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Stundenzahl

Teilzeitarbeit: Weniger ist mehr

Vormittags recht und nachmittags frei? Weit gefehlt. Lehrer bewältigen einen Full-Time-Job. Jedoch lässt sich eine volle Stelle oft nicht mit familiären Pflichten vereinbaren. Teilzeitarbeit bietet eine Möglichkeit, Überbelastung zu vermeiden. Doch kann jeder seine Stundenzahl reduzieren? Und welche Rechte und Pflichten haben Teilzeitkräfte?

Stundenzahl: Teilzeitarbeit: Weniger ist mehr Schul- und Lehrerkonferenzen sind auch für Teilzeitkräfte verpflichtend © auremar - Fotolia.com

„Eigentlich bin ich in Teilzeit gegangen, um mir genau solche Situationen zu ersparen“, Simone Frankenfeld ist ärgerlich. Die Realschullehrerin und Mutter zweier Kinder im Alter von vier und sieben Jahren soll als Begleitperson an einer Klassenfahrt teilnehmen. Ihre Begeisterung über den unfreiwilligen Nordsee-Urlaub hält sich in Grenzen.

Sie hatte sich vor einigen Jahren für eine deutliche Reduzierung ihrer Stundenzahl entschieden, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Jetzt müssen sich ihr Ehemann und ihre beste Freundin, beide berufstätig, um die zwei Kinder kümmern, während sie mit einer siebten Klasse das Wattenmeer erkundet.

Während gängige Klischees davon ausgehen, dass Lehrer „vormittags recht und nachmittags frei“ haben, kann die Kombination aus Fulltime-Job und privaten Aufgaben, wie zum Beispiel Kinderbetreuung, leicht zu einer Überbelastung führen. Teilzeitarbeit ist besonders im Schuldienst ein beliebtes Mittel, um beides miteinander zu vereinbaren.

Auf die Begründung kommt es an

Üblicherweise kennen die einschlägigen Vorschriften der Bundesländer zwei Wege, die zu einer Teilzeitstelle führen. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel kann jeder nach Paragraf 63 des Landesbeamtengesetzes (LBG) eine Reduzierung seiner Stundenzahl beantragen, ohne dass es einer näheren Begründung bedarf. Paragraf 66 regelt dagegen all die Fälle, in denen Teilzeit in Anspruch genommen wird, um Kinder zu betreuen oder einen Angehörigen zu pflegen. Der Unterschied: Wer aus familiären Gründen weniger arbeiten will, hat einen Rechtsanspruch darauf. In allen anderen Fällen wird zunächst geprüft, ob etwas dagegen spricht. Unterrichtet der Antragssteller zum Beispiel ein Mangelfach, hat er schlechte Karten.

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Während die grundsätzlichen Regelungen zur Teilzeitarbeit deutschlandweit gleich sind, kann es in Detailfragen landesspezifische Unterschiede geben. Das bayerische Kultusministerium informiert hier über die Situation im Freistaat, auch die Ministerien andere Länder halten Infos bereit.

Geregelt ist die Teilzeitarbeit im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG), nachzulesen auf den Seiten des Bundesjustizministeriums.

Verpflichtend: Teilnahme an Schulfahrten und Konferenzen

Ein häufiger Anlass für Konflikte bei einer Teilzeitbeschäftigung sind Stundenplanwünsche sowie Tätigkeiten, die über den normalen Schulbetrieb hinausgehen. Ein Lehrer mit einer 50-Prozent-Stelle braucht nur halb soviel zu unterrichten, doch wie ist es, wenn beispielsweise Konferenzen anstehen? Bernd Fröhlich vom Thüringer Lehrerverband stellt klar: „Die Teilnahme an Schul- und Lehrerkonferenzen gehört zu den sogenannten nicht teilbaren Lehreraufgaben. Es ist also nicht so, dass ein Teilzeitbeschäftigter zum Beispiel nach 80% der Dienstberatung die Sitzung verlässt, nur weil er zu 80% beschäftigt ist. Bei der Einsatzplanung sind die Wünsche der Teilzeitbeschäftigten, soweit dienstliche Hinderungsgründe ihnen nicht entgegenstehen, zu berücksichtigen. Ein Rechtsanspruch auf einen freien Tag, insbesondere auf einen bestimmten freien Tag, besteht nicht. Er ist aber zu realisieren, wenn es die Stunden- bzw. Dienstplanung zulässt. Teilzeitbeschäftigte sind an den freien Tagen vollständig von ihren Dienstpflichten befreit.“
An Schulausflügen und Klassenfahrten müssen teilzeitbeschäftigte Lehrer ebenfalls teilnehmen, allerdings gemäß ihrer Stundenzahl in vergrößerten Zeitabständen. Ist es beispielsweise üblich, alle zwei Jahre auf Klassenfahrt zu gehen, gilt das für Kollegen mit halber Stelle nur alle vier Jahre.

Volles Gehalt bei Klassenfahrten

In dieser Zeit erhalten sie jedoch volles Gehalt, die Reisekosten muss der Dienstherr übernehmen. „Teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte sind für die Dauer der Teilnahme an ganztägigen Klassenfahrten wie vollzeitbeschäftigte Lehrkräfte zu vergüten“, hatte das Bundesarbeitsgericht im Fall einer Lehrerin entschieden: Ihre Stundenzahl war auf ein Drittel reduziert worden. Für die Begleitung einer Klassenfahrt hatte sie eine entsprechend höhere Bezahlung verlangt (Aktenzeichen: 5 AZR 108/00 BAGE 84,335).

Für Simone Frankenfeld ist das Plus auf der Gehaltsabrechnung ein schwacher Trost: „Ich wüsste gar nicht, wie ich alles regeln sollte, wenn ich alleinerziehend wäre. Besonders familienfreundlich ist das nicht.“

Stefan Hirsch


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