Fach/Thema/Bereich wählen
Selbstmanagement

Netiquette für Videokonferenzen

Videokonferenzen in Corona-Zeiten sind nahezu alltäglich geworden. Damit sie für all Beteiligten möglichst positiv und effektiv ablaufen, sollten einige wichtige Aspekte der Netiquette unbedingt bedacht werden.

Selbstmanagement: Netiquette für Videokonferenzen Man muss nur ein paar wenige Dinge berücksichtigen, um überzeugend „rüberzukommen“ © Rido - stock.adobe.com

„Dein Mikro ist noch aus … ja, wir hören dich … der Netzempfang ist schlecht … ich sehe dich nur im Standbild … wo finde ich die Chatfunktion … was ist das für ein Brummen …“  Videokonferenzen haben sich seit Beginn der Covid-19-Krise als ein wichtiges Werkzeug erwiesen, um Treffen und Besprechungen stattfinden lassen zu können. Mit ihrer Hilfe haben sich nicht nur die sperrigen Regeln zum Social Distancing etwas mildern lassen, sondern auch große Teile der Arbeitswelt am Leben erhalten. 

Doch trotz aller positiven Aspekte: Nach der anfänglichen spielerischen Euphorie und dem beginners mind („Ich probiere das jetzt einfach mal aus“) haben sich nach und nach einige Fallstricke gezeigt, die es zu umgehen gilt, wenn Videokonferenzen für alle Beteiligten angenehm und effektiv gestaltet werden sollen. Denn nicht alle Teilnehmer sind immer schon sehr gut mit den technischen Fragen vertraut, sodass die Überlegungen zu sozialen Konventionen und der Netiquette (Verhaltensregeln) oftmals noch nicht im Fokus stehen können. Eine damit verbundene Überforderung und resultierend die Missachtung der üblichen Kommunikationsregeln führt jedoch auch in digitalen Settings zu einer eher ablehnenden Haltung. Welche Strukturen haben sich für Videokonferenzen also bewährt? Welche Netiquette kann als allgemein anerkannt benannt werden?

Seien Sie online-sicher

Zunächst einmal ist es wichtig, sich grundlegend mit der jeweils verwendeten Technik zu befassen. Denn Online-Treffen sind hinsichtlich der Gestaltung und Umsetzung wesentlich komplexer und anspruchsvoller als Präsenzvorträge. Die direkte Verbindung und das damit verbundene verbale und nonverbale Feedback der Zuhörer fehlt ein Stück weit und müssen innerlich mitgedacht werden. Eine gute Optik hilft dabei.

Voraussetzung für einen möglichst reibungslosen Ablauf ist, dass Webcam, W-LAN und Mikrofon funktionieren und der Teilnehmer gut positioniert und beleuchtet wird. Vermeiden Sie Fenster im Hintergrund, um Gegenlicht zu vermeiden und schalten Sie wenn nötig zusätzliches Licht ein. Die Kamera auf Augenhöhe ergibt eine vorteilhaftere Perspektive als von schräg unten, darum den Laptop lieber mit einem dicken Buch etwas höher positionieren als normalerweise. Falls die W-LAN-Verbindung unstabil ist, empfiehlt sich der Wechsel auf das LAN-Kabel für den Zeitraum der Videokonferenz, so ist die Leitung einfach stabiler.

Seien Sie pünktlich

Wie bei allen Besprechungen stört es – und hier noch viel mehr –, wenn Teilnehmer nicht pünktlich erscheinen. Die nonverbalen Signale fehlen, man muss deutlich unterbrechen, um den Nachzügler einzubeziehen. Dies wirkt sich negativ auf die übrigen Teilnehmer aus und bedeutet eine gewisse Redundanz. Falls Sie unpünktlich sind, versuchen Sie, so wenig wie möglich zu stören. Man kann beispielsweise die Chat-Funktion für eine kurze Entschuldigung/Erklärung nutzen und braucht keine langwierigen Erläuterungen machen. Als Host ist es günstig, sich sehr frühzeitig einzuloggen, um eventuell technische Probleme noch beheben und alle begrüßen zu können. Auch am Ende ist es oft angenehm, wenn man als Host noch für Fragen einzelner zur Verfügung steht und nicht sofort das Meeting für alle beendet.

Seien Sie bürotauglich

Der Frühstückstisch, der Wäschekorb oder die offene Schranktür als Hintergrundkulisse vermitteln einen völlig falschen Eindruck. Man geht ja auch nicht mit dem Schlafanzug zur Arbeit. Bereiten Sie sich auf die Videokonferenz also genau so vor wie auf jedes Präsenz-Arbeitstreffen, kleiden Sie sich entsprechend und lassen Sie möglichst viel Privates außen vor. Der Out-of-Bed-Look ist natürlich ausschließlich für private Online-Treffen vorbehalten. Ebenso kann es helfen, einen neutralen Hintergrund zu suchen bzw. einen virtuellen Hintergrund zu wählen, sofern kein geeigneter Arbeitsplatz zur Verfügung steht.
Falls man voraussichtlich länger in der Besprechung ist, empfiehlt es sich, ein Getränk bereitzustellen. Das schont die Stimme und hilft bei eventuellem Hustenreiz. Essen hingegen ist ein No-Go, dies würde man im richtigen Leben auch nicht machen, wenn der Chef gerade eine Besprechung abhält.

Seien Sie kommunikativ

Die allgemeine Kommunikation ist bei Videokonferenzen aufgrund der technischen Plattformen häufig etwas verlangsamt, d. h. man muss länger abwarten, ob jemand spricht; man muss geduldiger zuhören können und sollte nicht einfach ins Wort fallen; man muss eventuell für Zwischenfragen den Chat-Rahmen nutzen, um den Vortragenden nicht zu unterbrechen. Individuelle Fragen sollten Sie daher am besten im Anschluss stellen. Die Sprache muss klar und deutlich sein. Die Sprechgeschwindigkeit spielt hierbei eine wichtige Rolle und beeinflusst die Artikulation. Falls man zu schnell spricht, wird dies im Online-Treffen oft unverständlich und man hat es als Zuhörer/-in schwer zu folgen. Dies wirkt sich so eklatant aus, dass manche Videokonferenzsysteme sogar ein Symbolsystem anbieten für „schneller“ oder „langsamer“. 

Als Host nimmt man meist die Rolle der Moderation ein. Moderationskarten oder gemeinsame Bildschirmtools wie Mindmap können dabei helfen, strukturiert zu moderieren. Bei Fragen oder Impulsen braucht es häufig die Namensnennung und direkte Ansprache der Teilnehmer/-in, da eine allgemeine Nachfrage eher passives Verhalten auslöst. Mit der direkten Ansprache steigert man die Gesprächsintensität und kann sich auf das Gesagte besser beziehen. Einzelne sind natürlich dadurch auch leichter in das Gespräch miteinzubeziehen und zu aktivieren.

Seien Sie auch mal stumm

Neben allen Kommunikationsregeln: Manchmal muss man „stumm“ sein. Damit ist gemeint, für einen möglichst störungsfreien Background zu sorgen. Schalten Sie also Handy, Telefon und Radio aus, schließen Sie die PC-Programme mit Benachrichtigungstönen, schließen Sie die Tür bzw. das Fenster. Bei mehreren Teilnehmern ist es sehr hilfreich, wenn man die eigene Oberfläche „stumm schaltet“, sofern man nicht spricht. So ist die jeweils sprechende Person besser zu verstehen, es stören wesentlich weniger Nebengeräusche – und sei es nur das Stuhlrücken oder das Tasse-Abstellen.

Zugleich ist es allerdings nicht nötig, jedes kleine Einfrieren oder Stocken in der Übertragung zu kommentieren. Die anderen Teilnehmer sehen und hören dies ja ebenfalls. Erst wenn die Störung länger dauert, kann man im Chat rückfragen oder die eigene Verbindung noch einmal überprüfen.

Seien Sie neugierig

Neben allen guten Ratschlägen zum effizienten und gelungenen Online-Treffen kann es eine gute Idee sein, sich nicht mit den etablierten Ritualen zufrieden zu geben. Wenn Sie etwas im Ablauf stört, lohnt es sich, dies zu ändern bzw. Verbesserungen anzustreben.
Zusätzliche Tools und Programme können darüber hinaus Online-Besprechungen bereichern, indem man auch hier nach und nach lernt, mit Moderations- und Kollaborationswerkzeugen zu arbeiten, sei es als Whiteboard, als Mindmap oder als Padlet. Gemeinsame Nutzung von Gruppenchat-Räumen oder die gemeinsame Arbeit am gleichen Dokument … Es gibt noch viel zu entdecken in der digitalen Arbeitswelt.

Claudia Omonsky

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Neue Medien im Unterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×