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Datenschutz

Sicherheit im Umgang mit Schülerdaten

Nicht erst seit dem NSA-Überwachungsskandal gilt Datenschutz als heikles Thema. Vor allem personenbezogene Daten von Schülern sind ein sensibles Gut, dass mit großer Vorsicht behandelt werden muss. Die Rechtlage differiert von Bundesland zu Bundesland stark.

Datenschutz: Sicherheit im Umgang mit Schülerdaten Welche Schülerdaten ein Lehrer bekommt, hängt von seinem Aufgabenbereich ab © bluedesign - Fotolia.com

Die zugegebenermaßen berechtigte Sorge vor Online-Kriminalität und zweifelhaften Überwachungsmaßnahmen treibt mitunter seltsame Blüten. Wer in Schleswig-Holstein Schülerdaten mit nach Hause nehmen will, um am Computer Notenlisten anzulegen, muss beim Schulleiter einen Antrag stellen.

Das ist nicht weiter ungewöhnlich, doch ist das dafür vorgesehene Formular recht umfangreich. So müssen unter anderem Standort, Art und Betriebssystem des Computers, mit dem man arbeitet, angegeben werden. Darunter folgt der Passus: „Gravierende Änderungen in der obigen Konfiguration … werde ich unverzüglich schriftlich mitteilen.“ Das heißt, kauft sich jemand einen neuen PC oder wechselt von Windows zu Linux, muss der Schulleiter hiervon in Kenntnis gesetzt werden.

Es könnte ja sein, dass der einst bewilligte Antrag unter den neuen Bedingungen nicht mehr aufrechtzuerhalten ist. Es darf bezweifelt werden, dass allzu viele dieser Verpflichtung nachkommen. Jedoch zeugt sie von der enormen Unsicherheit, die infolge der Skandale in den letzten Jahren im Bereich Datenschutz entstanden ist.

Personenbezogene Daten verlangen besonderen Schutz

Wenn eigene Daten den Falschen in die Hände fallen, ist das ärgerlich, unbedingt vermieden werden sollte es jedoch, dass die Privatsphäre unbeteiligter Dritter geschädigt wird. Personenbezogene Daten, also solche die einem bestimmten Menschen zuzuordnen sind, müssen mit großer Sorgfalt behandelt werden. Bei Schülern zählen unter anderem Name, Alter, Anschrift, Krankenakte und Zensuren dazu.

Weiterführende Links:

Das beliebte Verschlüsselungs-Tool Truecrypt wird inzwischen nicht mehr weiterentwickelt. Das Computer-Magazin chip.de stellt einige Alternativen vor.

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit informiert auf ihrer Website über zahlreiche Themen rund um die Datenproblematik. Vor allem zu persönlichen Rechten und aktuellen Entwicklungen ist hier einiges zu finden.

Das Datenschutzportal der EU informiert über die europaweite Lage.

Das Bundesverfassungsgericht leitete mit dem Volkszählungsurteil vom 15.12.1983 (1 BvR 209/83) aus dem Grundgesetz ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung ab. Das heißt, solange ein Betroffener keine wirksame Einwilligung abgibt, ist die Erhebung, Speicherung, Weitergabe oder Verarbeitung seiner personenbezogenen Daten verboten. Ausnahmen bestehen nur, wenn das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) beziehungsweise eine andere Rechtsnorm diese ausdrücklich zulässt.

Für den Umgang mit Schülerdaten gelten deshalb strenge Vorschriften. Sie dürfen nur denen zugänglich gemacht werden, die sie beruflich bedingt  brauchen. Wie das konkret gehandhabt wird, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. So dürfen personenbezogene Informationen innerhalb der Schule in einigen Ländern nur auf Computern abgespeichert werden, die für Verwaltungsaufgaben reserviert sind und aus Sicherheitsgründen ohne Internetzugang auskommen müssen.

Nicht jeder darf alle Schülerdaten erfahren 

Werden Schülerdaten, zum Beispiel zur Zeugniserstellung, zu Hause per Computer weiterverarbeitet, muss — wie bereits erwähnt — in den meisten Bundesländern eine Erlaubnis des Schulleiters eingeholt werden. So zum Beispiel in Brandenburg: Eine automatisierte Verarbeitung außerhalb der Schule gilt hier als Ausnahmefall, der genehmigungspflichtig ist (§5 Abs. 1 Verordnung über den Schutz personenbezogener Daten in Schulen).

Vom Aufgabenbereich eines Lehrers hängt es ab, welche Informationen er bekommt. Nur Klassenlehrer haben das Recht, sämtliche Zensuren eines Schülers zu erfahren. Das ist wichtig, damit sie beispielsweise reagieren können, wenn sich jemand in mehreren Fächern plötzlich drastisch verschlechtert. Bei Fachlehrern sieht das anders aus, jemandem, der in einer Klasse nur Mathematik unterrichtet, darf nicht mitgeteilt werden, wie die Kinder oder Jugendlichen in Deutsch, Englisch oder Sport stehen. Abweichungen hiervon sind nur in begründeten Ausnahmefällen zulässig, zum Beispiel wenn per Konferenzbeschluss über die Versetzung eines Schülers abgestimmt wird.

Werden die Daten auf mobilen Trägern, zum Beispiel  USB-Sticks, transportiert, kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu: Es ist denkbar, dass das Gerät abhanden kommt. Sollte es durch Verlust oder Diebstahl einem Dritten in die Hände fallen, müssen die Informationen vor seinem Zugriff geschützt sein. Deshalb ist es wichtig, dass diese verschlüsselt sind. Hierfür stehen verschiedene, zum Teil kostenlose Programme zur Verfügung. Das Baden-Württembergische Kultusministerium empfiehlt die Umsonst-Software Truecrypt.

Fristen für Löschung variieren stark

Die Fristen für die Löschung der Daten sind ebenfalls durch Verordnungen bestimmt, doch auch hierbei gibt es deutschlandweit erhebliche Unterschiede. So sind am Computer erstellte Notenlisten und ähnliche Dokumente in Niedersachsen spätesten nach drei Monaten zu löschen (Runderlass des Niedersächsischen Kultusministeriums vom 01.02.2012 Ziffer 1-4); in Baden-Württemberg hat man dagegen bis zum Ende des Folgeschuljahres Zeit.

Stefan Hirsch

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