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Schulkonzept

Rhythmisieren des Schulalltags mit Yogaelementen

Ein langer, anstrengender Schultag lässt sich durch Rhythmisierung und dabei immer wieder eingeplante Yoga-Übungen viel besser überstehen. Sie helfen, sich zu entspannen, zu fokussieren und Lernprobleme abzubauen — und gesund zu bleiben.

Schulkonzept: Rhythmisieren des Schulalltags mit Yogaelementen Yoga eignet sich nicht nur für den Sportunterricht, sondern auch als kleine Unterbrechung zwischen Unterrichtsphasen © Africa Studio - Fotolia.com

Das deutsche Schulsystem ist von ständigen Veränderungen geprägt. Das führt dazu, dass sich auch Konzepte, Schulprogramme und der gesamte Ablauf eines Schultages verändern müssen. Immer mehr Schulen werden in offene oder gebundene Ganztagsschulen umgestaltet. Das hat zur Folge, dass sich auch die Aufgabenbereiche der Pädagogen erweitern: Die Kinder werden in der Schule gebildet, erzogen und betreut.

Schulprogramme müssen aufgrund dieser Aspekte neu geschrieben werden. Zu jedem Schulprogramm gehört auch ein Rhythmisierungskonzept, das auf die Situation der Schule und das Schulprofil abgestimmt wird. Besonders in gebundenen Ganztagsschulen ist ein gutes Rhythmisierungsprogramm erforderlich. Denn die Kinder und auch die Lehrer und Erziehungskräfte verbringen viel Zeit in der Schule. Sie brauchen Möglichkeiten zum Abschalten, entspannen aber auch Bewegung.

Aspekte der Rhythmisierung

Die Lehrkräfte und Erzieher entscheiden, wie sie den Schultag so gestalten, dass die Kinder zwischen Lernphasen Bewegungs- und Entspannungsangebote erhalten. Ein gut rhythmisierter Schultag ermöglicht den Kindern in ihrem Rhythmus zu lernen, schafft entspannte Lernphasen und verhilft auch den Lehr- und Erziehungskräften dazu, einmal durchzuatmen.

Folgende Formen der Rhythmisierung können eingesetzt werden:

  • Die äußere Rhythmisierung wird durch die Organisation der Schule vorgegeben: durch einheitliche Pausen, Schulbeginn, Mittagessen, Zeit für das Frühstück, jahrgangsübergreifende Arbeitsgemeinschaften.
  • Die Binnenrhythmisierung bezieht sich auf das Lernen in vorgegebenen Unterrichtsblöcken, den Wechsel zwischen Lehr- und Lernformen, Wochen- und Tagesplänen und Stationenlernen.
  • Die innere Rhythmisierung gestaltet das Lernen im Klassenverband unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lernfähigkeiten, der Entwicklung von Lernstrategien, Gestaltung von Bewegungs- und Entspannungsphasen.

Beispiel für ein Rhythmisierungskonzept mit Yoga

Die Rosa-Parks-Grundschule im Berliner Bezirk Kreuzberg ist seit dem Schuljahr 2005/06 eine gebundene Ganztagsschule. Bewegung, Entspannung und auch Yoga sind Bestandteil des Schulprofils. In den ersten drei Schuljahren haben die Kinder einmal in der Woche Yoga auf dem Stundenplan. Auch der Schultag selbst wird mit Elementen aus dem Yoga rhythmisiert.

Ziel des Rhythmisierungskonzeptes ist,

  • die Kinder die Stille erfahren zu lassen,
  • die Körperwahrnehmung zu fördern,
  • die Wahrnehmung für sich selbst und die anderen zu unterstützen,
  • Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu erzeugen,
  • äußeres und inneres Gleichgewicht zu schulen.

Der Schultag beginnt mit einem „Guten-Morgen-Yoga“ in der Klasse. Danach frühstücken die Kinder gemeinsam im Klassenraum. Dabei wird gesundes Frühstück thematisiert. Die Kinder haben die Möglichkeit ein „Powerbrot“ für 0,50 Cent zu kaufen, was von einigen Schülern gemeinsam mit einer Erzieherin vorbereitet wird.

  • Nach der großen Pause sammeln sich die Kinder zu einer kleinen Entspannung. Zwischen anstrengenden Lernphasen helfen kleine Bewegungsabläufe und Affirmationen die nötige Konzentration wieder wachzurufen: Kreisspiele, Bewegungslieder und Tänze bringen die Kinder nach langem Sitzen in Bewegung.
  • Entspannungsgeschichten, Massagen, Streichelspiele und auch Wahrnehmungsübungen beruhigen, fördern Konzentration und Achtsamkeit und das friedliche Miteinander.
  • Die Kinder lernen verschiedenen Übungen und Übungsreihen mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten kennen.

Durch Selbstreflexion spüren sie nach einiger Zeit, welche Übungen ihnen besonders guttun, bei welcher Übung sie entspannen und abschalten können, welche Übung ihnen Kraft, Konzentration oder Mut gibt, wie sie Angst in Mut wandeln — oder sogar die Wut ins All schicken können. So lernen sie, sich selbst Übungen zusammenzustellen und in den entsprechenden Situationen anzuwenden.

Beispielsweise werden die Kinder der Anfangsphase (erste und zweite Klasse gemeinsam) angeleitet, nach Tages-und Wochenplänen zu arbeiten. Sie bekommen neben Lernaufgaben auch Bewegungsaufgaben, z. B. eine Yoga-Lernverskarte zu erarbeiten und vorzustellen.

Die Kinder der dritten Klassen lernen im Yogaunterricht einen Bewegungsvers, eine Übungsreihe, eine Entspannung, die sie als „Guten-Morgen-Yoga“ oder als Auflockerung zwischen anstrengenden Unterrichtsphasen üben. Die Übungsblätter werden im Klassenraum aufgehängt und entsprechend angewendet.

Das fördert zusätzlich die selbstständige Auseinandersetzung mit Übungen, sodass den Kindern die Übungen mit ihren speziellen Wirkungen im Laufe der Zeit immer vertrauter werden.

Yogaübungen helfen, sich zu fokussieren

Beispiele für den wirkungsvollen Einsatz von Yogaübungen, die Schülern helfen, wieder ihre Mitte zu finden:

Yannis (alle Namen geändert) ist hyperaktiv, intelligent, neugierig, aber sehr sprunghaft und ständig abgelenkt. Er leidet darunter, weil er gern lernen möchte. Er hat für sich die Übung der Schildkröte entdeckt, die er auch auf dem Stuhl als Variation im Klassenraum ausführen kann. Während er sich in sein „Haus“ zurückzieht, sind die Sinneswahrnehmungen reduziert, so als wenn er alle Sensoren eingezogen hat. Danach ist er wie umgewandelt, kann eine Zeit lang arbeiten und zieht sich wieder zurück, wenn er merkt, dass es notwendig ist.

Anna ist wissbegierig, intelligent, motiviert, doch ihre Motivation ist oft nur von kurzer Dauer. Sie braucht ab und zu die Energiepumpe, um sich wieder zu motivieren und Kraft zu tanken.

Britta hat für sich den Baum entdeckt, um sich wieder besser konzentrieren zu können, wenn sie so durcheinander ist und nicht mehr weiterweiß.

Cem braucht ab und zu den Vers „Die Wutrakete“, weil er manchmal aufbrausend und unkontrolliert reagiert und sich leicht provozieren lässt. Er hat gemerkt, dass oft ein Ablauf nicht reicht, wenn die Wut so stark ist. Doch nach drei bis vier „Raketen“ ist die Wut vorbei oder zumindest unter Kontrolle.

Samira hat oft Angst, dass sie etwas nicht kann oder dass sie es falsch macht. Sie wird nervös und weint. Sie sucht sich Hilfe mit der Tigerstreckung oder auch mit dem Vers „Mut“, der ihr hilft, die Angst in Mut zu wandeln.

Alex ist immer konzentriert, freundlich und hilfsbereit. Er hilft anderen Kindern selbstlos, ohne das Lob der Lehrerin im Hinterkopf zu haben. Andere Kinder profitieren von seinen Qualitäten und die Klassengemeinschaft wird positiv beeinflusst. Doch manchmal nutzt er die „Heldenstellung“, um seine Stärken selbst zu spüren, sich selbst zu motivieren und seine Fähigkeiten weiter zu entfalten. Er hat auch gemerkt, dass seine kleinen Koordinationsschwächen durch die Tigerübung und den Affentanz positiv beeinflusst werden.

Inzwischen gibt es Programme, z. B.  ProYoBi (Programm für Yoga in Bildungseinrichtungen), für Lehrer und Erzieher, Yoga kindgemäß an Schulen zu vermitteln. So können sie durch die Elemente Bewegung, Entspannung, Konzentration und Achtsamkeit zu einem gesunden und lernfreudigen Schullalltag beitragen.

Petra Proßowsky

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