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Medienkompetenz

Papier-Apps und YouTube aus Knete: Medienbildung ohne Strom

Medienarbeit ohne Medien? Nichts leichter als das! Die Schüler können Apps, Videos und Games auch malen, basteln oder nachspielen. Dabei verarbeiten sie nicht nur die vielen Eindrücke aus den Medien und entwickeln Medienkompetenz, sondern schulen auch ihren Erfindergeist.

Medienkompetenz: Papier-Apps und YouTube aus Knete: Medienbildung ohne Strom Auch ohne Tablet lässt sich ein spannender Medienunterricht gestalten © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Medienbildung ist wichtig für die Zukunft der Schüler. Doch an vielen Schulen mangelt es noch an der Ausstattung. Dabei benötigen die Schüler nicht unbedingt Tablets, PCs und Handys, um etwas über Medien zu lernen. Mit etwas Fantasie können die Schüler die Medieninhalte, die sie in ihrer Freizeit beschäftigen, ins Klassenzimmer holen — und das ganz ohne Strom. Die folgenden vier Beispiele zeigen, wie einfach das geht.

Kinder nutzen gerne Apps in ihrer Freizeit, zu Hause oder bei Freunden. Beliebte Kinder-Apps wie „Feuerwehrmann Sam“, „Angry Birds“ oder „Talking Tom“ machen Spaß und sind optisch ansprechend. Die Frage ist nur: An welche Inhalte können sich die Kinder im Nachhinein erinnern? — Das lässt sich einfach herausfinden, indem die Schüler ihre Lieblings-Apps malen. Zunächst nennen sie in einer Fragerunde die Apps, die ihnen gefallen. Sicherlich kennen mehrere Schüler dieselben Apps und können dementsprechend Gruppen bilden. Gemeinsam malen als Team, was es bei der App zu sehen gibt: Wie sieht das App-Icon aus, also das kleine Quadrat, auf das man klicken muss? Was erscheint danach auf der Bildfläche? Welche Figuren, Muster oder Gegenstände gibt es in dieser App etc.

Lieblings-Apps malen und präsentieren

Anschließend präsentieren die Schüler ihre Ergebnisse und erklären anhand ihrer Zeichnungen, worum es in der App geht. Bei dieser Übung durchdenken die Schüler die Machart von Apps und setzen sich kritisch damit auseinander. Zum Beispiel wird einigen Kindern nicht unbedingt klar sein — und vielleicht vorher auch nicht aufgefallen sein —, dass Werbeeinblendungen gar nicht zum Spiel dazu gehören.

Die Schüler können bei dieser Übung zum einen alle Eindrücke auf dem Papier verarbeiten und sich untereinander beraten. Zum anderen erfährt der Lehrer, mit welchen Apps die Schüler sich in ihrer Freizeit beschäftigen und was davon einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Um das Thema zu vertiefen, können Informationstexte ausgeteilt werden, wie der App-Artikel des Klexikons oder der Geolino-Bericht: „Wie entsteht eine App für Kinder?“

Wenn die Schüler verstanden haben, wie eine App funktioniert, können sie sich eine eigene App ausdenken und auf Papier skizzieren. Das können Spiele-Apps sein oder auch nützliche Apps, zum Beispiel eine App für den Stundenplan.     

YouTube ohne Internet

Viele Kinder haben schon einmal zusammen mit ihren Eltern, Freunden oder Geschwistern ein Video bei YouTube oder „YouTube Kids“ angesehen: einen lustigen Clip, ein Musikvideo oder einen Zeichentrickfilm. Es ist oft erstaunlich, wie detailliert Kinder erzählen können, was sie in dem Video gesehen haben. Bei der folgenden Übung gibt es ein besonderes YouTube-Video zu sehen, allerdings ganz ohne Internetzugang: Die Schüler formen die Figuren und Gegenstände aus Knete und stellen die Handlung des Videos nach. Dabei können Sie alles mit einem Tablet filmen und anschließend schneiden.
Auch hier ist wieder Teamarbeit gefragt, denn jede Figur braucht einen eigenen „Puppenspieler“ und eine eigene Stimme. — Und gibt es in dem Video vielleicht auch einen Sprecher, Musik oder Geräusche? Den Schülern wird bei dieser Übung bewusst, wie viele Komponenten es in einem YouTube-Video gibt und sie müssen gut überlegen, wie sie dies mit Knetfiguren umsetzen können.

Weiterführende Informationen:

Medienkompetenzexperte Henning Fietze erklärt im scout Magazin, wie stromlose Medienerziehung funktioniert und welche Vorteile das hat.

Das Kartenspiel zur Mediennutzung ist ein Projekt des Offenen Kanals Schleswig-Holstein und kann kostenlos im Internet bestellt werden.

Anschließend werden diese szenischen Knet-Darstellungen vorgeführt und die Klasse bewertet gemeinsam, ob das „Knet-Video“ spannend, traurig oder lustig ist oder ob womöglich Gewalt darin vorkommt, wenn zum Beispiel beim Kinderfilm „Cars“ Autos zusammenprallen oder Zeichentrickfiguren wie „Tom und Jerry“ gemeine Streiche spielen.

Die Schüler sollen daraufhin ihre „Knet-Videos“ überarbeiten und sich überlegen, wie es auch lustig sein könnte, ohne dass Figuren dabei verletzt werden. Gelungene szenische Darstellungen werden zum Abschluss mit einem Tablet gefilmt und anschließend, wenn gewollt, geschnitten. Hier wäre ein Vergleich zwischen Original und Schülerarbeit bestimmt ein spannendes Diskussionsthema.

Schuhkartons für 3D-Spiele

Computerspiele müssen nicht unbedingt auf dem Bildschirm stattfinden. Sie können auch mitten im Klassenzimmer geschehen, indem die Schüler sie einfach basteln. In „3D“ machen die Spiele sogar noch mehr Spaß: z. B. Candy Crush mit echten Bon-Bons oder „Tetris“ mit Schuhkartons.

Die Schüler sollen selbst überlegen, wie man diese Spiele am besten nachbaut und sie müssen die Regeln dieser Spiele gut kennen, denn diesmal löscht kein Computer eine Bon-Bon-Reihe automatisch, wenn die Farben übereinstimmen. Auch die Tetris-Bausteine haben bestimmte, wiederkehrende Formen, die per Zufall hinzugesetzt werden. Die Schüler „zocken“ in diesem Fall nicht einfach nur ein Game, sondern sie müssen genau überlegen, wie das Spiel funktioniert und welche Regeln es gibt.

Auch beliebte Spiele wie „Quizduell“ eignen sich, um sie selbst zu entwerfen: Jeder Schüler denkt sich eine Frage und drei mögliche Antworten aus und schreibt diese auf eine Karte. Die Schüler überlegen in Zweierteams, was sich als Quizfrage eignet: Was für ein Baum steht im Schulgarten? Wie heißt der Held eines Buches? Nicht gestattet sind private Fragen oder beleidigende Inhalte. Am Ende sammelt der Lehrer die Karten ein und kann das Quiz gemeinsam mit der ganzen Klasse spielen.
Alternativ gibt es ein Kartenspiel zur Medienkompetenz des Offenen Kanals Schleswig-Holstein (OKSH). Dabei wird das Wissen im Bereich „Fernsehen“, „Soziale Netzwerke“, „Web 2.0“, „Handy“, „Computerspiele“ und „Medien aktiv“ spielerisch getestet. Auf der Rückseite der Karten befinden sich Tipps, wie man den Umgang mit Medien verbessern kann. Auch hierbei dürfen die Schüler selbst aktiv werden. Unter der E-Mailadresse medienarbeit(at)oksh.de dieser Website können sie neue Quizfragen einreichen.   

Medienbildung ohne Strom hat gleich mehrere Vorteile: Der Lehrer kann die Übungen einfach, ohne teure Endgeräte und wackeliges WLAN, in die Tat umsetzen und die Kinder reflektieren die Machart von Medien spielerisch. Wenn die Schüler ihre eigens gebastelten Medieninhalte präsentieren, kann der Lehrer besser darauf eingehen und erkennt schneller, wo es noch Aufklärungsbedarf gibt.

Ananda Bräunig

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