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Medieneinsatz

Urheberrecht - Was dürfen Lehrer im Unterricht verwenden?

Durch die neue Medien werden interessante Möglichkeiten geschaffen, Unterrichtsinhalte ansprechend aufzubereiten. Allerdings entstehen auch Schwierigkeiten, die es früher in dieser Form nicht gegeben hat. Vor allem die Urheberrechtsproblematik hat an Komplexität gewonnen.

Medieneinsatz: Urheberrecht - Was dürfen Lehrer im Unterricht verwenden? Es ist klar gesetzlich geregelt, welche Medien im Unterricht verwendet werden dürfen und welche nicht © stock WERK - Fotolia.com

Warum viel Geld fürs Original ausgeben, wenn eine Kopie denselben Zweck erfüllt? Das muss sich ein Lehrer und Leiter einer Kreismedienstelle in Aschersleben gedacht haben. Dieser orderte 36 DVDs mit Schulfilmen, kopierte sie und ließ sie innerhalb der vierwöchigen Widerrufsfrist an den Verlag zurückgehen. Dort wurde man misstrauisch, sodass die Aktion aufflog. Das Resultat: Das Land Sachsen-Anhalt musste Schadensersatz von knapp 8000 Euro leisten (Aktenzeichen: 7 O 1088/13), der Lehrer wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt.

Dass es sich bei einer derartigen „Sparmaßnahme“ um einen groben Urheberrechtsverstoß handelt, sollte eigentlich jedem klar sein. Doch auch bei ganz alltäglichen Situationen gibt es zahlreiche Unsicherheiten. Als im Unterricht vor allem Kopien und Overheadfolien eingesetzt wurden, war die Gefahr urheberrechtliche Schwierigkeiten zu bekommen relativ gering, seitdem vermehrt digitale Medien verwendet werden, hat die Problematik an Komplexität gewonnen.

Entscheidend ist, wo Medien verwendet werden

Rechtsanwältin Regine Schwalm sagt auf Nachfrage: „Zunächst ist entscheidend, wo fremde Werke genutzt werden. Sollen sie im Klassenzimmer zum Einsatz kommen? Oder in einem passwortgeschützten Bereich im Intranet der Schule? Oder sollen sie — zum Beispiel auf der Schulhomepage — so online gestellt werden, dass jedermann Zugriff darauf hat? Für die Nutzung im Unterricht gelten verschiedene privilegierende Regelungen, vor allem § 52a und § 53 (3) UrhG schränken das Urheberrecht zum Vorteil von Forschung und Lehre ein.“

Weiterführende Links:

Auf der Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung ist die Urheberrechtsproblematik in einfachen, für Schüler gut verständlichen, Worten zusammengefasst.

Keine Urheberrechtsprobleme gibt es bei Open Content. Auf Infobib.de findet sich eine Sammlung von Anbietern frei lizensierter Inhalte.

Für Musikstücke und Notenhefte gelten eigene Regeln. In dieser Broschüre von der Hochschule für Musik und Theater Hannover, Bundesverband Musikindustrie und Verband Deutscher Schulmusiker wird erklärt, was es mit dem Urheberrecht im Musikunterricht auf sich hat.

Beide Rechtsnormen erlauben die Nutzung von „kleinen Teilen“ eines Werkes sowie die Verwendung von Erzeugnissen mit „geringem Umfang“. Wie beides definiert ist, ist im Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG vom 1. Januar 2011 sowie in der Ergänzungsvereinbarung zu digitalen Vervielfältigungen an Schulen vom 1. Januar 2013 festgelegt.

Maximal 10 Prozent oder 20 Seiten

Als Faustregel kann gelten, dass maximal 10 Prozent, höchstens aber 20 Seiten aus einem Werk als Printkopie an die Schüler weitergereicht werden dürfen, ohne dass der Rechteinhaber irgendwelche Ansprüche geltend machen kann. Scans dürfen nur auf Basis von Werken angefertigt werden, die ab 2005 entstanden sind. Dies darf einmal pro Werk und Schulklasse geschehen, es ist also beispielsweise nicht zulässig, seinen Schülern mehrere 20-seitige Teile eines Romans nacheinander bereitzustellen. Kleinere Werke mit bis zu 25 Seiten dürfen hingegen komplett zur Verfügung gestellt werden, dies gilt allerdings nicht für Erzeugnisse, die explizit für den Unterrichtsgebrauch konzipiert wurden, das heißt, Schulbücher und Arbeitshefte sind von dieser Regelung ausgenommen. Aus einem 50-seitigen Arbeitsheft dürfen demnach maximal fünf Seiten kopiert oder gescannt werden, ansonsten müssen die Lizenzbedingungen des Verlages erfüllt werden. Digitalisate, also Scans und anderweitig digitalisierte analoge Quellen, dürfen auf Medien wie CDs oder USB-Sticks gespeichert werden, sie können auch per E-Mail an die Schüler verschickt werden.

Kein Zugriff für Unbeteiligte

Sollen Digitalisate hingegen online gestellt werden, ist darauf zu achten, dass keine Dritten hierauf Zugriff haben, sonst droht eine teure Abmahnung. Sie müssen in einem passwortgeschützten Bereich stehen, in den sich nur Schüler der entsprechenden Klasse einloggen können.

Wird ein Film im Klassenzimmer gezeigt, ist unerheblich, ob er aus dem Kreismedienzentrum, dem Schulfundus oder dem Privatbesitz des Lehrers stammt. In § 15 (3) UrhG wird definiert, was als öffentliche Vorführung gilt, dass Anschauen im Klassenverband zählt nicht dazu. Deswegen muss kein besonderes Nutzungsrecht erworben werden, entscheidend ist allein, dass der Film rechtmäßig angeschafft wurde, Fernsehmitschnitte oder nicht-autorisierte Kopien sind unzulässig.

Stefan Hirsch

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