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Homeschooling

Erstklässler in der Warteschlange?

Wie können Erstklässler zu Hause weiterlernen? Das fragen sich Lehrer und Eltern gleichermaßen. Materialpakete, das Internet und durch Lehrer unterstützte Eltern machen es möglich, dass das Lernen zu Hause weitergehen kann.

Homeschooling: Erstklässler in der Warteschlange? Hickelhäuschen: Auch spielend können die Kinder Rechnen lernen © V P Photo Studio - stock.adobe.com

Harte Zeiten erfordern harte Maßnahmen. Seit Freitag, den 13.03.2020, haben alle Bundesländer die Schulen geschlossen. Wenn das Kind schon schreiben, rechnen und lesen kann, ist das schon eine Herausforderung, den Unterricht nach Hause zu verlagern. Was aber, wenn Eltern ein Kind im ersten Schuljahr hat? Die Kinder haben teilweise noch nicht alle Buchstaben erlernt, bei einigen klappt das Lesen noch nicht und andere haben Schwierigkeiten beim Rechnen. Sollen diese Kinder nun in der Warteschlange verharren bis die Schulen wieder öffnen?

Eltern versuchen sich als Hauslehrer

Auch wenn viele Eltern ebenfalls zu Hause bleiben oder Kinder gemeinsam bei Tagesmüttern betreut werden, so sind diese doch keine Lehrer und somit keine Fachleute im Vermitteln von neuen Unterrichtsinhalten. Einige Eltern gehen mutig ans Werk, nach dem Motto: Ich war auch schon in der Schule und kann das doch alles. Andere sind weniger mutig und befürchten, ihren Kindern etwas falsch beizubringen. Grundsätzlich sollten Eltern sich fragen, ob sie Kindern wirklich etwas „falsch“ beibringen kann. Vielleicht spurt das Kind den Buchstaben falsch herum oder der Rechenweg ist im Buch anders vorgegeben, als man es selbst gelernt hat. Aber dadurch werden die Kinder keinen Schaden erleiden. Schlimmer ist es durchaus, wenn die Lernenden in diesen frühen Jahren gar nichts machen.

Materialpakete und Wochenpläne

Viele Lehrerinnen und Lehrer haben den Kindern Materialpakete mitgegeben. Diese bestehen aus den Schulbüchern, den Arbeitsheften und vielen Arbeitsblättern. Häufig wurde ein Wochenarbeitsplan beigefügt, damit die Kinder genügend Aufgaben für die ganze Woche haben. Einige Kollegen und Kolleginnen haben Erklärungen für die Eltern beigefügt, was zu beachten ist. Was bedeutet Leseflüssigkeit? Was ist freies Schreiben? All dies ist für viele Eltern Neuland.

Wichtig ist vor allem bei den Kleinsten: Sichern Sie das bereits Gelernte! Im Arbeitsheft und in der Fibel sind viele Seiten schon bearbeitet. Aus den vorhandenen Wörtern kann ein kleines Diktat erstellt werden. Ein Wettbewerb, wer schreibt schöner und genauer in den Linien: Eltern oder Kind? Das macht nicht nur Spaß, sondern festig die Inhalte und schult noch die Feinmotorik.

Buchstaben können aus Knete gelegt, in den Sand geschrieben oder auf ein großes Blatt gespurt werden. Vorlagen zum kostenlosen Download gibt es unzählige im Netz und natürlich auch hier im Lehrerbüro. Eine wahre Fundgrube gibt es auf der österreichischen Seite LL-Web.

Lesen üben geht auch digital

Aber wie übe ich Lesen mit den Kleinen? Es gibt genügend Bücher für Erstleser. Sollten nur wenige Exemplare vorhanden sein und durch die Schließung der Läden auch kein Nachschub verfügbar sein, so gibt es immer noch die digitalen Medien. Teilweise müssen Eltern im Homeoffice arbeiten und haben daher weder Zeit noch teilweise die Nerven, sich auch noch mit dem Lesenlernen auseinanderzusetzen. Die gute Nachricht: Auf den meisten Geräten gibt es eine Lesefunktion. Das bedeutet, man kann für die Kinder geeignete Texte markieren und vorlesen lassen. Die Kinder können dann auch — wie im Tandemlesen — laut mitlesen. Auf vielen Geräten kann man die Geschwindigkeit einstellen, z. B. von Schnecke bis Hase (auf dem iPad). Der Erfolg zeigt sich, wenn man im Laufe der Zeit die Lesegeschwindigkeit erhöhen kann. So steigert das Kind die Leseflüssigkeit sowohl beim lauten als auch beim leisen Lesen.

Mathe-Lernvideos und Lern-Apps

Für Mathe gibt es im Netz auch für die Kleinsten anschauliche Lernvideos. Wenn ihr Kind verdoppeln soll, Eltern aber nicht wissen, wie sie es erklären sollen, können sie vorhandene Tutorials nutzen. Wenn die Schüler Glück und einen digital fortschrittlichen Lehrer haben, dann hat dieser das bereits selbst erstellt und den Eltern geschickt oder entsprechenden Links weitergegeben. Und natürlich gibt es auch kurze Erklärvideos im Lehrerbüro.

Zum eigenständigen Üben und Vertiefen in Deutsch und in Mathe lohnt sich die App Anton. Einige Kollegen haben hier ihre Klassen angelegt und den Schülerinnen und Schülern Aufgaben ausgewählt. Die Lehrer müssen den Kindern dann nur den Zugangscode geben und schon kann man sich über den Schulnamen in der entsprechenden Klasse anmelden.

Diese App kann jedoch auch von jedem Benutzer, ohne dass der Lehrer eine Klasse angelegt hat, genutzt werden. Dann müssen die Eltern schauen, dass ihre Lieben nur die Aufgaben erledigen, die für sie sinnvoll sind. Bei Anton kann man immer die Jahrgangsstufe, das Fach und das Thema auswählen. Also auch hier wieder der Appell an die Eltern: zuerst der Blick ins Schulbuch und Arbeitsheft. Alles was bereits gelernt wurde, kann beliebig oft mit verschiedenen Aufgabenformaten geübt werden. Üben kann man nie genug — das sollten Sie den Eltern mit auf den Weg geben!

Mit Gegenständen das Rechnen und Zählen trainieren

Im Bereich der Mathematik kann man zusätzlich mit den jüngsten der Schulgänger Zählen und Rechnen üben. Angefangen von Legobausteinen über Schleichpferde hin zu Buntstiften. Bei besser werdendem Wetter kann mit Straßenkreide eine Rechenmauern aufmalt werden. Dazu finden Eltern genügend Vorlagen und Ideen in den Mathebüchern und Arbeitsheften. Und natürlich können Sie Ihren Schülerinnen und Schülern jede Menge Arbeitsblätter aus dem Lehrerbüro zukommen lassen.

Auch mit dem guten alten Hickelhäuschen übt man zählen. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt — alle Zahlen von 1–10, alle geraden Zahlen, alle ungeraden Zahlen und so weiter.

Am wichtigsten ist jedoch: Die Kleinsten dürfen nicht in der Warteschlange verharren, sondern müssen weiterhin gefordert und gefördert werden.

Babett Kurzius-Beuster

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