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Inklusion

Barrierefrei mit Rollstuhlfahrern reisen

Klassenfahrten mit Rollstuhlfahrern fordern von Lehrern einen vermehrten Rechercheaufwand im Vorfeld. — Zum Glück gibt es im Internet Webseiten, die die Suche nach geeigneten Transportmitteln, Unterkünften, Gaststätten und barrierefreien Freizeitangeboten vereinfachen.

Inklusion: Barrierefrei mit Rollstuhlfahrern reisen Mit dem Rollstuhl zu reisen ist gar nicht so einfach, da es häufig noch keine barrierefreien Zugänge zum Bahnsteig gibt © shootingankauf - Fotolia.com

Marc ist Rollstuhlfahrer und besucht die neunte Klasse einer Regelschule. Nach den Ferien planen die Schüler eine Auslandsreise: Zehn Tage lang werden sie bei einer Gastfamilie wohnen und tagsüber ihre Sprachkenntnisse verbessern sowie Land und Leute kennenlernen. Auch viele Freizeitaktivitäten sind bereits angedacht, zum Beispiel ein Schwimmbad- oder ein Theaterbesuch. Marc ist von alledem ausgeschlossen: Während die anderen auf Klassenfahrt sind, soll er den Unterricht der Parallelklasse besuchen. 

„Diese Geschichte ist nicht frei erfunden und sie spielt auch nicht 1987 oder 1998 oder 2004. Die Klassenreise der 9c findet 2014 statt. Fünf Jahre nachdem die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft ist“, empört sich Lisa Reimann, die darüber in ihrem Artikel „Klassenfahrt — nur zu 93 %“ auf der Website inklusionsfakten.de berichtete. 

Ein klarer Fall von Diskriminierung, undenkbar an einer Schule, die ihren Inklusionsauftrag ernst nimmt. In der „Schule für alle profitieren“ die Schüler ja gerade von solchen Situationen, wo alle Beteiligten sich um Lösungen bemühen, die dann auch der Verschiedenheit der einzelnen Schüler gerecht werden: die Klasse inklusive Marc und der Klassenlehrer, der zunächst die Möglichkeiten für das Reisen mit Rollstuhl ausloten wird. Hier einige Webseiten, die diese zeitaufwendige Aufgabe erleichtern.

Das richtige Transportmittel finden 

„Die zum 1. Januar 2013 in Kraft getretene Novelle des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) enthält auch neue Regelungen zur Barrierefreiheit“, informiert der Deutsche Städtetag auf seiner Website. Städte und Kommunen sind damit verpflichtet, „schon bis 2022“ die Barrierefreiheit auf den gesamten ÖPNV in Deutschland auszudehnen. Doch noch ist es flächendeckend nicht so weit, und Menschen mit körperlichen Einschränkungen sind nach wie vor gezwungen, vor Reiseantritt barrierefreie Möglichkeiten auszuloten. 

Wer sich für eine Zugreise entscheidet, informiert sich hier über die Möglichkeiten und Ansprechpartner des sogenannten „Mobilitätsservices“ der Deutschen Bahn.

Bei Flugreisen mit Rollstuhlfahrern gibt es einige Besonderheiten, die die Website myhandicap.de auf den Punkt bringt. 

Der Reisebus, das am häufigsten eingesetzte Verkehrsmittel für Klassenfahrten, bringt die Gruppe direkt in die Unterkunft. Grundsätzlich ist hier natürlich auf eine behindertengerechte Ausstattung zu achten. — Was genau dazu erforderlich ist und wie ein Rollstuhlfahrer im Bus zu sichern ist, erläutert ein Artikel im Busmagazin, der Fachzeitschrift für Busunternehmer und Gruppenreiseveranstalter

Eine praktische und preisgünstige Alternative zu privaten Busunternehmen sind Fernbusanbieter. Nach der eingangs erwähnten Novelle des Personenbeförderungsgesetzes 2013 muss zwar jeder Fernbus mit zwei Plätzen für Rollstuhlfahrer ausgestattet sein, doch ältere Busse müssen erst ab 2020 barrierefrei sein. (Vgl. dazu: fernbusse.de, FAQs). Die Konditionen der einzelnen Fernbus-Anbieter für Rollstuhlfahrer finden sich an dieser Stelle auf fernbusse.de (Scrollen erforderlich!). 

Rollstuhlgerechte Angebote am Reiseziel

Wo gibt es am Reiseziel rollstuhlgerechte Angebote? — Diese Frage beantwortet zuverlässig Wheelmap.org mit deutschlandweit derzeit 860.000 Einträgen, die von der Community laufend ausgebaut werden, momentan mit ca. 300 neuen Einträgen pro Tag. Sucht man beispielsweise ein Restaurant oder Café in der Umgebung, gibt man einfach nur Ort oder Postleitzahl ein. Sofort sieht man dann auf der Karte, wo es komplett oder zumindest teilweise barrierefreie Angebote gibt. 

Dabei zeigt der Onlinedienst nicht nur Restaurants, sondern auch Bahnhöfe und Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, Unterkünfte, Apotheken, Ärzte, Einkaufsstätten, Banken, Tankstellen usw. Extra ausgewiesen sind dabei auch die nicht-barrierefreien Lokalitäten, sodass man vor bösen Überraschungen gefeit ist. — Wheelmap.org ist übrigens dank downloadbarer Gratis-App auch unterwegs per Smartphone nutzbar. 

Barrierefreie Unterkünfte für Kinder und Jugendliche

Wheelmap.org berücksichtigt zwar auch Hotels und Gästebetten, nach jugendgerechten und günstigeren Angeboten wird aber nicht extra differenziert. Hier deshalb einige Alternativen: 
Viele Jugendherbergen sind auf „Rollis“ eingerichtet. Die jeweiligen Länderseiten informieren detailliert über die Standorte, so zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern, der „Landesverband Nordmark“ oder Rheinland-Pfalz und das Saarland

Wer für Auslandsreisen barrierefreie Hostels sucht, findet einige Vorschläge auf hostelbookers.com mit Aufzügen, behindertengerechten Sanitärräumen etc.

Freizeitangebote für Inklusionsgruppen mit Rollstuhlfahrer

Bei Gruppen mit einzelnen Rollstuhlfahrern muss man einige Sucharbeit leisten, um Möglichkeiten aufzutreiben, die für Schüler mit und ohne Beeinträchtigung gleichermaßen attraktiv sind. 

Städtereisen bieten Rollstuhlfahrern und Schülern ohne körperliche Beeinträchtigung gleichermaßen ein breites Spektrum an Möglichkeiten: Jugendtheater-, Museums- oder Konzertbesuche oder auch Schwimmbäder und Zoos — alles ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. In der Linksammlung zum Thema Barrierefreiheit auf der Website Aktion-Mensch.de finden Sie unter „Reisen“ (scrollen!) u. a. Links zu den Informationen über behindertengerechte Angebote der Verkehrsbetriebe von Berlin, München und Köln. 

Doch es muss ja nicht immer Deutschland sein: Viele europäische Großstädte sind bekannt für ihre engagierte Barrierefreiheit. Gute Tipps und Details dazu liefert die Website myhandicap.de.    

Auch erlebnispädagogische Angebote speziell für inklusive Schülergruppen mit körperlich beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen finden sich im Netz. So bietet beispielsweise die Jugendherberge Niebüll in Nordfriesland im Hochseilgarten Filu zusätzlich einen Kletterparcours speziell für Rollstuhlfahrer an: Hier werden die Schüler im Rollstuhl auf einen fünf Meter hohen Parcours gezogen, den sie anschließend selbstständig durchfahren. „Und wenn sich dann die gehandicapten Kids mutiger anstellen, als so mancher ihrer Klassenkammeraden“, sporne das die Kinder oder Jugendlichen „so richtig an“, beobachtet ein Mitarbeiter des Hochseilgartens FILU (ebd.).

Martina Niekrawietz

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