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Teamwork

„Rödeln“ Sie noch oder kooperieren Sie schon?

Teamwork fördert die Zufriedenheit im Lehrerberuf und wirkt sich positiv auf den Unterricht aus. Doch eine aktuelle Studie zeigt: In puncto Teamwork ist bei den meisten Lehrern noch viel Luft nach oben …

Teamwork: „Rödeln“ Sie noch oder kooperieren Sie schon? Teamwork entlastet, weil man vieles gemeinsam viel besser organisieren kann © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Jirko Michalski unterrichtet an der Hamburger Julius-Leber-Schule  Mathematik. „Von Einzelkämpfertum“ kann an seiner Schule „sicherlich nicht die Rede sein“, berichtet der Lehrer auf der Website des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik (DZLM). Er leitet eine „Professionelle Lerngemeinschaft“ (PLG), in der sich insgesamt sieben Mathematiklehrer des Kollegiums etwa alle sechs Wochen austauschen.

Die Meetings folgen festen Abläufen: „Wir gehen zu Beginn immer gemeinsam Beispielaufgaben durch. (…) Danach knüpfen wir an die Themen an, zu denen wir beim letzten Treffen gearbeitet haben, werten unsere gegenseitigen Unterrichtshospitationen aus und geben uns detaillierte Rückmeldungen“, so Jirko Michalski. Die Fachkollegen erarbeiten gemeinsam Unterrichtskonzepte, tauschen Ideen und Materialien aus und sind auch mit Mathematik-PLGs anderer Schulen vernetzt.
Eine aktuelle Studie beleuchtet den Ist-Zustand in puncto Lehrerkooperation in Deutschland. Sie zeigt auch, warum Zusammenarbeit gerade im Lehrerberuf so wichtig ist, und welche organisatorischen Rahmenbedingungen Lehrerteamwork begünstigen.

Lehrkräfte verstehen sich nicht als Einzelkämpfer

Die meisten der über 1000 durch das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap befragten Lehrkräfte der Sekundarstufe I hielten es für „wichtig, mit anderen Lehrkräften zusammenzuarbeiten (97 %) und sich kollegial bei Problemen zu helfen (96 %)“ (ebd., S. 13). Den zusätzlichen Aufwand durch Kooperation sehen dabei 87 Prozent „nicht als problematisch“. Im Durchschnitt betrug die wöchentliche Arbeitszeit der befragten Lehrkräfte 42,8 Stunden (Vollzeit 45,8 Stunden, Teilzeit 34,5 Stunden), von denen 4,9 Stunden auf „kooperationsbezogene Tätigkeiten“ mit Lehrerkollegen (2,5 Stunden), aber auch mit Eltern, Einrichtungen, Unternehmen, Vereinen usw. entfallen (ebd., S. 17). Das sind immerhin 11,5 Prozent der Wochenarbeitszeit.

Komplexere Formen der Zusammenarbeit sind selten

Verschiedene Kooperationsaktivitäten unterscheiden sich z. B. hinsichtlich der Art der Zusammenarbeit, der erforderlichen Abstimmung auf ein gemeinsames Ziel, der Autonomie der Beteiligten oder der nötigen Vertrauensbasis für eine gemeinsame Aufgabe. Die Kooperationsforscher Gräsel, Fussangel und Pröbstel leiteten in einem Beitrag für die „Zeitschrift für Pädagogik 52 (2006) daraus verschiedene Niveaustufen der Zusammenarbeit im Lehrerberuf ab:

  • Auf der untersten steht dabei der Austausch (z. B. von Materialien oder Literaturempfehlungen),
  • die zweite Stufe umfasst Formen der Arbeitsteilung (z. B. Absprachen über individuelle Förderung oder eine übergreifende Abstimmung von Inhalten und Zielen)
  • und die höchste Stufe der Kooperation stellt die Kokonstruktion dar (z. B. gegenseitige Unterrichtsbesuche oder die gemeinsame Planung von Unterricht).

Etwa 60 Prozent der befragten Lehrer tauschten regelmäßig Materialien und Informationen (etwa Inhalte von Fortbildungen) aus, während nur etwa 20 Prozent der Lehrkräfte von einer gemeinsamen Unterrichtsplanung oder von gemeinsamem Unterricht berichteten. (Lehrerkooperation in Deutschland, Link s. o., S. 8)
Doch weniger als ein Viertel der Lehrer (23 Prozent) unterrichtet häufiger im Team, und nur jeder Zehnte (9 Prozent) hospitierte öfter im Unterricht anderer Lehrer. Etwas Neues erarbeiten oder im Team ein fachspezifisches Problem lösen — gerade diese für Lehrer besonders ergiebigen Formen der Zusammenarbeit finden also nur selten statt.

Lehrer an inklusiven oder Ganztagsschulen kooperieren stärker

Starkes Kooperationsverhalten wiesen hingegen Lehrkräfte an Schulen mit Inklusionsangebot auf. Kein Wunder, denn hier unterrichten Lehrer „häufiger regelmäßig“ in multiprofessionellen Teams mit Sonder- und Sozialpädagogen. Das „weist darauf hin, dass Inklusion möglicherweise als Katalysator für die Etablierung kooperativer Arbeitsbeziehungen dient“, so die Autoren des Ergebnisreports (Lehrerkooperation in Deutschland, Link s. o., S. 9).
Auch an vollgebundenen Ganztagsschulen sind komplexe Formen der Zusammenarbeit häufig anzutreffen: Team-Teaching, die gemeinsame Vorbereitung von Unterricht und kollegiale Hospitation sind hier wesentlich verbreiteter als an Halbtagsschulen oder teilgebundenen bzw. offenen Ganztagsschulen. Die Autoren der Studie erklären das mit günstigen Bedingungen für Kooperation (ebd.).

Schulorganisatorische Rahmenbedingungen für Teamwork

Vor allem drei Voraussetzungen wirken sich auf die Kooperationsaktivitäten der Lehrkräfte positiv aus (ebd.):

  1. wenn Teamarbeitszeiten im Stundenplan berücksichtigt werden,
  2. wenn sich „Koordinationsstrukturen zur Abstimmung der Unterrichtsarbeit“ etabliert haben
  3. und wenn die Schulleitung Teamwork-Aktivitäten unterstützt.

Ob Arbeitsräume oder andere materielle Ressourcen vorhanden sind, spielt hingegen keine oder nur eine geringfügige Rolle, wenngleich noch nicht einmal der Hälfte der Lehrer genug Arbeitsräume für die Teamarbeit zur Verfügung stehen.
Während die meisten Studienteilnehmer über gute Koordinationsstrukturen (vgl. Punkt 2.) und Unterstützung durch die Schulleitung berichteten, fehlte es doch bei über 50 Prozent der Befragten an eingeplanten Teamarbeitszeiten. 

Teamarbeit fördert Freude am Beruf

„Teamarbeit und Begeisterung für den Beruf gehen Hand in Hand“, So resümieren die Autoren des Pressetextes zur Studie auf der Website der Bertelsmann-Stiftung: Lehrer, die häufiger mit Kollegen zusammenarbeiten, erleben sich als kompetent und emotional wenig erschöpft, haben Freude am Unterrichten und sind zufrieden mit ihrem Beruf.

Die Erfahrungen des Mathematikteams von Jirko Michalski bestätigen die positiven Effekte einer intensiven Zusammenarbeit mit Fachkollegen: Seine PLG besteht bereits seit mehr als zwei Jahren und alle Kollegen sind noch dabei. Sie schätzen die kontinuierliche Zusammenarbeit, „dass wirklich etwas hängen bleibt“ und erleben besonders die gegenseitigen Unterrichtsbesuche als Chance, eigene Muster zu überdenken und etwas Neues zu entdecken.

Martina Niekrawietz

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