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Notengebung – Beurteilungsfehler vermeiden

Das Eltern wegen Noten ihrer Kinder Rückfragen haben, gehört zum Lehreralltag. Umso wichtiger ist es, dass die Beurteilung von Leistungen professionell gelingt. Dafür müssen Sie einige Anforderungen berücksichtigen. 

Fair bewerten: Notengebung – Beurteilungsfehler vermeiden Kriterien für die Beurteilung von Leistungen © MH - stock.adobe.com

„Liebe Frau Müller, ich würde mich gerne mit Ihnen über die Note meiner Tochter im letzten Test unterhalten.“ – Solche Anfragen sind Alltag im Lehrerleben. Als Information über den Leistungsstand nehmen Noten viel Raum in der Wahrnehmung von Schüler/-innen und Eltern ein. Umso wichtiger ist es, dass die Beurteilung von Leistungen professionell gelingt. Schon im Studium haben wir daher gelernt, dass die Beurteilung von Schülerleistungen drei Anforderungen genügen sollte: Objektivität, Validität und Reliabilität.

Objektivität – das Testergebnis soll neutral sein

„Johanna war an diesem Tag schlecht drauf, da gebe ich ihr den Punkt lieber.“ – „Der Martin kann das schon, der ist doch immer ein spitzen Schüler!“ „Wenn ich Lena die 4 gebe, schafft sie den Schnitt fürs Gymnasium nicht.“ Solche Gedanken können Lehrer/-innen bewusst oder unbewusst beeinflussen. Egal, ob es eine Tendenz zur Strenge, zur Milde oder eher zur (konfliktärmeren!) Mitte der Notenskala ist, zeugen solche Beeinflussungen von mangelnder Objektivität. Auch die Vorinformationen, die eine Lehrkraft über ihre „Prüflinge“ hat, können die Beurteilung beeinflussen. „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“, titelte der Spiegel in Folge der „Kevin-Studie“ im Jahr 2009. Auch wenn sich der Name im Jahr 2021 höchstwahrscheinlich geändert hat, bleibt die Grundaussage: Lehrer sind auch nur Menschen und bewerten nicht immer frei von äußeren Einflüssen. 
Tipps um objektiv zu beurteilen

  1. Eine Möglichkeit dagegen vorzugehen wäre, anonym zu korrigieren, indem man die Namen der Schüler/-innen auf den Tests verdeckt. 
  2. Möglicherweise fokussiert man sich auch etwas weniger auf das Kind persönlich, wenn man die Leistungsnachweise nicht immer von Aufgabe 1 bis 10 durchgeht. Stattdessen könnte man zuerst bei allen Schüler/-innen die Aufgabe 1 korrigieren, dann bei allen die Aufgabe 2 und so weiter.
  3. Bei strittigen Fragen sollte man die Meinung von Kolleg/-innen einholen, am besten von solchen, die sich im jeweiligen Fach und der Jahrgangsstufe gut auskennen, beispielsweise aus der Parallelklasse. 
  4. Auch, wenn ein Elternteil um ein Gespräch wegen einer angeblichen Ungleichbehandlung ihres Kindes bittet, könnten Kolleg/-innen helfen – in diesem Fall am besten Fachlehrer, die das betroffene Kind kennen. 

Weiterführende Links

Eine Studie über die Fairness von Lehrkräften finden Sie bei Lehrcare.

Hier finden Sie im Lehrerbüro Tipps und Tools zur Leistungsbewertung.

Ratgeber mit Tipps zur Notengebung in der Grundschule.

Reliabilität: Ist der Test frei von Messfehlern? 

Hat die Lehrkraft beim Erklären einer Aufgabe zu viel verraten? Oder hat sie die Fragestellung zu kompliziert gestellt? Wurde der Schüler/ die Schülerin in der Prüfungssituation beeinflusst, zum Beispiel durch Prüfungsangst? War der Test einfach zu lang, sodass Ermüdungserscheinungen auftraten? Spielte ein Betrugsversuch eine Rolle? Testergebnisse können durch eine Vielzahl von Messfehlern verfälscht werden. Es empfiehlt sich, auch die Prüfungssituation vorher gründlich zu durchdenken und vorzubereiten. Worauf geachtet werden muss, hängt vom Fach, der Art des Tests, dem Alter der Schüler/-innen und noch vielen weiteren Rahmenbedingungen ab.  

Ob ein Leistungsnachweis an sich gut oder schlecht konzipiert war, merkt man in manchen Punkten leider erst im Nachhinein. Zur Verbesserung zukünftiger Tests sollte man im Anschluss eine Aufgabenanalyse vornehmen: Gibt es zum Beispiel bei bestimmten Aufgaben häufig falsche Antworten? Wenn ja, liegt das vielleicht an der Fragestellung? Oder gibt es Aufgaben, die jeder bzw. kein Prüfling beantworten konnte (Trennschärfe der Aufgabe)? 

Sowohl bei der Erstellung als auch bei der Durchführung von Leistungserhebungen werden sogar erfahrene Lehrkräfte Fehler nie ganz vermeiden können. Im Zweifel, also wenn Eltern eine Note anzweifeln, ist es gut, wenn man seine Entscheidungen professionell begründen kann – wenn nötig mit einer Rückbesinnung auf die im Studium erlernten Gütekriterien. Dazu gehört auch, Mängel in der Notengebung wahrzunehmen, denn letztendlich ist die Aussagekraft von Noten insgesamt zweifelhaft. Der Gesprächstermin mit dem „Betreff Notengebung“ kann dann hoffentlich ein vielschichtigeres Bild über die Leistung des Kindes erzeugen als nur eine Ziffernnote. 

Daniela Harrer


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