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Haftung

Diebstahl in der Schule: Wer haftet?

Wenn Smartphones, Geldbörsen oder teure Markenjacken gestohlen werden, entsteht den Opfern oft ein empfindlicher materieller Schaden. Die Täter bleiben in den meisten Fällen unerkannt. Häufig fordern die Geschädigten von der Schule Schadensersatz. Wie Sie sich als Lehrkraft in diesen Fällen am besten absichern, erfahren Sie hier.

Haftung: Diebstahl in der Schule: Wer haftet? Mangelnde Gelegenheit verhindert Diebe: Abschließbare Schränke in Umkleideräumen sind eine Möglichkeit der Prävention © Csak Istvan - Fotolia.com

Als die beiden Schüler nach dem Sportunterricht in einer Magdeburger Berufsschule zurück in den Umkleideraum kamen, erlebten sie eine böse Überraschung: Eine Hose, ein Handy und ein PKW-Schlüssel wurden entwendet. Der Schaden belief sich auf mehr als 600 Euro, da ein Austausch der Autoschlösser erforderlich wurde. Wie konnte es zu diesen Diebstählen kommen?

Es stellte sich heraus, dass die Lehrerin an diesem Tag vergessen hatte, den Raum abzuschließen. Und das, obwohl bereits seit einiger Zeit unbekannte Diebe immer wieder „zuschlugen“. Die beiden bereits volljährigen Schüler verklagten das Land Sachsen-Anhalt. – Mit Erfolg: Das Landgericht Magdeburg sah in der Tatsache, dass die Lehrerin die Räume nicht verschlossen hatte, eine Amtspflichtverletzung. Vergebens legte das beklagte Land Berufung ein: Die drei Zivilrichter des Oberlandesgerichts Naumburg wiesen in ihrem Beschluss nicht nur darauf hin, dass die Berufung keine Aussicht auf Erfolg hat, sondern bewerteten auch den Fehler der Lehrerin als „mittlere Fahrlässigkeit“ (vgl. dazu: Presseerklärung des OLG). Ergebnis: Der Schulträger musste dem Schüler für den gestohlenen Autoschlüssel 621,25 Euro Schadensersatz bezahlen.

Weiterführende Hinweise:

Die Versicherung R+V informiert Eltern und Schüler, wie sie sich vor Diebstahl schützen können.

Keine Amtshaftung bei grober Fahrlässigkeit

Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit haften Lehrer unter Umständen auch selbst für den entstandenen Schaden. So handelt etwa eine Lehrerin, die für einen Moment den Schulschlüssel beim Einkaufen unbeaufsichtigt in ihrer Handtasche im Einkaufswagen lässt, im Diebstahlsfall grob fahrlässig und muss für den Schaden selbst aufkommen. Ist infolgedessen der Austausch einer Generalschließanlage erforderlich, dann kommen schnell einige Tausend Euro zusammen. Deshalb empfiehlt es sich für Lehrer, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Falls Sie einem Lehrerverband oder einer Gewerkschaft angehören, sind Sie als Mitglied möglicherweise ohnehin versichert.

Schutz der Schüler vor Vermögensschäden

Das Bayerische Kultusministerium bringt auf seiner Website die Regelungen bezüglich Diebstahl in der Schule auf den Punkt: Demnach umfasst die schulische Aufsichtspflicht auch den Schutz der Schüler vor Vermögensschäden. Deshalb sind seitens der Schule „die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zum Schutze der Vermögensgegenstände der Schüler [zu] treffen.“ Der Träger des Schulaufwands ist verpflichtet, „die von den Schülern berechtigterweise in die Schule mitgebrachten Gegenstände durch geeignete und zumutbare Vorkehrungen vor Diebstahl und Beschädigung zu schützen“. Dabei „muss und kann“ die Schule nicht „die Sorge für sämtliche von den Schülern mitgebrachten Gegenstände übernehmen“, zum Beispiel indem sie den Schülern diebstahlsichere Schließvorrichtungen zur Verfügung stellt. Doch wenn die Schüler während des Sportunterrichts etwa Kleidung und Schmuck ablegen müssen, nimmt ihnen die Schule „die Möglichkeit (…), selbst ihre eigenen Gegenstände sorgsam zu verwahren“. Dann ist es Aufgabe der Schule, Kleidung und Schmuck angemessen zu sichern und zu beaufsichtigen. Wenn es allerdings trotz ausreichender Schutzmaßnahmen oder durch Unachtsamkeit der Schüler zum Diebstahl kommt, entfällt die Haftung der Schule. Das gilt auch dann, wenn die Schüler Sicherungsvorschriften nicht befolgen.

Sicherheitsvorkehrungen statt Haftungsrisiko

Gelegenheit macht Diebe. Deshalb sollten Lehrer akribisch darauf achten, Klassenräume während der Pausen und nach dem Unterricht abzuschließen, ebenso natürlich Sportumkleiden. Wertvolle Kleidungsstücke sollten nicht unbeaufsichtigt im Gang aufgehängt werden – und schon gar nicht mit Wertsachen in den Taschen. Die Schüler sollten angehalten werden, auf keinen Fall mehr Geld als unbedingt nötig in die Schule mitzubringen und Wertsachen besser zu Hause zu lassen.

Manche Schulen nehmen auch entsprechende Regelungen in die Schulordnung auf. Hier sollte man jedoch eine klare Sprache finden, Wertgegenstände genau definieren und Verbote deutlich machen, wie der eingangs geschilderte Fall zeigt: In der Schulordnung der Magdeburger Berufsschule hieß es nur vage, dass „ein Mitbringen von Wertgegenständen nach Möglichkeit nicht erfolgen sollte“. Die Naumburger Richter bemängelten, dass es hier bereits zweifelhaft sei, „ob ein Handy oder Autoschlüssel überhaupt ‚Wertgegenstände‘ seien. Im Übrigen enthalte die Regelung kein ausdrückliches Verbot, da das Mitbringen nur ‚nach Möglichkeit‘ nicht erfolgen sollte“.

Martina Niekrawietz

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