, den Alltag weit hinter sich lassend. Ein Hilfsmittel dazu möchte Antolin sein — nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Martina Niekrawietz

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