Fach/Thema/Bereich wählen
Unfälle/Versicherungen

Das unglückliche Ende einer Dienstfahrt

Wenn sich jemand im Dienst verletzt, ist der Fall klar: Gesetzliche Unfallversicherung oder Unfallfürsorge kommen für die Behandlungskosten auf. Dasselbe gilt für Wegeunfälle und Malheure auf Dienstfahrten, hierbei müssen jedoch diverse Voraussetzungen erfüllt sein.

Unfälle/Versicherungen: Das unglückliche Ende einer Dienstfahrt Ein Unfall auf der Klassenfahrt oder dem Weg zur Arbeit zieht leider nicht nur gesundheitliche Probleme nach sich © Gunnar Assmy - Fotolia.com

Der Berufsverkehr staut sich vor der Ampel, es regnet. Petra Wernsing ist auf dem Weg zur Schule. Die 42-Jährige rollt auf ihrem Fahrrad an den wartenden Autos vorbei, als plötzlich jemand zwischen zwei parkenden Fahrzeugen hindurchhuschend ihren Weg kreuzt. Die Grundschullehrerin weicht aus, verliert dabei auf dem nassen Kopfsteinpflaster das Gleichgewicht und stürzt. Neben einem angebrochenen Handgelenk trägt sie einige blaue Flecken davon, vom Unfallverursacher fehlt jede Spur.

Wenn sich ein Lehrer während der Arbeit verletzt, ist der Fall klar: Je nachdem ob er Angestellter oder Beamter ist, reguliert die Gesetzliche Unfallversicherung oder die beamtenrechtliche Unfallfürsorge den Schaden. Doch auch bei Unfällen außerhalb der Schule kann diese herangezogen werden. Es können zum Beispiel Leistungen bezogen werden, wenn jemand auf dem Weg zur Arbeit verunglückt, der Wegeunfall ist dem Arbeitsunfall gem. §8 I Nr. 1 SGB VII gleichgestellt.

Meistens kein Versicherungsschutz bei Umwegen

Entscheidend für den Weg zur Arbeit ist, dass der zeitlich oder geografisch kürzeste Weg gewählt wurde. Umwege sind ebenso unzulässig wie Unterbrechungen, geht jemand beispielsweise auf dem Nachhauseweg einkaufen, erlischt der Versicherungsschutz und ist erst wiederhergestellt, wenn der Laden verlassen und der Weg fortgesetzt wird.

Links zum Thema:

Die DGUV hält eine umfangreiche Broschüre bereit, in der Fragen zur gesetzlichen Unfallversicherung geklärt werden.

Der Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. informiert darüber, wann die Kosten, die ein Wegeunfall nach sich zieht, von den Steuern abgesetzt werden können.

Geregelt ist die Gesetzliche Unfallversicherung im Siebten Sozialgesetzbuch.

Ausnahmen gelten lediglich in bestimmten, vom Gesetzgeber ausdrücklich erwünschten, Fällen, so z. B. wenn mehrere Kollegen eine Fahrgemeinschaft bilden und dafür eine etwas weitere Fahrt in Kauf nehmen. Auch wer seinen Nachwuchs zur Schule oder in den Kindergarten bringt, riskiert seinen Versicherungsschutz nicht, Näheres ist in §8 II Nr. 2-5 SGB VII bestimmt.

Unfälle auf Dienstreisen sind ebenfalls versichert, so stehen beispielsweise jemandem, der während einer Klassenfahrt oder Fortbildung verunglückt, Leistungen zu. Speziell bei Klassenfahrten muss dabei dem Umstand Rechnung getragen werden, dass Lehrer rund um die Uhr einsatzbereit sein müssen.

Auf Klassenfahrt ununterbrochen im Dienst

So sollten einer Lehrerin, die sich bei einem Sturz unter der Dusche schwer verletzt hatte, zunächst keine Leistungen aus der Unfallfürsorge bewilligt werden. Schließlich sei das Duschen eine private Tätigkeit, die nichts mit der Arbeit zu tun habe, so die Begründung. In einem späteren Gerichtsverfahren (Aktenzeichen:4 S 516/06) entschied der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg jedoch, dass das so nicht hinzunehmen sei. Ein Lehrer stünde während einer Klassenfahrt 24 Stunden im Dienst, das morgendliche Duschen erfolge in „engem natürlichem Zusammenhang“ zu selbigem, der Sturz der Realschullehrerin sei somit ein Dienstunfall.

Doch was ist der Vorteil daran, wenn die Behandlungskosten eines Verletzten von Unfallfürsorge beziehungsweise GUV übernommen werden?

Die Qualität der Behandlung ist besser

Elke Biesel, Pressereferentin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung antwortet auf Nachfrage: „Der Unterschied liegt in der Qualität der Behandlung. Der Geschädigte soll möglichst so gestellt sein, als hätte er den Unfall nicht erlitten. Deswegen wird ihm die bestmögliche Therapie finanziert, wenn nötig, werden umfassende Reha-Maßnahmen getroffen, die Leistungen einer gesetzlichen Krankenkasse gehen in der Regel nicht so weit.“

Dies gilt jedoch nur für Heilbehandlungskosten. Schmerzensgelder sind nicht abgedeckt. Materielle Schäden werden von der Gesetzlichen Unfallversicherung nicht übernommen. Die Unfallfürsorge für Beamte kommt hier teilweise auf, allerdings gelten gewisse Obergrenzen, die zumeist eher niedrig angesiedelt sind.

So können Beamte, die auf dem Weg zur Arbeit in einen selbstverschuldeten Unfall verwickelt wurden, in einigen Bundesländern beispielsweise Ersatz für Schäden an ihrem Auto beantragen. Ausgezahlt werden jedoch mit Verweis auf die Möglichkeit einer Kasko-Versicherung nur rund 300 Euro. Kleiner Trost für alle, die leer ausgehen: Materielle Schäden, die nicht von Versicherungen beglichen werden, können als Werbungskosten von den Steuern abgesetzt werden.

Stefan Hirsch

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Beruf
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×