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Firmensponsering an Schulen

Selbstlose Hilfe oder Lobbyarbeit?

Ob kostenlose Collegeblöcke oder Sponsoring fürs Sportfest– zahlreiche Firmen greifen Schulen nicht nur finanziell bereitwillig unter die Arme. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten? Das hängt vom Standpunkt ab. Die Rechtslage ist diffizil.

Firmensponsering an Schulen: Selbstlose Hilfe oder Lobbyarbeit? Vorsicht bei gesponsertem Unterrichtsmaterial ist immer geboten, auch wenn manche Schulen gern darauf zurückgreifen © Melpomene - Fotolia.com

Ein Beispiel: Glaubt man der Essenspyramide eines bekannten Frühstücksflocken-Herstellers, gehören zu einer gesunden Ernährung Obst, Gemüse und „Zerealien“ — Getreideprodukte, zu deren Hauptzutaten häufig Zucker zählt. Die unter anderem für den Einsatz an Schulen der Primarstufe vorgesehene Grafik sieht Cornflakes und co. mit Brot, Nudeln sowie Kartoffeln gleichauf. Eine Einschätzung, die Raum für Diskussionen lässt: Gemäß einer Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2008 sind die süßen Flocken alles andere als ein gesunder Start in den Tag und als tägliches Essen für Kinder nicht zu empfehlen.

Wenn Wirtschaftsunternehmen Lehrern Unterstützung anbieten, stehen dabei selten altruistische Motive im Vordergrund. Ist eine Marke an der Schule präsent, ist ihr dort nicht bloß eine gesteigerte Aufmerksamkeit sicher, sie genießt außerdem einen enormen Vertrauensbonus.

Lobbycontrol warnt vor Vermischung von Geschäftsinteressen und Bildungsauftrag

Der Verein Lobbycontrol warnt in einem Diskussionspapier mit dem Titel Lobbyismus an Schulen: „Wenn wir als Gesellschaft zulassen, dass Unternehmen und Verbände zunehmend auf Schulen und ihren Unterricht Einfluss nehmen, dann ermöglichen wir eine Vermischung von privaten Geschäftsinteressen und öffentlichem Bildungsauftrag. Die ungebremste Einflussnahme auf Schulen führt zu problematischen Verzerrungen, die auch Werten wie eigenständiger Meinungsbildung, Kontroversität oder Kritikfähigkeit entgegenlaufen.“

Weiterführende Links:

Die NGO Lobbycontrol sieht es kritisch, wenn Firmen an Schulen werben. In ihrem Diskussionspapier „Lobbyismus an Schulen“ begründet sie ihren Standpunkt.

Ein von der Firma Amazon in Kooperation mit diversen Bildungseinrichtungen ausgerichteter Schreibwettbewerb stieß auf breite Kritik. Die Kultusministerien von vier Bundesländern erklärten die Teilnahme ihrer Schulen für unzulässig. Die Rheinische Post berichtet über den Fall.

Wann liegt Sponsoring vor, und wann eine strafbare Bestechung? Mit dieser Frage setzte sich der BGH am 26.5.2011 auseinander.

Bringen sich Firmen in den Schulalltag ein, ist das ein heikles Thema. Die gesetzlichen Regelungen hierfür variieren von Bundesland zu Bundesland. Mancherorts wird den Beteiligten ein breiter Ermessensspielraum zugebilligt. So ist kommerzielle Werbung beispielsweise an Berliner Schulen gestattet, solange sie mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag vereinbar ist (Allgemeine Anweisung (AllA) Werbung vom 10.06.1997, ABl. 1997 S. 3074; RdSchr. Vom 22.12.1997).

Während es in Berlin nur darauf ankommt, dass eine Kampagne dem Bildungsauftrag nicht zuwider läuft, sieht es in Niedersachsen anders aus. Dort ist Werbung — ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen und Sachsen — nur dann zulässig, wenn sie „eindeutig dem Bildungsauftrag der Schule zuzurechnen“ ist (RdErl. d. MK v. 1.12.2012 — 35.3 — 81 704 — VORIS 22410). Mit anderen Worten: Wirbt ein lokales Unternehmen an der Schule für sein Ausbildungsprogramm, geht das in Ordnung. Reklame für das neueste Handy ist hingegen nicht erlaubt. Eindeutig ist die Lage im Saarland: Kommerzielle Werbekampagnen sind grundsätzlich untersagt (§ 24 Abs. 1 Allgemeine Schulordnung).

Keine Werbung für Abos und Genussmittel

Maria Baumann von der Schulmarketing-Agentur DSA Youngstar weiß um die komplexe Rechtslage. Sie sagt: „Wer an einer Schule werben will, muss nicht nur das entsprechende Landesschulgesetz beachten, sondern braucht außerdem das Einverständnis des Rektors.“ Das letzte Wort hat also immer der Schulleiter, ob und in welcher Form eine Kampagne stattfinden darf, muss mit ihm ausgehandelt werden.

Diverse Artikel sind tabu. Maria Baumann erläutert: „Wir machen keine Werbung für Alkohol, Tabak oder andere gesundheitlich bedenkliche Produkte, wie zum Beispiel Energy-Drinks. Auch Leistungen, bei denen die Schüler ein Abo abschließen müssen, kommen nicht in Frage.“ Eine freiwillige Selbstbeschränkung, die man sich vermutlich auch mit Blick auf die Gesetzeslage auferlegt hat.

Selbst im wenig restriktiven Berlin wird verlangt, dass Werbung an Schulen das öffentliche Wohl nicht beeinträchtigt. Würde im Schulgebäude Reklame für Zigaretten und Bier kursieren, wäre das mit dieser Vorschrift unvereinbar. Derzeit rührt DSA Youngstar die Werbetrommel für „It's Your Choice“. Hierbei handelt es sich um eine nichtkommerzielle Kampagne zur Erhöhung der Wahlbeteiligung, bei der sich Politiker im Rahmen von Podiumsdiskussionen den Fragen von Schülern stellen. Rechtlich ist das unproblematisch, ist der Bezug zum Bildungsauftrag doch klar gegeben.

Letztendlich ist Augenmaß gefordert, wenn es darum geht, Firmen den Zugang zum Klassenzimmer zu gewähren. Unterrichtsmaterialien zu nutzen, die ein Nahrungsmittelhersteller bereitstellt, mag in diversen Bundesländern erlaubt sein. Ob selbige sich für guten Unterricht eignen, ist hingegen fraglich.

Stefan Hirsch

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