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Schnuppertag

Schulanfänger lernen ihre Schule kennen

Um die Aufregung der zukünftigen Erstklässler vor der Einschulung abzumildern, hilft ein Schnuppertag an der neuen Schule. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie ein solcher Schultag aussehen könnte.

Schnuppertag: Schulanfänger lernen ihre Schule kennen Damit ein guter Start gelingt: Die zukünftigen Erstklässler toben in der Pause mit ihren Schulpaten © Christian Schwier - Fotolia.com

„Wie kann ich meine Erstklässler am Besuchstag mit den zukünftigen Schulkindern gemeinsam beschäftigen?“, will eine Kollegin wissen. „Was kann ich überhaupt machen, um den Neulingen die Schule schmackhaft zu machen?“ — Der Grundschulbesuchstag der Kindergärten steht kurz bevor und die zukünftigen Erstklässler sollen einen Einblick in das Schulleben bekommen und ihre neue Schule kennenlernen. Um einen solchen Schnuppertag zu einem erfolgreichen allerersten Schultag zu machen, sollte der Ablauf bis in alle Einzelheiten durchgeplant werden.

Erster Schritt: Besuchsklassen und Paten auswählen

Optimal ist es, wenn die Kindergartenkinder an einem Grundschulbesuchstag ein oder zwei Schulstunden in der Grundschule mit den derzeitigen Erst- und Zweitklässlern verbringen können, da hier die Leistungsdifferenz noch nicht so hoch ist.

Bei mehreren Besuchskindergärten sollten am besten die Kinder eines Kindergartens gemeinsam in kleinen Gruppen in eine Klasse gehen, idealerweise pro Klasse nicht mehr als acht bis zehn Kindergartenkinder. Wenn die Kindergartenkinder für die 2. und 3. Stunde eingeladen werden, können sie eine erste große Pause in der Schule miterleben.

Zur Vorbereitung können Paten für die Schulanfänger bestimmt werden. In der Regel sind dies ältere Schüler, die die Neuankömmlinge begrüßen, ihnen alles zeigen und sich später bei Problemen und Sorgen in den Pausen und vor dem Unterricht um sie kümmern können. Diese Paten aus dem jetzigen 3., nach den großen Ferien 4. Schuljahr können die Noch-Kindergartenkinder beispielsweise mit einem Lied in der Schule begrüßen. Ein umgedichtetes Lied des Sesamstraßen-Hits „Hätt ich dich heut erwartet“ in „Wir hab´n euch schon erwartet“ kommt erfahrungsgemäß gut an.

Zweiter Schritt: Die Begrüßung

Am Morgen des Besuchstags sind die Kindergartenkinder ebenso wie die empfangenden Schulkinder aufgeregt. Am besten wird eine gemeinsame Zeit vereinbart, zu der die Begrüßung auf dem Schulhof oder im Versammlungsraum der Schule durch die Patenkinder und ihre zukünftige Lehrerin (falls sie schon feststeht) stattfindet. Um die Aufregung ein wenig abzumildern, können beide Gruppen, die Schulkinder und die Kindergartenkinder, ein Begrüßungslied singen — vielleicht sogar ein Lied gemeinsam mit den Paten.

Literaturtipp und Links:

Mira Lobe: Morgen komme ich in die Schule. Stuttgart 1998

Zehn kleine Fledermäuse als Hörbeispiel.

Hörbeispiel „Hätt ich dich heut erwartet“.

Im Anschluss überreichen die Paten ihr Patenheft und bringen die Kinder in die vorher vereinbarten Klassen für den Schulbesuch. Das Patenheft zeigt ein Foto des Paten. Der Pate schreibt seine Interessen und einem Begrüßungssatz hinein. Das erleichtert das Kennenlernen und Wiedererkennen des Paten nach den Sommerferien. Auch ein persönlicher Satz schafft womöglich Nähe: „Ich bin dein Pate. Ich freue mich, wenn du im Sommer zur Schule kommst. Dann kann ich dir alles zeigen und für dich da sein. “

Dritter Schritt: Schnupperunterricht

Das erste Mal „richtigen“ Unterricht mitzuerleben ist für die zukünftigen Erstklässler ausgesprochen spannend und aufregend. Im gemeinsamen Unterricht können in den Fächern Deutsch und Mathematik folgende Ideen verwirklicht werden:

Zunächst stellen sich die Schulkinder namentlich vor, damit sich die Aufregung bei den Kindergartenkindern legt. Es ist schön, wenn die Besucher nicht extra sitzen, sondern bereits Stühle zwischen den Schulkinder vorfinden und Teil der Gruppe werden. Eventuell kennen sich Kinder bereits und möchten sich in den Besuchsstunden um ein Kind kümmern. Auch die Kindergartenkinder dürfen  ihren Namen nennen, wenn sie es denn wollen.

Als Einstimmung bietet sich eine Geschichte an. Hier ist das Buch „Morgen komme ich in die Schule“ von Mira Lobe empfehlenswert. In der Geschichte geht es einem Jungen ähnlich wie den kommenden Schulanfängern. Sie wissen nicht, ob sie sich auf die Schule freuen sollen oder nicht. Der Protagonist Johannes befragt dazu einige Leute, wie es bei ihnen in der Schule war.

Als gemeinsame Aufgaben sollen nun die Kindergartenkinder malen, wie ihre neue Schule aussieht. In dieser Zeit schreiben die Schulkinder auf, wie es für sie in der Schule ist. Dies kann im Anschluss präsentiert werden. Bild und Erzählung dürfen die Kindergartenkinder als Erinnerung an die Schule mit nach Hause nehmen.

Wenn nach dieser ersten Schulstunde große Pause ist, können die Paten die Kindergartenkinder dazu abholen. Sie können ihnen alles zeigen, sie beim Spielen begleiten und im Anschluss wieder in die Klasse für den Mathematikunterricht bringen.

Zur Auflockerung für eine Mathematikstunde bietet sich das Lied „Zehn kleine Fledermäuse“ an, in dem immer eine Fledermaus weniger besungen wird. Im Anschluss erzählt der Lehrer von den „verliebten Zahlen“, die im Mathematikunterricht eine wichtige Rolle spielen. Diese verliebten Zahlen sind alle Zerlegungen zur Zahl 10.

Nachdem die Schulkinder die Zehnerzerlegungen wiederholt und der Lehrer alle Paare an die Tafel geschrieben hat, sollen die Kindergartenkinder mithilfe der Schulkinder alle Zahlenpaare zur Zahl 10, eben die verliebten Zahlen, auf einem Arbeitsblatt mit der gleichen Farbe gestalten. Dies ist eine effektive gemeinsame Arbeit, da die Schulkinder ihre Kenntnisse auffrischen können und die Kindergartenkinder Spaß am gemeinsamen Erarbeiten und Anmalen haben und gegebenenfalls bereits an der Tafel die beiden zusammengehörenden Zahlen selbst entdecken können.

Auch dieses Aufgabenblatt dürfen die Kindergartenkinder im Rucksack mit nach Hause tragen. Meist ist die geplante Zeit dann schon vorbei und die Kindergartenkinder werden auf dem Schulhof wieder von den Erzieherinnen empfangen. Sollte dennoch Zeit übrig bleiben, so können die Kindergartenkinder berichten, wie sie den Tag in der Schule empfunden haben.

Vierter Schritt: Klassenlehrer besucht den Kindergarten

Noch vor den Sommerferien kann ein Besuch der zukünftigen Klassenlehrerin (falls diese noch nicht feststeht, einer Kollegin der Schule) den Übergang weiterhin für beide Seiten angenehmer gestalten. Zunächst sollte die Lehrerin hier mit den Kindern ins Gespräch kommen und sie über ihre Gefühle bezüglich des Schulanfangs befragen. In der Regel sind die Schüler aufgeregt und berichten hier eifrig, was sie von der Schule erwarten.

Um auch schüchterne Kinder zu erreichen, kann die zukünftige Klassenlehrerin, wenn vorhanden, ein Klassenkuscheltier meist passend zur Fibel, mitbringen, das die Kinder kennenlernen können. Mit dieser Figur kommen viele Kinder schneller als mit der Lehrerin ins Gespräch.

Doch auch eine Aufgabe kann hier Aufschluss über die Vorerfahrungen der Schüler bringen: Das Basteln eines Lesezeichens mit Buchstaben. Eine auf Pappe kopierte Vorlage können die Schüler hier ausschneiden, einen Faden anbinden und die Buchstaben, die sie bereits kennen, ausmalen. Während dieser Tätigkeit kann die Lehrerin den Schneidevorgang, die Malfähigkeit und die Stifthaltung beobachten und die Buchstabenkenntnis überprüfen. Auf die Rückseite können die Kinder ihren Namen schreiben (oder erhalten Hilfe von der Lehrerin). Das Lesezeichen dürfen sie mit nach Hause nehmen, um es in ihr Lieblingsbuch, von dem sie zum Abschluss berichten dürfen, zu stecken.

Durch diese Besuche in Schule und Kindergarten gehen sowohl die Schulanfänger als auch die neuen Klassenlehrer beruhigt in die Sommerferien, denn sie wissen bereits, was auf sie zukommt. Die Angst vor dem Ungewissen weicht einer Vorfreude auf die kommende gemeinsame Zeit.

Marion Keil

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