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Medienkompetenz

Programmieren lernen in der Schule?

Die Entwicklung von Medienkompetenz steht überall in den Lehrplänen. Kinder und Jugendliche lernen im Laufe ihrer Schulzeit, mit unterschiedlichen Computerprogrammen umzugehen und das Internet zu nutzen. Außer Acht gelassen wird allerdings, dass Grundkenntnisse im Programmieren heutzutage für eine wirklich kompetente Mediennutzung zunehmend wichtig werden.

Medienkompetenz: Programmieren lernen in der Schule? Schüler sollten sich schon früh Grundkenntnisse im Programmieren aneignen. Auch das gehört zur Medienkompetenz © lassedesignen - Fotolia.com

Bill Gates und Mark Zuckerberg verfolgen selten gemeinsame Ziele. Für code.org haben sich die Software-Giganten dennoch zusammengetan, um gemeinsam dafür zu werben, Kindern möglichst früh das Programmieren beizubringen. Amerika und England sind diesbezüglich Vorreiter, hier lernen bereits Grundschüler, wie man mit ein paar Zeilen Computercode einfache Programme schreibt.

Dass Gates und Zuckerberg davon begeistert sind, ist nicht verwunderlich. Aber ist es wirklich sinnvoll, dass jedes Kind Programmieren lernt?

Ja, behauptet Douglas Rushkoff in seinem Sachbuch „Program or be Programmed“. Er argumentiert wie folgt: Schülerinnen und Schüler lernen eine Sprache nicht nur durch das Lesen, sondern vor allem durch das Verfassen eigener Texte. Im Kunstunterricht werden nicht nur bekannte Kunstwerke betrachtet und analysiert, man greift natürlich auch selbst zum Pinsel. Nur bei Computern scheint es vielen Pädagogen auszureichen, wenn ihre Schüler sie bedienen können. Auf das Wissen, wie Hard- und Software funktionieren und manipuliert werden können, kann man ihrer Meinung nach getrost verzichten.

Dass dies ein großer Irrtum ist, zeigt ein Blick in die Schlagzeilen: Das Ausspionieren privater Daten und die Warnung vor Sicherheitslücken in Programmen sind zum Alltag geworden. Es reicht also bereits heute (und ganz gewiss morgen!) nicht mehr aus, einen Computer nur bedienen zu können. Man muss sich bewusst für oder gegen eine Technik entscheiden können und das geht nur mit dem entsprechenden Hintergrundwissen.

Mit Mini-Computer lernen, wie Computer funktionieren

Der Programmierer Eben Upton hat es sich zum Ziel gemacht, dieses Hintergrundwissen zu vermehren und Kindern zu zeigen, wie Computer funktionieren und wie man sie programmiert. Dazu hat er einen Mini-Computer in der Größe einer Kreditkarte entwickelt, der sich kinderleicht programmieren und zum Ansteuern elektronischer Bauteile wie LEDs, Motoren und Sensoren verwenden lässt. Er nennt sich „Raspberry Pi“, kostet keine 35Euro und kann fast alles, was ein „richtiger“ Computer auch kann: z. B. Videos abspielen, im Internet surfen und Office-Programme ausführen.

Der Raspberry Pi funktioniert darüber hinaus mit Open Source-Software. Das sind Programme, die von den Entwicklern kostenlos angeboten und von einer großen Community ständig weiterentwickelt werden.

Vielleicht verwenden Sie schon Open Source-Software, ohne es zu wissen: Firefox beispielsweise ist Open-Source, ebenso Open Office (bzw. Libre Office) und der VLC-Mediaplayer. Der Star der Open-Source-Szene ist jedoch das kostenlose Betriebssystem Linux, das auf jedem PC oder Laptop läuft. Es ist in zahlreichen Varianten erhältlich, die bekannteste nennt sich „Ubuntu“.

Mit dem Raspberry Pi und einfachen Programmiersprachen wie „Scratch“ oder „Sonic Pi“ lernen Kinder, wie sie selbst Programme schreiben und einfache „Physical Computing“-Projekte realisieren können, z. B. den Bau eines Internetradios oder einer Zeitraffer-Kamera. Wie sich mit dem Raspberry Pi konkret in der Schule arbeiten lässt, können Sie im Themenheft Raspberry Pi nachlesen.

Die Sprache des 21. Jahrhunderts

Das alles ist mehr als bloße Spielerei, denn nur wer die Funktionsweise von Computern versteht, kann in einer Welt, die immer mehr durch digitale Medien definiert und kontrolliert wird, selbstbestimmt leben.

Sie finden das zu dick aufgetragen? Dann überlegen Sie doch einmal, welche Konsequenzen Sie beispielsweise aus dem „Heartbleed“-Bug in der SSL-Verschlüsselung gezogen haben, über den weltweit berichtet wurde und den der Krypthographie-Experte Bruce Schneier laut heise.de als „Katastrophe“ bezeichnet: „Auf einer Skala von 0 bis 10 ist das eine 11.“

Oder sagt Ihnen der Begriff SSL-Verschlüsselung gar nichts? Dann ist es vielleicht Zeit, sich etwas mehr mit dem Programmieren zu beschäftigen oder zumindest anzuerkennen, dass ihre Schülerinnen und Schüler sich mit dieser Thematik auseinandersetzen müssen.

Der Anfang ist leicht

Programmieren ist nicht nur etwas für den Informatikunterricht. Mit dem Open-Source-Programm „Scratch“ können Sie beispielsweise ohne großen Aufwand auf motivierende Weise die Logik des Programmierens vermitteln. Ein Beispiel dafür, wie im Deutschunterricht erfolgen könnte, finden Sie im Themenheft Computerspiele auf den Seiten 10 ff.

Und wenn Sie selbst einmal ein einfaches Programm schreiben wollen, ist die Seite http://www.codecademy.com/de ein guter Startpunkt. Programmieren ist nicht schwer und fördert sowohl logisches als auch kreatives Denken. Probieren Sie es doch einfach mal aus!

Tobias Hübner

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