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Kooperation

Kooperation im Jahrgangsteam

Nehmen sich Lehrer im Jahrgangsteam Zeit für gemeinsame Planung, Beratung und Bewertung, so entwickelt sich nicht nur eine effektive, unterstützende, kreative und professionelle Arbeitsweise, sie spart auch Zeit und Energie.

Kooperation: Kooperation im Jahrgangsteam Es macht die Unterrichtsvorbereitung und den Schulalltag insgesamt leichter, wenn man im Jahrgangsteam zusammenarbeitet © contrastwerkstatt - Fotolia.com

„Mit wie vielen Punkten bewerten wir denn die Aufgaben der schriftlichen Multiplikation?“, fragt die Klassenlehrerin der Klasse 4a ihre Kollegin der Klasse 4b. Gemeinsam vereinbaren sie die Bewertung der bevorstehenden gemeinsamen Mathematikarbeit in ihren 4. Klassen. Während sie früher als Klassenlehrerinnen nur den Zeitpunkt der Klassenarbeiten festgelegt haben, schreiben sie nun identische Klassenarbeiten in ihren Parallelklassen. Überhaupt hat sich daraus eine kooperative und arbeitsentlastende Zusammenarbeit ergeben, in der jeder Lehrer seine individuellen Stärken einbringen, aber auch noch authentisch bleiben kann. Nach einiger Zeit kennen die Lehrer ihre Vorlieben und Wünsche sowohl fachlich als auch im sozialen Umgang mit den Schülern, was die Zusammenarbeit sehr erleichtert. Kompromissbereitschaft vorausgesetzt, entsteht aus dieser Symbiose eine qualitativ hochwertige Unterrichtsvorbereitung für die Schüler der Klassen. 

Gemeinsam Unterricht planen

Meist scheitert die geplante Kooperation im Jahrgangsteam an den zeitlichen Ressourcen. Eine Kooperationsstunde passt oft nicht in den Stundenplan und wichtige Dinge werden kurz in den Pausen geklärt. Dabei kann bei effektiver Gestaltung einer Kooperation eine immense Zeitersparnis bedeuten und den Unterricht qualitativ aufwerten. 

Zunächst sollten sich die Lehrer eines Jahrgangs treffen, um die Wünsche für eine gemeinsame Planung zu sammeln und zu ordnen. Dies kann gemeinsame Überlegung zu den einzusetzenden Materialien, das Vorgehen während einer Unterrichtseinheit sowie das eigenständige Planen und Weitergeben einer Unterrichtseinheit umfassen. 

Für den Start empfiehlt es sich, Unterrichtsinhalte für die zur Verfügung stehenden Stunden gemeinsam festzulegen. Das kann beispielsweise eine grobe Stoffverteilung für das Schuljahr und die zu behandelnden Themen sein, sollte aber die Möglichkeit beinhalten, Themen auch flexibel verschieben zu können. Hierbei ist in der Regel einer der Lehrer Ideengeber, ein anderer Korrektor. So kommt es zu einem effektiven Austausch wie: „Nein, hierfür benötigen wir eher zwei Schulstunden. Sonst haben die Schüler nicht genügend Übungszeit.“ Oder: „Diese Übung würde ich weglassen und die Schüler stattdessen mit dem Geodreieck selbst handelnd Erfahrungen sammeln lassen“. 

Je nach Lehrerpersönlichkeit muss das nicht immer bis ins Kleinste besprochen werden, es kann auch nur das Ziel in Form von Kompetenzen bis zur nächsten Klassenarbeit abgesteckt werden: „Bis übernächste Woche sollten alle Schüler wissen, was parallel und senkrecht ist und dies mit dem Geodreieck an Zeichnungen überprüfen können.“ Die Individualität eines jeden Lehrers sollte hier nicht eingeschränkt werden, damit er authentisch bleiben und gegebenenfalls eigene Lernmethoden und Materialien einsetzen kann. Wird dies bei der Kooperation beachtet, kann die Zusammenarbeit sehr fruchtbar sein. 

In der Regel werden Kompromisse zwischen schnellem oder langsamem Vorgehen im Unterricht gefunden. Es werden Differenzierungsmöglichkeiten und Materialien ausgetauscht. Es kann eben auch Material wechselseitig mitgebracht, weitergegeben oder hergestellt werden, was ebenfalls Zeit und Arbeit für den einzelnen Lehrer spart. Wichtig ist, dass sich Geben und Nehmen im Gleichgewicht befindet und jeder etwas mitbringt, einbringt, vorbereitet oder herstellt. 

Gemeinsam vereinbarte Bewertungen

Ein einigermaßen gleichschrittiges Vorgehen in den Parallelklassen und vor allen Dingen eine einheitliche Bewertung der Leistungsnachweise stärkt zudem die Lehrer im Verhältnis zu den Eltern. Eine Vergleichbarkeit der Klassen lässt keinen Konkurrenzkampf zu, wie „die Klasse 4a hat aber schon das Einmaleins gelernt“ oder „beim Diktat der 4b waren es aber andere, einfachere Lernwörter“. Durch die gemeinsame Festlegung von Bewertungen hat jeder Lehrer eine größere Sicherheit, gerecht bewertet zu haben. Denn auch hier werden im Austausch unter Kollegen Kompromisse gefunden, die meist zugunsten eines Schülers getroffen werden. Es kann gemeinsam überlegt werden, welche Bereiche in der Arbeit abgefragt werden, welche Teilpunkte gegeben werden, welche Lösungen richtig sind und wie die Bewertung einheitlich erfolgt. Dieses durch Kooperation erzielte Ergebnis, das immer wieder durch den Parallelklassenlehrer bei unklaren Punkten abgeglichen werden kann, wirkt auch bei Eltern durchdacht und professionell. 

Eltern gemeinsame Aktionen gemeinsam mitteilen

Um die Konkurrenz der Klassen untereinander auch zwischen den Kindern zu minimieren, sind gemeinsame Aktionen, wann immer es möglich ist, sinnvoll. So ist eine gemeinsame Klassenfahrt, eine gemeinsame Bewegungsstunde auf dem Schulhof, das gegenseitige Präsentieren von Unterrichtsergebnissen, ein gemeinsames Frühstück oder ähnliches denkbar. 

Eine weitere Arbeitserleichterung, gegenseitige Unterstützung und sogleich ein weiteres Zeichen der Kooperation innerhalb der Jahrgangsteams stellt ein gemeinsamer Teil des Elternabends dar. Im Wechsel können die Lehrer der Klassen hier fachliche und organisatorische Dinge vortragen und sich bei Fragen seitens der Elternschaft gegenseitig Rückendeckung geben. So lernen sich nicht nur die Kinder der Klassen, sondern auch die Eltern näher kennen und die Klassen wachsen zusammen. Für individuelle klassenspezifische Fragen sollte immer noch ein Teil des Elternabends in der einzelnen Klasse angeboten werden. Hier können Dinge wie Klassenkasse, Elternbeiratswahl etc. klassenintern geregelt werden. 

Kooperation in sozialen Dingen

Verstehen sich die Lehrer des Jahrgangsteams gut und kennen sie durch gemeinsame Aktivitäten auch die Schüler der Parallelklassen besser, so kann die Kooperationsstunde auch dafür genutzt werden, sich zu beraten, wie beispielsweise eine kollegiale Fallberatung. Auch kleinere Probleme können besprochen werden: „Was würdest du denn mit Max machen, er hat fast nie Hausaufgaben dabei?“ Dieses gegenseitige Beraten und Unterstützen fördert das Verständnis, die Hilfsbereitschaft untereinander, erleichtert Arbeitsprozesse und ebnet den Weg zu einem kooperationsbereiten Lehrerkollegium. 

Nimmt man sich die Zeit für diese Art von Teamarbeit, entsteht durch die Arbeitsteilung bei der Unterrichtsvorbereitung, bei der Vorbereitung eines Elternabends und gemeinsamer Aktionen und Aktivitäten eine Win-win-Situation für alle Beteiligten, die den Schulalltag erleichtert und letztendlich auch der Gesundheit guttut.

Marion Keil

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